Showdown in Leverkusen

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Die Schlammschlacht zwischen Biofrontera und einem aktivistischen Aktionär erreicht seinen vorläufigen Höhepunkt (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Seit Wochen liefern sich Biofrontera, ein im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteter Spezialist für die Behandlung von sonneninduziertem Hautkrebs, und die Deutsche Balaton, eine im Freiverkehrssegment Basic Board der Frankfurter Wertpapierbörse notierte Beteiligungsgesellschaft, eine Schlammschlacht, wie sie in Deutschland selten zu finden ist.

Sperrminorität angestrebt

Doch worum geht es eigentlich? Nach den Vorstellungen der Deutschen Balaton ist bei Biofrontera dringend „Glasnost und Perestroika“ erforderlich. Diese, in den 1980er-Jahren von dem damaligen sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow geprägten Begriffe stehen seither für Offenheit und Modernisierung. Kritisiert werden vor allem die Vorgänge um die letzte, erfolgreich platzierte Kapitalerhöhung, die Biofrontera zu 4,00 Euro bei US-Investoren mit einem Abschlag von über 30% zu dem liquiden Marktpreis durchgeführt hat. Nach Ansicht der Deutsche Balaton wurden hierbei viel zu hohe Abschläge vom aktuellen Börsenkurs gemacht.

Um zu verhindern, dass sie derartige Vorgänge wiederholen, will die Deutsche Balaton eine Sperrminorität von was mindestens 25,1% der Stimmrechte erreichen. Damit wäre die Beteiligungsgesellschaft in der Lage, alle Entscheidungen zu blockieren, zu denen eine sog. qualifizierte Mehrheit von drei Vierteln der Stimmrechte notwendig wäre.

Heute der finale Showdown

Zum finalen Showdown kam es am heutigen Mittwoch auf der Hauptversammlung von Biofrontera in Leverkusen. Zu dieser hat die Deutsche Balaton im Vorfeld zahlreiche Tagesordnungsergänzungsanträge gestellt. Die Gesellschaft fordert unter anderem eine „Sonderprüfung der sogenannten Forschungskooperation mit dem Großaktionär und Konkurrenten Maruho“, da sich die Verwaltung von Biofrontera in ihren Äußerungen zur Kooperation mit ihrem Großaktionär Maruho bereits in offensichtliche und eklatante Widersprüche verstrickt haben soll. Es geht beispielsweise um den Punkt, dass Maruho Eigentümer aller neuen, erfolgreich entwickelten Produkte sein und Biofrontera lediglich die Lizenz zur Vermarktung in Europa erhalten soll.

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Biofrontera bereitet Klage vor

Angesichts der vielfältigen Vorwürfe sieht sich Biofrontera inzwischen veranlasst, Klage gegen die Deutsche Balaton einzureichen. Diese hätten nach Ansicht des Biofrontera-Vorstands auf verschiedene Weise gegen Bundes- und Landesgesetze der USA verstoßen. Unterstützung findet Biofrontera überdies von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die der Balaton ein Erwerbsangebot untersagt hat, da die Balaton nicht in der Lage war, den gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf die erforderliche Angebotsunterlage zu genügen.

Gute Halbjahreszahlen

Dabei hat Biofrontera unlängst den vorläufigen, ungeprüften Umsatz für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2018 bekannt gegeben. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum kletterten die Konzernerlöse um etwa 79 % auf 8,9 bis 9,1 Mio. Euro; die Produktumsätze verbesserten sich sogar um rund 109 %. Besonders stark entwickelten sich die Geschäfte in den USA. Dort wuchs der vorläufige Halbjahresumsatz aus Produktverkäufen voraussichtlich um 167 % auf 6,4 Milo. Euro.

Der Vorstand bestätigte zudem die Umsatzprognose von 16 bis 20 Millionen Euro für das laufende Jahr. „Wir erwarten einen deutlich ansteigenden Geschäftsverlauf im zweiten Halbjahr. Fortgesetzte administrative Schwierigkeiten im Erstattungsprozess in den USA sowie die derzeit laufende Umstellung der Produktionsgrößen lassen aber eine genauere Umsatzplanung momentan noch nicht zu“, so das Unternehmen in seiner letzten Zwischenmitteilung.

Eigentlich sollte mit dieser positiven Entwicklung der Aktienkurs von Biofrontera einen Boden gefunden haben. Wenn da nicht der Streit mit Deutsche Balaton wäre – der mit hohen Anwaltskosten verbunden ist. Solange der nicht beigelegt ist, dürfte die Aktie unter Druck bleiben.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.