Siemens-Healthineers zum Jahresauftakt zu Unrecht unter Druck

Siemens Healthineers Aktie RED – shutterstock_1432132040

Die Aktie von Siemens-Healthineers stand zum Wochenauftakt unter Druck. Dabei waren die Q1-Zahlen nur auf den ersten Blick enttäuschend. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Am vergangenen Montag hat Siemens Healthineers den Kapitalmarkt mit einem Gewinnrückgang überrascht. Im ersten Quartal (das Geschäftsjahr endet bei dem Münchener Medizintechnikunternehmen zum 30. September) musste das Unternehmen einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 16,9% auf 412 Millionen Euro vermelden. Und das, obwohl die Erlöse noch um 8,7% auf 3,587 Milliarden Euro gesteigert wurden.

Bildgebende Systeme

Verantwortlich für diesen Gewinnrückgang war vor allem ein Bereich: Imaging, worunter Siemens Healthineers bildgebende Systeme wie Computer- oder Magnetresonanztomographie sowie Röntgengeräte zusammengefasst hat. Dieser Bereich erreichte im ersten Quartal einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, was einem starken Wachstum von 9,9% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Während die Regionen EMEA, Asien und Australien signifikante Zuwächse verzeichneten, war die Entwicklung in der Region Amerika nach einem starken Wachstum im Vorjahresquartal leicht rückläufig.

Trotz starken Wachstums des Geschäftsvolumens lag die bereinigte EBIT-Marge des Segments mit 17,4% unter dem Niveau des Vorjahres. Auf einer Telefonkonferenz erklärte der Vorstand, dass es sich hierbei nur um einen vorübergehenden Rückgang handele. Vielmehr habe es eine Ansammlung ungünstiger Effekte gegeben: Erstens lägen die Margen im derzeit boomenden Röntgenbereich unter denen anderer Bildgebender Geräte. Zweitens hätten sich positive Einmaleffekte des Vorjahresquartals nicht wiederholt, und drittens habe die Kursentwicklung der Siemens-Aktie eine Neubewertung der Aktienoptionen der Beschäftigten zur Folge gehabt.

Erklärbare Differenzen

Dass die Aktien nach Veröffentlichung der Quartalszahlen dennoch 4,5% nachgaben, lag insbesondere daran, dass der Margenrückgang in dieser, für Siemens Healthineers wichtigen Sparte unerwartet kam. Alarmiert wurden die Anleger wohl vor allem aus zwei Gründen: Zum einen erinnerten sie sich an die Probleme der Labordiagnostik-Tochter Atellica Solution, die vor einem Jahr ebenso unvermutet auftauchten. Zum anderen sind die Anleger vor dem Hintergrund der überragenden Bedeutung des Imaging-Bereichs verunsichert, der im vergangenen Geschäftsjahr für immerhin 72,3% des operativen Gewinns verantwortlich waren.

Prall gefüllte Auftragsbücher

Dass die Befürchtungen unbegründet sein könnten, zeigt die beeindruckende Auftragslage des Unternehmens. So konnte im ersten Quartal die Book-to-Bill-Ratio auf 1,2 gesteigert werden. Die Book-to-Bill-Ratio ist ein beliebter Indikator für das erwartete Wachstum eines Industrieunternehmens. Sie wird errechnet, indem die Auftragsbestände (ein Indikator für die Erlöse der kommenden Periode) durch die Umsätze der abgelaufenen Periode dividiert werden. Liegt die Kennzahl über dem Wert eins, deutet dies auf ein weiteres Wachstum der Geschäftstätigkeiten hin.

Was bei Siemens Healthineers der Fall ist. Weshalb der Vorstand auch, dem montäglichen Kursverfall trotzend, entspannt die Guidance des Gesamtjahres bestätigt hat: Zum einen soll das Ergebnis pro Aktie um 6 % bis 12 % zulegen – nachdem im nun berichteten Auftaktquartal noch ein Minus von 6 % zu Buche stand. Zum anderen soll der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 5 % bis 6 % gesteigert werden – was ebenfalls über den im ersten Quartal erreichten 5,5 % liegt.

Zum Beispiel, weil Siemens Healthineers von Quest Labs, dem weltgrößten Anbieter von Labordiagnostik-Dienstleistungen, einen Großauftrag für Atellica Solution erhalten hat. Dieser liegt bei bis zu 120 Atellica-Solution-Plattformen, was bei einer Laufzeit von zehn Jahren einem Jahresumsatzvolumen von 40 bis 50 Millionen Euro entspricht.

Offenbar also hat der Kapitalmarkt nach der starken Kursentwicklung der Siemens Healthineers-Aktie kurzfristig Angst vor dem eigenen Courage und den durch Einmaleffekte ausgelösten Ergebnisrückgang zum Anlass für eine kurzfristige Verschnaufpause genommen. Die guten fundamentalen Hintergründe des Unternehmens ficht dies jedoch nicht an.

Siemens logo on the wall of the server room. Editorial 3D

Siemens Energy – lohnt sich der Einstieg?Die Siemens-Tochter ist seit kurzem an der Börse. Anleger sollten hier erst einmal die weitere Entwicklung abwarten.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Peter Thilo Hasler. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz