Shell Aktie vor Trendwende? 3 Kurstreiber für die Zukunft

Wer in klassische Ölunternehmen investiert, braucht zurzeit starke Nerven und einen langen Atem. Der Preissturz des einstigen schwarzen Goldes hat auch die großen Konzerne arg in Mitleidenschaft gezogen und ihre Gewinnspannen spürbar geschmälert.

Zwar sind Branchengrößen wie Royal Dutch Shell durch den Preisverfall nicht existenziell bedroht, doch sie müssen sich einiges einfallen lassen, um ihre Bilanzen zu optimieren und für Anleger attraktiv zu bleiben.

Shell versucht das über drei Wege: Erstens will das Unternehmen seine Kosten senken und somit seine Effizienz steigern. Zweitens soll die Übernahme der BG Group möglichst optimal genutzt werden. Drittens ist ab 2017 ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm geplant.

Kosteneffizienz steigern

Wer weniger einnimmt, sollte weniger ausgeben – wohl nicht zuletzt vor diesem Hintergrund wurden die Bohrungen vor der Küste Alaskas inzwischen wieder eingestellt. Angesichts des Preises, der derzeit für das Barrel Öl erzielt werden kann, waren die Kosten weiterer Anstrengungen dort schlichtweg zu hoch. Unterm Strich lohnt sich das nicht.

Das hat Shell für sich ebenfalls erkannt und das Engagement entsprechend zurückgefahren. Doch nicht nur von der Küste Alaskas hat man sich zurückgezogen. Auch darüber hinaus sollen Kosten von jährlich 4 Milliarden Dollar oder rund 10 % der operativen Ausgaben eingespart werden. Unterm Strich würde Shell dadurch besser dastehen, weil Gewinnrückgänge kompensiert werden könnten.

BG-Übernahme optimal ausschöpfen

Die Übernahme der BG Group für 70 Milliarden Dollar wurde von den Anlegern eher kritisch beäugt statt gefeiert. Nicht selten haben sich Unternehmen an Fusionen dieser Größenordnung schon verhoben – und gerade angesichts der schwierigen Lage am Ölmarkt schien der Zusammenschluss manchen zu ambitioniert.

Dennoch könnte er sich mittelfristig als Kurstreiber erweisen, wenn die Synergieeffekte positiv genutzt werden und zugleich in beiden Unternehmen weniger rentable Sparten entweder aufgepäppelt oder aber auch ganz aufgegeben werden.

Umfangreicher Aktienrückkauf

Shell selbst scheint diesbezüglich zuversichtlich zu sein, denn das Aktienrückkaufprogramm, das für die Jahre 2017 bis 2020 angepeilt wird, soll ein Volumen von 25 Milliarden Dollar haben. Nach heutigem Kurs entspräche das knapp 20 Prozent aller im Umlauf befindlichen Aktien.

Gebündelt könnten diese Effekte – effiziente Kosteneinsparungen, gute Ausschöpfung der Vorteile aus der BG-Übernahme und das Rückkaufprogramm – einen ordentlichen Schub für den Aktienkurs leisten. Zumindest mittelfristig könnte es dadurch wieder aufwärts gehen – Anleger brauchen hierfür, wie eingangs erwähnt, einen langen Atem.

Binnen Jahresfrist hat die Aktie rund 17 Prozent verloren, aber immerhin ging es zuletzt wieder aufwärts. Allein innerhalb der letzten Woche hat sich das Papier um rund 15 Prozent verteuert.

Dennoch ist natürlich auch Shell ein Stück weit abhängig vom Ölpreis – und in welche Richtung der sich künftig entwickelt, daran scheiden sich die Geister.

2015-10-09 Shell


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9. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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