Shell und BP: Einstieg zum Schnäppchenpreis?

Der Ölpreis hat in den vergangenen Wochen wieder kräftig angezogen, die Aktien großer Ölkonzerne wie Shell oder BP hinken da noch hinterher.

Beide Papiere haben in den vergangenen 2 Monaten deutliche Rücksetzer verkraften müssen.

Sie folgten damit leicht zeitversetzt dem Ölpreis, der im Laufe des Juli wieder deutlich abgesackt war von knapp 50 auf unter 40 US-Dollar für die Sorte WTI bzw. rund 42 Dollar der Sorte Brent.

Im August nun hat sich der Ölpreis wieder erholt und ist deutlich angestiegen – eine Entwicklung, die die beiden genannten Aktien bislang noch nicht vollzogen haben.

Sie sind noch vergleichsweise günstig zu haben. Aber sind sie deswegen auch wirklich Schnäppchen? Das kommt auf die Betrachtungsweise an, um nicht zu sagen: auf die Dauer des geplanten Investments.

Denn Beobachter und Branchen-Kenner sind sich einig, dass der Ölpreis nicht auf Dauer auf seinem niedrigen Niveau wird verharren können.

Selbst mit rund 50 Dollar je Barrel ist der Haupttreibstoff der Welt noch sehr billig. Das wird aber nicht ewig so bleiben.

Anstieg von Ölpreis und Aktienwert?

Von einem Anstieg auf 60 – 75 Dollar innerhalb der nächsten 18 – 24 Monate gehen inzwischen viele Rohstoff-Experten aus.

Davon würden dann auch die Ölkonzerne wieder profitieren, die aktuell Investitionen zurückstellen und sich Sparprogramme auferlegen müssen.

Wer trotz der aktuellen Dauerkrise in die Branche investieren will, ist wohl gut beraten, dies bei namhaften Großkonzernen zu tun – denn sie haben die Stärke, auch über längere Zeit dem Preisdruck standzuhalten.

Mehr noch: Um Analysten und Anleger nicht zu vergrätzen, werden voraussichtlich sowohl BP als auch Shell an ihrer Dividenden-Politik festhalten und attraktive Ausschüttungen vornehmen.

Diese sind zwar nach bisheriger Jahres-Prognose nicht komplett von Gewinnen gedeckt, eine Dividenden-Kürzung könnte aber Investoren verprellen.

Und schließlich geht man in den Konzern-Zentralen auch davon aus, dass bereits mittelfristig wieder bessere Zeiten anbrechen werden.

2016-08-20 BP

Anleger brauchen Geduld

Bis dahin ist freilich noch etwas Geduld gefragt. Immerhin hat der Iran seine Förder-Anstrengungen nach dem Ende der westlichen Sanktionen gerade erst wieder hochgefahren.

Und auch Saudi Arabien macht bislang keine ernsthaften Anstalten, seine Fördermenge spürbar zu reduzieren, um für eine Stabilisierung der Preise auf dem Weltmarkt zu sorgen.

Für Anleger bedeutet das zusammengefasst:

Man kann die derzeit vergleichsweise günstigen Bewertungen der Shell-Aktie bzw. des BP-Papiers zum Einstieg nutzen, sollte aber einen langen Atem mitbringen und nicht unbedingt auf kurzfristige Gewinne setzen.

Diese würden wohl eher von den Gebühren aufgefressen, sodass es am Ende heißen würde: Außer Spesen nichts gewesen.

Wer auf Rendite hofft, muss in der Ölbranche längerfristig orientiert sein, darf sich bis dahin aber bei den großen Namen zumindest über saftige Dividenden freuen.

2016-08-20 Shell

23. August 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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