Siemens Aktie startet durch nach Q2-Zahlen

Die Q2-Bilanz stieß bei Anlegern und Analysten auf viel Gegenliebe, die Siemens Aktie legte kräftig zu. Für Bauchschmerzen sorgt Trump. (Foto: wallix / Shutterstock.com)

Nach schwierigen Monaten mit allerlei Schlagzeilen gab es in den vergangenen Tagen positive Nachrichten vom Traditionskonzern Siemens: Zur Erleichterung der dort Beschäftigten soll der Standort Görlitz nun doch am Leben erhalten werden, zudem verständigte sich das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern auf Eckpunkte für die Verhandlungen über den Sozialplan.

Hintergrund sind massive Sparmaßnahmen, die Siemens vor allem in der Kraftwerkssparte vorantreibt. Gleich mehrere tausend Arbeitsplätze sollen hier wegfallen, der Standort Offenbach mittelfristig geschlossen werden.

Ein Blick auf die Bilanz unterstreicht die Notwendigkeit der Neuausrichtung: Die Auftragseingänge in diesem Geschäftsbereich sind zuletzt noch einmal deutlich eingebrochen, ebenso wie Umsatz und Gewinn.

Kraftwerkssparte weiterhin unter Druck

Insgesamt ging das Ergebnis im industriellen Kerngeschäft im Zeitraum von Januar bis Ende März – dem zweiten Quartal im Siemens-Geschäftsjahr – um 8 Prozent zurück auf 2,3 Milliarden Euro. Dennoch zeigte sich der Konzern optimistisch für die zweite Jahreshälfte und korrigierte seine Jahresprognose nach oben: Demnach sollen nun 6,5 bis 6,8 Milliarden Euro Gewinn erzielt werden, bislang war man bei Siemens lediglich von 6,1 bis 6,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Insgesamt stagnierte der Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 20,1 Milliarden Euro, während der Auftragseingang um 2 Prozent zurückfiel auf ein Volumen von 22,3 Milliarden Euro.

Während die Kraftwerkssparte weiterhin unter Druck steht, floriert das Geschäft in der Zugkonstruktion sowie in der Digitalisierung. Beide Bereiche konnten zuletzt kräftig zulegen und sollen auch perspektivisch noch stärker an Bedeutung gewinnen.

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Siemens Aktie: Q2-Bilanz sorgt für Auftrieb

An der Börse kam das Zahlenwerk gut an. Die Siemens Aktie verbuchte auf Wochensicht ein Plus von knapp 8 Prozent und kostete am Freitag rund 115 Euro. Nicht nur Anleger, sondern auch Analysten reagierten positiv auf die jüngste Quartalsbilanz: Mit großer Mehrheit rieten sie zum Kauf des Papiers. Die Kursziele bewegten sich dabei überwiegend im Bereich um 140 Euro.

Gegenwind droht Siemens, wie auch anderen exportorientierten Industrieunternehmen, durch das einseitige Aufkündigen des Iran-Abkommens durch die USA. US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen in einem Alleingang und entgegen diplomatischer Bemühungen vor allem aus Europa den 2015 unterzeichneten Deal für beendet erklärt, der Teheran zu einer Beschränkung seines Atomprogramms verpflichtete und im Gegenzug Handelssanktionen schrittweise lockerte.

Nach dem Zustandekommen des komplizierten Kompromisses hatten etliche deutsche Firmen ihre Handelsbeziehungen zum Iran intensiviert und milliardenschwere Aufträge an Land gezogen, darunter auch Siemens, beispielsweise für den Ausbau der dortigen Bahninfrastruktur.

Handelsrisiko Donald Trump

Trump drohte nun jedoch nicht nur mit Sanktionen gegen den Iran, sondern sprach auch von Strafen für alle Unternehmen, die weiterhin dort Geschäfte tätigen. Auf den Kern heruntergebrochen bedeutet diese Aussage, dass sich die Unternehmen am Ende womöglich entscheiden müssen zwischen ihren US-Geschäften und den Deals im Iran. Und da die Vereinigten Staaten als einer der wichtigsten Zielmärkte deutscher Unternehmen gelten, könnte diese Entscheidung die neu aufkeimenden Geschäftsbeziehungen zum Iran bereits nach kurzer Zeit wieder ersticken.

Siemens betonte zuletzt, bereits geschlossene Verträge und begonnene Projekte möglichst vollständig durchführen zu wollen. Allerdings werde sich der Münchener Konzern etwaigen Handelsbeschränkungen beugen.

Was das nun unterm Strich bedeuten und welche Auswirkungen es nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.