Sichere Währungen: Schweizer Franken gehört nicht dazu

Angesichts der Eurokrise, erstarken die Schweizer Franken. Doch nur vorübergehend. Sichere Währungen werden weiter gesucht. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Schweiz galt immer schon als sicherer Hafen für die Millionen nicht nur der Nachbarländer. Doch es ist Vorsicht geboten, denn auch die Schweiz leiden unter der angespannten Situation in der Eurozone. Die Schweizer Franken haben ihren Status als sichere Währung eingebüßt. Wer sichere Währungen sucht, muss sich also an anderer Stelle umsehen.

Sichere Währungen? Schweizer Franken leidet auch unter Euro-Schwäche!

In der Schweiz werden viele Politiker, Unternehmer und Notenbanker hoffen, dass die Griechenland-Krise dauerhaft von der Tagesordnung verschwindet. Denn: Der scheinbare Sieger Schweiz könnte zu einem großen Verlierer der Griechenland-Krise werden.

Es geht natürlich um die Währungsfrage. Aus Angst davor, dass aus der Griechenland-Krise eine Euro-Krise wird, tauschen viele Investoren ihre Euro-Bestände in Schweizer Franken um. Diese Reaktion ist aber doppelt und dreifach gefährlich.

Der Schweizer Franken ist viel zu klein. Wenn die Titanic untergeht, können sich nicht alle Passagiere auf einen kleinen Dampfer retten. Wird die Last zu groß, geht auch der Dampfer unter.

Die Produkte und Dienstleistungen werden immer teurer

Die Folgen sind schon jetzt sichtbar. Vor der Griechenland-Krise kostete 1 Euro rund 1,51 Schweizer Franken (CHF). Zu Beginn der Finanzkrise waren es sogar gut 1,65 CHF. Aktuell kostet 1 Euro nur noch 1,44 CHF. Das klingt gut, hat für die Schweizer Wirtschaft aber unangenehme Folgen: Die Schweizer Produkte werden im Ausland immer teurer.

Die Schweizer Maschinen- und Chemiehersteller konkurrieren oft mit deutschen Unternehmen. Im direkten Vergleich können die deutschen Unternehmen aufgrund der Euro-Schwäche die Waren und Dienstleistungen günstiger anbieten.

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Das heißt: Die Schweizer Realwirtschaft leidet unter dem Erfolg der eigenen Währung. Eine schwache Wirtschaft ist aber kein solides Fundament für eine sichere Währung. Der Schweizer Franken fault von innen.

Abhängig von der Finanzbranche

Beim Stichwort Realwirtschaft muss auch die Wirtschaftsstruktur berücksichtigt werden. Das Schweizer Bruttoinlandsprodukt ist im Vergleich zur Bilanzsumme der Schweizer Finanzkonzerne fast schon winzig klein. Die Schweiz hat keine Chance, ein Banken- und Versicherungssterben ohne fremde Hilfe zu überleben.

Die starke Übergewichtung der Finanzbranche ist genau der Grund, warum der US-Ökonom Nouriel Roubini die 3 Länder Island, Irland und die Schweiz als mögliche Krisen-Herde identifiziert hat. Die Finanzkrise hat Island bereits Richtung Intensivstation befördert.

Darum ist es erstaunlich, dass viele Investoren, die Angst vor einer neuen Bankenkrise haben, ihr Kapital in Schweizer Franken umtauschen. Kaum ein anderes Land in Europa ist so extrem von Banken und Versicherungen abhängig. Und wenn die Schweizer Finanzbranche wackelt, dann wackelt auch die gesamte Wirtschaft und die Währung.

Schweizer Franken ist nur einer leichten Krisensituation stark

Fazit: Es ist richtig und konsequent, nicht das gesamte Kapital auf eine Währungs-Karte zu setzen. Daher sollte man als Anleger verschiedene Währungen abdecken. In einen solchen Währungskorb gehört auch der Schweizer Franken.

Der Schweizer Franken ist im Crash aber nicht der sichere Hafen. Diese Währung ist genau dann stark, wenn die Krise im Euro-Raum für Unruhe sorgt, aber nicht eskaliert. In einer echten Krise wird auch der Mythos vom soliden Schweizer Franken schnell entzaubert. Die Suche nach sicheren Währungen also geht weiter.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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