Shire: Überzeugt die fünfte Übernahme-Offerte?

Takeda und Shire haben gute Gründe, warum sie sich auf einen Deal verständigen sollten. Ob es auch wirklich zu einer Übernahme kommt entscheidet sich dabei schon morgen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der im irischen Dublin beheimatete Pharma-Konzern Shire wird seit einigen Wochen vom japanischen Rivalen Takeda umworben. Nachdem das Unternehmen mehrere Übernahme-Offerten zurückwies, hat Takeda heute Medienberichte bestätigt, dass man das Angebot noch einmal verbessert hat.

Inwiefern die inzwischen fünfte Offerte nachgebessert wurde, teilte Takeda allerdings nicht mit. Es wird vermutet, dass bei dem Cash- und Aktien-Deal der Baranteil angehoben wurde, der Gesamtwert der Offerte jedoch unverändert geblieben ist.

Shire würde Takedas ausgedünnte Forschungspipeline wieder auffüllen

Aktuell liegt der Spielball bei Shire. Die Japaner haben das Angebot vorgelegt und Shire prüft mit seinen Beratern seine Optionen. Es ist also nicht sicher, ob es für einen einvernehmlichen Deal reicht.

Beide Seiten haben allerdings gute Gründe, warum sie sich auf eine Übernahme verständigen sollten. Besonders für Takeda ist Shire von hohem strategischen Wert. Die Forschungspipeline des Pharma-Konzerns ist ziemlich ausgedünnt, Shires dagegen prall gefüllt.

Besonders attraktiv ist dabei Shires Ausrichtung auf seltene Krankheiten. Anders als bei häufigen Erkrankungen ist in dem Bereich der Konkurrenzdruck nicht so groß und die Preise sind höher.

Takeda hat allerdings auch andere Gründe. Der für den Konzern wichtige japanische Medikamentenmarkt schwächelt und Shire würde neue Umsätze in den USA und Europa mitbringen. Zusammen kommen die beiden Konzerne auf ein Umsatz von über 30 Mrd. Dollar.

Hohe Übernahme-Prämie und wachsender Konkurrenzdruck machen Entscheidung für Shire nicht leicht

Für Shire-Investoren wäre ein Deal eine gute Möglichkeit, die Investition mit einem blauen Auge zu beenden. Der Angebotspreis von aktuell 47 britischen Pfund liegt zwar noch unter dem Jahreshoch bei 50,21 Pfund, beinhaltet jedoch eine Übernahme-Prämie von über 50%.

Denn bis zum Bekanntwerden von Takedas Übernahme-Absicht kannte die Aktie nur eine Richtung – nach unten. Ein Teil der Talfahrt war dem insgesamt schwachem Branchenumfeld geschuldet, aber auch hausgemachte Probleme sowie nahende Konkurrenzmedikamente im Bereich Hämophilie setzten dem Titel zu.

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Shires Management wird jetzt abwägen müssen, ob man von einem höheren Wert der Pipeline überzeugt ist oder sich von Takeda übernehmen lässt. Das Risiko geht dann auf den Käufer über. Shire muss zudem berücksichtigen, dass die Aktie im Falle eines Deal-Aus wieder zurückfallen wird und der Erfolgsdruck durch die Anleger größer wird.

Rechnerischer Wert der Offerte ist nicht der tatsächliche Wert

Die an der Londoner Börse gelistete Shire-Aktie konnte heute vom neuen Takeda-Vorstoß profitieren und legte am Nachmittag um 3,7% zu. Mit 39,41 Pfund bleibt die Aktie allerdings deutlich hinter dem kolportierten Angebotspreis zurück.Die große Lücke zeigt Ihnen, dass der Markt noch nicht von einem erfolgreichen Deal überzeugt ist.

Zudem muss beachtet werden, dass es ein Cash- und Aktien-Deal ist und nicht jeder die Aktie des japanischen Bieters im Depot haben will. Hinzu kommt, dass eine Übernahme dazu führen wird, dass Takedas Verschuldung gehörig zunehmen wird. Womöglich erfolgt eine Kapitalerhöhung und/oder Dividendenreduzierung.

Damit verbunden besteht die Gefahr, dass nach einer Deal-Ankündigung die Takeda-Aktie unter Druck gerät, was den Gesamtwert der Offerte schmälern würde. Seit Bekanntwerden des Übernahme-Interesses hat die Takeda-Aktie bereits über 10% verloren.

Put up or shut up: Morgen fällt die Vorentscheidung

Wie es mit der Übernahme weitergeht, erfahren Sie schon morgen. Denn nach britischem Übernahme-Recht muss Takeda innerhalb eines Monats nach Ankündigung der Übernahme-Absicht ein formelles Angebot auf den Tisch legen oder weiterziehen (put up or shut up).

Damit soll verhindert werden, dass Übernahme-Kandidaten „gestalked“ werden, denn so etwas bringt Unruhe in das Unternehmen und kostet Management-Kapazitäten. Fest steht dann auch, wie hoch der Cash-Anteil des Übernahme-Angebots ist und ob es vielleicht doch noch einen Schnaps oben drauf gibt.

Der Übernahme-Sensor bleibt für Sie am Ball.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.