Siemens Healthineers: Medizintechnik-Konzern bringt Roboter-Deal in trockene Tücher

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Siemens Healthineers: Gesundheitskonzern bringt Robotik-Deal in trockene Tücher. Milliardentransaktion ist eine Investition in die Zukunft und wird erst einmal die Gewinne belasten (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Jetzt ist es amtlich: Siemens Healthineers hat die Genehmigung für seinen ersten milliardenschweren Zukauf im Robotik-Markt erhalten. Für 1,1 Milliarden Dollar darf der Konzern das noch junge US-Unternehmen Corindus Vascular Robotics schlucken. Die Aktionäre haben gerade abgestimmt und dem Deal ihren Segen gegeben. Auch der Rivale Philips, der knapp 13% aller Corindus-Aktien hält, hat nicht quergeschossen. Am 29. Oktober soll die Transaktion final abgeschlossen werden.

Siemens Healthineers im Portrait

Siemens Healthineers ist das separat geführte Healthcare-Geschäft der Siemens AG und seit 2018 börsennotiert. Zu den Kernbereichen zählen die Bildgebung für Diagnostik und Therapie, Labordiagnostik sowie digitale Gesundheitsservices und Krankenhausmanagement. Das Unternehmen bietet dabei Röntgen-, Computertomographie (CT)- und Magnetresonanztomographie-Geräte sowie Blut- und Urintests. Die medizinischen Systeme des Unternehmens und die klinische Informationstechnik werden von Krankenhäusern sowie Forschungslaboren genutzt und in einer Vielzahl von Teilgebieten wie der Kardiologie, Onkologie und Neurologie eingesetzt.

Wer hinter Corindus Vascular Robotics steckt

Mit Corindus Vascular Robotics setzt der Medizintechnikriese auf ein jungest US-Startup. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt robotergestützte Systeme für minimalinvasive Prozeduren. Mit diesen Systemen können Ärzte Führungskatheter, Führungsdrähte, Ballon- oder Stent-Implantate mit Hilfe integrierter Bildgebung präzise steuern. Bisher hat das Unternehmen rund 50 Robotersysteme im Markt installiert und plant für das aktuelle Jahr eine Verdopplung. Langfristig könnten 15% der kompletten Eingriffe robotergestützt erfolgen, so Therin.

Siemens stärkt sein kleinstes Geschäftsfeld

Siemens Healthineers will damit sein kleinstes Geschäftsfeld, Advanced Therapies, ausbauen, in dem der Konzern Roboter und andere Geräte baut, die Ärzten im OP und bei Behandlungen unter die Arme greifen. Mit einem Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Euro erwirtschaftete Advanced Therapies zuletzt nur 11,1% der Gesamtumsätze des Konzerns. Allerdings gilt das Segment als hochprofitabel. Die operative Umsatzrendite lag mit beinahe 20% zuletzt mehr als 2,5 Prozentpunkte über der Marge des Gesamtkonzerns.

Kaufpreis trotz Zukunftsperspektiven extrem ambitioniert

Für Corindus legt Siemens Healthineers allerdings einen stolzen Kaufpreis auf den Tisch. Die Erlanger bieten 4,28 Dollar in bar je Corindus-Aktie. Das entsprach einer Prämie von 75% auf den Schlusskurs vor der Übernahmemeldung. Besonders beeindruckend: In der ersten Jahreshälfte lag der Preis für eine Corinudus-Aktie noch bei rund 1 Dollar.

Auch wenn die Kaufpreise in der Branche selten günstig sind, der Corindus-Deal hat es auf jeden Fall in sich. Sie müssen bedenken, dass die Offerte Corindus mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet. Im zurückliegenden Geschäftsjahr kam die Firma gerade einmal auf einen Umsatz in Höhe von 10,8 Millionen Dollar. Zugleich operiert die Gesellschaft noch in den roten Zahlen. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 35 Millionen Dollar an.

Auch in diesem Jahr hat sich daran wenig geändert. Im zurückliegenden Quartal lag bei 4,58 Millionen Dollar Umsatz der Verlust bei 10,66 Millionen Dollar.

Bei Siemens Healthineers dürfte der Zukauf die Marge im kommenden Jahr um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte belasten. Hinzu kommen noch die Einmalkosten in einer ähnlichen Größenordnung. Spätestens im Jahr 2022/23, gegebenenfalls ein Jahr früher, soll der Zukauf dann positiv zur Gewinnentwicklung beitragen.

Bildgebung und Robotik sollen Wachstum liefern

Die strategische Hintergrund des Deal liegt auf der Hand: Robotergestützte minimalinvasive Verfahren haben das Potenzial, Behandlungszeiten zu reduzieren, die Präzision während der Behandlung zu erhöhen, die Standardisierung von klinischen Prozeduren zu steigern und damit letztlich die klinischen Ergebnisse zu verbessern. Das Zusammenspiel von exakter Bildgebung und robotergestützten Eingriffen wird, bildlich gesprochen, sowohl die Augen als auch die Hände des Arztes verbessern.

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Siemens Gamesa übernimmt Ria BladesDer Windkraft-Riese Siemens Gamesa hat die Teilübernahme der insolventen Senvion S.A. abgeschlossen. Als letztes wurde die Senvion-Tochter Ria Blades geschluckt. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.