Shire-Aktie trotz Übernahme-Offerte über 20% unter Angebotspreis

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Shire und Takeda sind sich einig. Doch die Investoren beider Lager wollen den Deal offenbar nicht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Vorgestern hat Ihnen der Übernahme-Sensor geschrieben, dass die Übernahme des im irischen Dublin angesiedelten Biotech-Konzerns Shire durch den japanischen Pharma-Konzern Takeda vor einer wichtigen Entscheidung steht.

Denn bis gestern Mittag musste sich Takeda entscheiden, ob man an einem Deal mit dem Übernahme-Kandidaten festhalte oder weiterziehe. Takeda entschied sich, dran zu bleiben und Shire signalisierte, dass die Übernahme-Bedingungen akzeptabel sind.

Takeda punktet bei Shire erst mit fünfter Offerte

Rückblick: Seit einigen Wochen umwirbt Takeda den vorwiegend aus den USA heraus operierenden Biotech-Konzern Shire. Dabei holte sich der Bieter mit seinen Übernahme-Angeboten gleich vier Mal eine blutige Nase.

Immer wieder hieß es von Shires Management, dass die Angebote nicht dem fairen Wert des Unternehmens entsprechen würden. Erst beim fünften Angebot einigte sich Shire mit Takeda auf Übernahme-Gespräche. Der rechnerische Preis stieg dabei von zunächst 44 Pfund je Aktie auf 49 Pfund je Aktie.

Großteil des Deals wird mit Takeda-Aktien gezahlt: Rechnerischer Übernahme-Preis nicht der tatsächlich erzielbare Preis

Obwohl sich Bieter und Übernahme-Kandidat bereits einig sind, notiert die Shire-Aktie mehr als 20% unter dem Angebotspreis. Als die Übernahme gestern bekannt gegeben wurde, konnte die Aktie nur kurzzeitig profitieren – heute Mittag lag sie an der Londoner Börse 2% unter dem Vortagesschlusskurs bei 38,65 Pfund.

Die große Lücke zum Angebotspreis liegt am Aktienteil der Übernahme. Denn von den 49 Pfund wird ein Großteil in Takeda-Aktien gezahlt. Der Wert der Übernahme-Offerte ist also variabel. Fällt die Takeda-Aktie – dann ist auch das Übernahme-Angebot weniger wert.

Für Takeda ist der Deal wichtig – doch warum sollten Shire-Investoren einen hochverschuldeten japanischen Pharma-Konzern besitzen wollen?

Für Takeda ist eine Übernahme von enorm hohem strategischen Wert, da die Forschungspipeline deutlich in die Jahre gekommen ist. Dennoch reagieren die Investoren seit Bekanntwerden der Shire-Übernahme-Pläne mit Verkäufen.

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Inzwischen fehlen fast 20% gegenüber dem vorherigen Takeda-Aktienkurs. Dies liegt daran, dass die größte Takeda-Übernahme seit dem Jahr 2000 auch eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt.

Die Ratingagentur Moody´s hat bereits mehrere Bonitäts-Abstufungen in Aussicht gestellt und es ist möglich, dass Takeda-Anleihen Ramsch-Status bekommen. Damit verbunden steigen die Refinanzierungskosten.

Entpuppt sich die Shire-Forschungspipeline dann nicht als so werthaltig wie von den Japanern angenommen, könnte der Deal eine größere Katastrophe werden – die dann auch die Shire-Investoren zu spüren bekommen, die nach dem Deal rund 50% am neuen Unternehmen halten.

Weder Shire- noch Takeda-Aktie ein Kauf

Einige Shire-Investoren wollen oder dürften nicht Takeda-Investoren werden und verkaufen daher bereits jetzt trotz der deutlich tieferen Börsenkurse im Vergleich zum Angebotspreis.

Andere Shire-Investoren wollen nicht riskieren, dass der Deal noch scheitert. Vollzugsbedingung ist, dass Takeda zwei Drittel der Shire-Investoren vom Angebot überzeugen kann, doch ob das gelingt, ist trotz der rechnerischen 60%-Prämie nicht sicher.

Bestehende Takeda-Investoren wiederum wollen nicht riskieren, dass Shire-Investoren, die das Angebot annehmen, nach dem Erhalt der Takeda-Aktie direkt verkaufen und dem Aktienkurs weiter zusetzen. Daher stehen beide Aktien aktuell unter Druck und sind mit Blick auf die unklare Zukunft trotz Übernahme-Einigung aus Sicht des Übernahme-Sensors zu meiden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.