Siemens Aktie nach Q3-Bilanz im Keller

Die Siemens Aktie wurde nach der Präsentation der Quartalsbilanz abgestraft. Analysten sehen jedoch weiterhin großes Potenzial. (Foto: wallix / Shutterstock.com)

Die Siemens Aktie hat in den vergangenen Tagen den heftigsten Kurssturz der letzten sechs Monate erfahren. Auf Wochensicht ging es zeitweise um rund 7 Prozentpunkte abwärts. Die Unterstützungslinie im Bereich um 111 Euro hat zunächst gehalten, das Papier konnte den Absturz abfedern und sich erst einmal fangen. Doch in welche Richtung es weitergeht, ist derzeit ungewiss.

Hintergrund der Verkaufswelle waren die Zahlen zum abgelaufenen dritten Geschäftsquartal, die Siemens in der vergangenen Woche vorgelegt hat. Diese fielen aus Anlegersicht insgesamt enttäuschend aus, obwohl der Konzern die Erwartungen der Analysten teilweise sogar übertreffen konnte.

Durchwachsene Quartalsbilanz

So lag das Ergebnis aus dem Industriegeschäft mit 2,2 Milliarden Euro im Zeitraum von April bis Ende Juni oberhalb der Schätzungen. Besonders erfreulich: Der Auftragseingang legte um 16 Prozent zu auf 22,8 Milliarden Euro. Dieses Wachstum wäre bei günstigeren Währungsverhältnissen sogar noch deutlicher ausgefallen.

Der Umsatz ging um 4 Prozent zurück auf 20,5 Milliarden Euro. Auch in diesem Zusammenhang verwies Siemens auf ungünstige Wechselkurse. Das Zukunftsprojekt „Digitale Fabrik“ boomt weiterhin und profitiert insbesondere aus einer guten Auftragslage in den USA, Deutschland und China. Das operative Ergebnis der Sparte konnte um 54 Prozent gesteigert werden auf 681 Millionen Euro.

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Deutlich schwächer entwickelten sich die Energie- und Gasgeschäfte. Der Umsatz brach in diesem Bereich um 21 Prozent ein, das Ergebnis reduzierte sich um mehr als 50 Prozent auf nur noch 164 Millionen Euro. Immerhin: Auch hier konnten neue Großaufträge an Land gezogen werden, der Auftragseingang stieg um 42 Prozent.

Siemens Aktie: Analysten zuversichtlich

Insgesamt verzeichnete Siemens einen Gewinnrückgang um 14 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Für das Gesamtgeschäftsjahr, das zu Ende September ausläuft, peilt Siemens eine leichte Umsatzsteigerung an. Das angestrebte Ergebnis je Aktie, das zwischen 7,70 und 8,00 Euro liegen soll, wurde im Zuge der Quartalsbilanzpräsentation bekräftigt. Hier hatten sich einige Anleger eine Anhebung erhofft und reagierten enttäuscht.

Mit Blick auf die Zukunft stehen zudem einige größere Umbrüche an. So will Konzernchef Joe Kaeser den Konzern komplett umbauen, Sparten sollen zusammengefasst werden und künftig eigenständiger agieren können. Neben mehr Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit ist womöglich auch ein Ziel des Umbaus, die einzelnen Tochtergesellschaften einfacher eigenständig an die Börse bringen zu können – denn einzeln scheinen sie mehr wert zu sein als die Summe ihrer Teile unter dem gemeinsamen Siemens-Dach.

Analysten zeigten sich zuletzt – trotz der durchwachsenen Quartalsbilanz und der enttäuschten Anlegerreaktion – mehrheitlich optimistisch mit Blick auf die Siemens Aktie. Die meisten aktuellen Studien raten zum Kauf des Papiers, auch unter Verweis auf die gestiegenen Auftragseingänge sowie die anstehende Umstrukturierung. Aus dieser Perspektive ist die Siemens Aktie aktuell günstig zu haben, die Kursziele der Kaufempfehlungen bewegen sich im Bereich zwischen 130 Euro (Commerzbank u. a.) und 140 Euro (Berenberg Bank u. a.).


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.