Setzen Sie auf Nebenwerte – es lohnt sich!

Warum es sich lohnt, auf Nebenwerte zu setzen, die meisten europäischen Anleger es aber dennoch nicht oder nur in sehr geringem Maße tun. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Die meisten europäischen Aktienanleger setzen gerne und fast ausschließlich auf Großunternehmen. Ein schwerer Fehler, wie ein Performancevergleich zwischen Nebenwerten und Standardwerten (Aktien von großen Konzernen) zeigt.

In 13 der vergangenen 18 Jahren schlugen europäische Nebenwerte die Standardwerte in Sachen Performance. Ein klarer Punktsieg also für die Aktien von kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Was auf europäischer Ebene gilt, war in Deutschland nicht anders. Schauen Sie sich einen Vergleichschart zwischen dem DAX und dem Mdax oder dem Sdax an. Dabei werden Sie feststellen, dass die beiden kleineren Indizes den DAX in einem Mehrjahresvergleich deutlich hinter sich lassen.

Die Ursache dafür, dass die Aktien kleiner Unternehmen besser laufen als die der großen Unternehmen: Kleine und mittelgroße Unternehmen wachsen regelmäßig stärker als Großkonzerne, was in der Konsequenz auch die Kurse der Aktien der kleinen und mittelgroßen Unternehmen stärker antreibt.

Warum setzt kaum jemand auf Nebenwerte?

Doch warum setzen nur wenige auf Nebenwerte? Ursächlich dafür sind einige teils tief verwurzelte Fehleinschätzungen, die die Anleger häufig davon abhalten, auf Aktien von kleinen und unbekannten Unternehmen zu setzen.

Ein erster Mythos ist, dass viele Anleger glauben, dass Nebenwerte grundsätzlich risikoreicher sind. Das ist jedoch nicht richtig. Denn die Größe eines Unternehmens sagt nichts darüber aus, wie dieses geführt wird und wie der zukünftige Weg des Unternehmens verlaufen wird.

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Zudem zeigen auch Index-Vergleiche, dass die Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen sich in Krisenzeiten häufig besser halten als die Aktien der Großkonzerne. Es gibt also keinen objektiven Beleg dafür, dass eine Investition in Nebenwerte risikoreicher ist als Investitionen in Standardwerte.

Mittelständler häufig mit sehr gesunden Bilanzen

Ein weiterer Mythos: Kleine Unternehmen sind oft schwächer in Sachen Kapitalstruktur als ihre großen Pendants. Auch das ist falsch. Denn viele Mittelständler in Deutschland verfügen über deutlich gesündere Kapitalstrukturen als die Großkonzerne im DAX.

Viele börsennotierte Mittelständler in Deutschland sind sogar netto-schuldenfrei (sie haben also faktisch keine Schulden). Das ist vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten extrem viel wert.

In guten Zeiten ist es kein Problem, immer neue Kreditlinien bei den Banken zu bekommen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wollen die Banken plötzlich ihr Geld zurück. Das kann schnell dazu führen, dass bei einem Unternehmen der Stecker gezogen wird.

Bei einem Unternehmen ohne Schulden oder mit einer sehr geringen Verschuldung ist diese Gefahr nicht gegeben. Sie sehen: Es ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll und gewinnbringend, auf börsennotierte Mittelständler (Aktien von kleinen und mittelgroßen Unternehmen) zu setzen. Daher kann ich Sie nur dazu ermuntern, dies zu tun, sofern Sie nicht bereits damit begonnen haben.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.