SGL-Carbon: Neue Mittelfristplanung vergrätzt Anleger und sorgt für Kurskollaps

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SGL-Carbon: Neue Mittelfristplanung vergrätzt Anleger und sorgt für Kurskollaps (Foto: Eaum M / shutterstock.com)

Die Meldung kam unerwartet und sorgte für ein Blutbad in der Aktie. Der Wiesbadener Carbonspezialist SGL Carbon hat seinen neuen Fünfjahresplan verabschiedet. Was sich auf den ersten Blick unverfänglich anhört, hatte es in sich. Denn die Cash-Flow-Ziele wurden nach hinten geschoben und die Anleger auf eine höhere Verschuldung eingestellt.

Die Reaktion der Aktionäre fiel eindeutig aus. In einem ohnehin schwachen Marktumfeld am Donnerstag goutierten die Anleger die neue Planung mit massiven Abverkäufen. Mit einem Kursrückgang von 20% bildete die Aktie das Schlusslicht im SDAX. Seit Jahresbeginn liegt die SGL Carbon-Aktie damit über 40% in der Verlustzone.

SGL Carbon – weltweit führend in der Carbonherstellung

Der Wiesbadener Konzern ist einer der weltweit größten Hersteller von Produkten aus Kohlenstoff. Die Carbon- und Graphitprodukte werden in der Aluminium- und Automobilindustrie, in chemischen Betrieben, der Solartechnik und Stahlindustrie und der Luft- und Raumfahrt benötigt. Auch in vielen zukunftsbestimmenden Branchen wie LEDS und der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien sowie anderen Energiespeichersytemen kommen die Materialen zum Einsatz.

SGL Carbon unterhält 32 Produktionsstandorte in Europa, Nordamerika und Asien sowie Niederlassungen in über 100 Ländern.

Drittes Quartal nach Plan

Operativ schien bislang alles in Ordnung zu sein. Anfang November präsentierten die Wiesbadener ihre Geschäftsergebnisse. So kletterte in den ersten neun Monaten die Umsätze um 22,5% auf 786,3 Millionen Euro. Dabei war die Hälfte des Anstiegs auf organisches Wachstum zurückzuführen. Das übrige Umsatzwachstum entfiel auf hohe positive Effekte, vor allem in Verbindung mit der erstmaligen Anwendung von IFRS 15 sowie mit der Vollkonsolidierung der ehemaligen Gemeinschaftsunternehmen mit der BMW Group und Benteler.

Milliarden Marke im Visier

Unterdessen erhöhte sich das Vorsteuerergebnis vor Sondereinflüssen auf 59,2 Millionen Euro (+79,4%). Nach Steuern blieben 47,7 Millionen Euro hängen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hat Firmenboss Jürgen Köhler seine Jahresprognose vor vier Wochen noch angehoben. Für 2018 rechnet Köhler mit einem Umsatzwachstum von 15%. Für Sie zum Vergleich: Vorher ging SGL Carbon noch von einem Zuwachs von 10% aus. Im Gesamtjahr soll damit erstmals in der Firmengeschichte beim Umsatz die magische Milliarden-Marke übertroffen werden.

Fünfjahresplan sorgt für Enttäuschung

Soweit so gut. Kaum einen Monat später lässt der Konzern die Bombe platzen. Denn der vorgestellte Fünfjahresplan sorgte für alles andere als Euphorie. Das Ziel, einen ausgeglichenen freien Cash Flow zu erwirtschaften, wurde um ein Jahr verschoben. Zugleich gaben die Wiesbadener bekannt, das angepeilte Wachstum nicht aus eigener Kraft finanzieren zu können. Um das Wachstum nach der Trennung vom früheren Stammgeschäft anzukurbeln, sind höhere Investitionen in der Sparte Graphite Materials & Systems (GMS) notwendig.

Die Konzernführung kündigt an, dass bis 2021 die Investitionen deutlich über dem Abschreibungsniveau liegen werden. Finanziert werden soll das Ganze unter anderem auch mit der Ausgabe einer neuen Anleihe. Bestehende Großaktionäre wie die Quandt-Erbin Susanne Klatten (27,5 %) und BMW (18,4 %) sollen dabei übrigens nicht angezapft werden. Das Volumen der neuen Anleihe könnte bist zu 275 Millionen Euro betragen.

Mehr als 1,3 Milliarden Euro bis 2022

Konkrete Umsatzziele veröffentlichte der Konzern auch: Bis 2022 sollen die Erlöse um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag über der bisher angepeilten Marke von 1,3 Milliarden Euro liegen. Der Vorsteuergewinn soll sich parallel dazu leicht überproportional entwickeln. Zugleich gab es auch einen Ausblick für das nächste Jahr. Hierfür erwartet SGL Carbon nur ein stabiles operatives Ergebnis.

Nicht nur die Anleger stellen sich jetzt auf unruhigere Zeiten ein. Auch die Analysten haben nach der Meldung reihenweise ihre Kursziele nach unten genommen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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