SGL Carbon: Ein Kohlefaser-Spezialist in der Krise

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Der Carbon- und Kohlefaser-Spezialist SGL Carbon bereitet seinen Aktionären seit Jahren keine Freude. Wie geht es weiter? (Foto: Eaum M / shutterstock.com)

Die Aktie der SGL Carbon SE ist im laufenden Jahr eine der schlechtesten im Nebenwerte-Index SDax. Nachdem die Aktie bereits in den Jahren zuvor sehr schlecht gelaufen war, gab sie in diesem Jahr noch einmal deutlich zweistellig nach.

Bevor wir gleich intensiver auf die Aktie blicken, wollen wir uns zunächst das Geschäftsmodell von SGL anschauen und auf die geschichtlichen Hintergründe des Unternehmens eingehen.

Die in Wiesbaden ansässige SGL Carbon SE ist ein weltweit führender Hersteller von Produkten aus Carbon bzw. Kohlenstoff. Das Produktportfolio des Unternehmens reicht von Kohlenstoff- und Graphitwerkstoffen und -lösungen bis hin zu Carbonfasern und Verbundwerkstoffen.

SGL Carbon ist weltweit aktiv. Das Unternehmen hat 17 Produktionsstätten in Europa, 8 in Nordamerika und 6 in Asien. SGL ist mit Service-Niederlassungen in 100 Ländern vertreten. Die von SGL Carbon hergestellten Carbon-Produkte werden z.B. bei der Herstellung von Solarzellen, in Windkraftanlagen, Flugzeugen oder Automobilen eingesetzt.

Gründung in 1992 mit Wurzeln aus dem 19. Jahrhundert

SGL ging 1992 aus der Fusion der deutschen SIGRI GmbH und dem US-amerikanischen Unternehmen Great Lakes Carbon hervor. Die Firmengeschichte der SIGRI GmbH reicht allerdings bis in das 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1878 wurde das Vorläuferunternehmen der SIGRI, die Gebr. Siemens & Co (Gesco), von der Siemens AG in Berlin gegründet. Gesco produzierte Carbon.

Gesco fusionierte 1928 mit der Planiawerke AG für Kohlefabrikation aus Ratibor/Oberschlesien zur Siemens Planiawerke AG für Kohlefabrikate. Nach dem zweiten Weltkrieg fusionierte das übriggebliebene Werk der Siemens Planiawerke AG für Kohlefabrikate im bayerischen Meitingen mit der Chemischen Fabrik Griesheim zur Siemens Plania Chemisches Werk Griesheim.

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Durch eine weitere Fusion mit der Elektrodenfertigung der Hoechst AG gingen die Siemens Planiawerke AG für Kohlefabrikate 1967 mehrheitlich in den Besitz der Hoechst AG über. 1985 wurde das Unternehmen in SIGRI GmbH umbenannt und schließlich erwarb die Hoechst AG 1989 die vollständigen Anteile der SIGRI GmbH.

Börsengang in 1996

Nach der Fusion mit Great Lakes Carbon hielt die Hoechst AG noch einen Anteil von 50% an dem neuen Unternehmen. Die verbleibende Beteiligung wurde 1996 im Rahmen der Restrukturierung des Hoechst-Konzerns verkauft. Seitdem ist die SGL Carbon AG börsennotiert.

Neuausrichtung ab 2017

Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung im Jahr 2017 hat SGL Carbon ihr bisheriges Kerngeschäft mit Graphitelektroden und das Geschäft mit Kathoden, Ofenauskleidungen und Kohleelektroden Anfang 2018 an die Kümpers GmbH verkauft.

Ebenfalls im Jahr 2018 erwarb SGL Carbon die Anteile am Joint Venture Benteler-SGL von der Benteler AG und gab den schrittweisen Erwerb der Anteile der BMW Group am Joint Venture SGL Automotive Carbon Fibers (ACF) bekannt.

Kursperspektive

Die SGL-Carbon-Papiere haben den Aktionären in den vergangenen Jahren wenig Freude bereitet. Lag der Kurs Ende 2011 noch bei knapp 40 Euro, ist er bis heute stetig gefallen und notiert momentan bei rund 4,30 Euro. Noch hat die begonnene Neustrukturierung keinen positiven Einfluss auf den Aktienkurs gezeigt.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Analysten das SGL-Papier sehr zurückhaltend bewerten. Im Augenblick spricht nicht viel für kurzfristig deutlich anziehende Kurse. Für sehr risikofreudige Anleger mit längerfristigem Anlagehorizont könnte sich jedoch eine Turnaround-Spekulation anbieten.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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