Shire-Übernahme nimmt nächste Hürde

Takeda nimmt die nächste Hürde auf dem Weg zum Shire-Dealabschluss. Auch der Markt ist zuversichtlich, dass die Übernahme über die Bühne geht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Shire-Übernahme durch Takeda ist heute dem Deal-Abschluss einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Die chinesischen Wettbewerbsbehörden haben dem 62 Mrd. Dollar schweren Deal ohne Einschränkungen zugestimmt.

Im Juli nickten bereits die US-Behörden die größte Auslands-Übernahme eines japanischen Konzerns ab, im August folgte Brasilien.  Jetzt müssen nur noch die EU-Behörden und die Behörden im Heimatland Japan dem Übernahme-Plan stattgeben, damit diese Baustelle vollständig abgearbeitet ist.

Sicher ist die Übernahme nach den Freigaben der Behörden dann jedoch immer noch nicht. Nur wenn zwei Drittel der Investoren beider Lager auf den jeweiligen Hauptversammlungen im Januar 2019 für die Transaktion stimmen, geht die Übernahme über die Bühne.

Größter Stolperstein bleiben die Aktionäre

Ob die Konzerne die Rückendeckung von den Investoren bekommen ist nach wie vor ungewiss. Einige Shire-Aktionäre stören sich daran, dass 50% des Übernahme-Preises in Takeda-Aktien gezahlt wird, die sie als nicht werthaltig erachten.

Besonders die hohe Takeda-Verschuldung bereitet diesen Investoren Sorge, aber auch die Gefahr eines schnellen Takeda-Kursrücksetzers nach Abschluss der Transaktion. Befürchtet wird, dass einige Großaktionäre keine japanische Pharma-Aktie halten wollen oder dürfen.

Takeda prüft Verkäufe zur Reduzierung der Schuldenlast

Takeda scheint die Sorge der Investoren sehr ernst zu nehmen. Gerüchte machen die Runde, dass die Japaner den Verkauf oder einen Teilverkauf des Geschäfts mit Augenpflegemitteln prüfen, sobald die Shire-Übernahme unter Dach und Fach ist.

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Der Erlös könnte dann bei 4 bis 5 Mrd. Dollar liegen und würde zur Kredittilgung genutzt. Ebenfalls möglich ist ein Verkauf des Geschäfts mit rezeptfreien Arzneimitteln (OTC).

Im OTC-Bereich ist die Übernahme-Aktivität seit einiger Zeit sehr hoch und es heißt, dass sich Interessenten bei Takeda gemeldet hätten. Wie bei den Augenpflegemitteln ist auch da noch nichts spruchreif, doch die Investoren dürften die Gerüchte wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

Widerstand gegen die Übernahme nimmt ab

Während zu Beginn des Übernahme-Prozesses der Widerstand gegen die Transaktion in beiden Lagern hoch schien, wird inzwischen der Optimismus größer, dass die notwendige Zweidrittelmehrheit erreicht wird.

Denn nicht wenige Shire-Aktionäre, die keine Takeda-Aktionäre werden wollen, haben ihre Anteilsscheine verkauft. Eingestiegen sind dafür Arbitrage-Jäger, die mit einem erfolgreichen Deal-Abschluss rechnen und vom Preisunterschied zwischen Börsenkurs und Angebotspreis profitieren möchten.

Kursabstand zum Angebotspreis verringert sich um die Hälfte

Die größere Zuversicht spiegelt sich auch im Shire-Aktienkurs wider. Kurz nach der Übernahme-Einigung notierte die Shire-Aktie hohe 20% unter Angebotspreis. Dies zeigt Ihnen, dass erhebliche Zweifel bestanden, ob der Deal abgeschlossen werden kann.

Heute steigt die Aktie dank des OKs der chinesischen Behörden um gut 3% und die Lücke beträgt aktuell nur noch 10%. Mit Blick auf einen erwarteten Deal-Abschluss bis Ende März ist das immer noch viel, jedoch stehen die Chancen deutlich besser als noch vor 2 Monaten.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.