Shop Apotheke: Versand-Apotheke mit Zukauf im Angriffs-Modus

1. kommt es anders und 2. als man denkt.

Vor wenigen Tagen wurde noch über einen möglichen Einstieg des Online-Giganten Amazon bei der niederländischen Shop Apotheke spekuliert.

Obwohl die Gerüchte umgehend dementiert wurden, zog der Kurs der Versand-Apotheke kräftig an (+20%). Jetzt kommt es komplett anders:

Denn die Shop Apotheke geht mit einem Kaufangebot für die Europa Apotheek selbst auf Einkaufs-Tour und mischt den Markt kräftig durcheinander.

Shop Apotheke im Porträt

Wenn Sie online-affin sind, dann kann es gut sein, dass Sie bereits Kunde des Venloer Unternehmens sind.

Denn die Shop Apotheke Europe N.V. zählt zu den führenden europäischen Online-Apotheken.

Die Gruppe vertreibt hauptsächlich rezeptfreie Arzneimittel sowie apothekenübliche Schönheits- und Pflegeprodukte.

In diesem Zusammenhang bietet die Shop Apotheke auch umfassende Informationen zu Medikamenten, ihrer Anwendung sowie zu Neben- und Wechselwirkungen.

Zukauf ist Rolle rückwärts

Mit dem Zukauf der Europa Apotheek kommt der Markt für im Internet verkaufte Medikamente ordentlich in Bewegung.

Die Anleger des Objekts der Begierde sollen je Anteil 2,724 neue Aktien an der Shop Apotheke erhalten.

Gemessen am Durchschnittskurs der zurückliegenden 3 Monate liegt der Kaufpreis damit bei rund 126 Mio. €.

Dabei ist der Deal etwas kurios. Denn Sie müssen wissen:

Vor dem Börsengang im vergangenen Jahr war die Shop-Apotheke selbst Teil von EHS (Europe Health Services), also der Muttergesellschaft der Europa Apotheek.

Zugleich verfügen beide Firmen über einen gemeinsamen Großaktionär. Michael Köhler ist mit seiner Beteiligungs-Gesellschaft MKBV bei beiden Firmen engagiert.

Übernahme baut europäische Marktführerschaft weiter aus

Mit der Übernahme wollen die Niederländer vor allem ihre Marktführerschaft im europäischen Online-Versand von Medikamenten ausbauen und Kosten sparen.

Auf den 1. Blick ergänzen sich die beiden Firmen nahezu perfekt:

Während die Shop Apotheke ihren Fokus auf rezeptfreie Arzneimitteln hat, konzentriert sich die Europa Apotheek auf das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Mitteln.

2016 generierte die Europa Apotheek einen Umsatz von 144 Mio. €, im 1. Halbjahr 2017 bereits rund 81 Mio. €.

Gemeinsam kommen die beiden Firmen auf einen pro forma Umsatz von 318 Mio. € für 2016.

Durch die Kombination von rezeptfreien und rezeptpflichtigen Medikamenten soll die größte und am schnellsten wachsende integrierte Online-Apotheke entstehen.

Furcht vor Amazon macht die Runde

Mit dem Deal dürfte die Shop Apotheke aber auch den Angreifer Amazon vorerst in die Schranken verwiesen haben.

Denn der Online-Riese will sich auf dem lukrativen Gebiet ein gutes Stück vom Kuchen abschneiden. Was macht den Markt so attraktiv? – Ganz einfach:

Die Hersteller-Margen liegen mit 15 – 25% (z. T. bei Pharma-Produkten auch höher) deutlich höher als bei normalen Konsumenten-Artikeln.

Zugleich wird bislang noch ein geringer Anteil über das Internet vertrieben.

Lag der Anteil in Deutschland im letzten Jahr bei verschreibungspflichtigen Medikamenten bei rund 15 – 16%, kamen die übrigen Länder Kontinental-Europas auf gerade einmal 2 – 3%.

Übernahme der Shop Apotheke eher unwahrscheinlich

Da der Markt stark reguliert ist, wäre der Einstieg für Amazon entweder über exklusive Partnerschaften (wie z. B. mit der Bienen-Apotheke in München) oder eine direkte Übernahme durchaus denkbar.

Die Übernahme der Shop-Apotheke ist hingegen eher unwahrscheinlich, da die Eigentümer bislang keine Bereitschaft zeigen sich von ihren Anteilen zu trennen.

28. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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