Siemens: Wie sich die Umstrukturierung auswirkt

Siemens Staubsauger RED – shutterstock_624499949 Cineberg

“Wir gehören zur Familie” – diesen Slogan kennt fast jeder. Oft wurde Siemens zu diesem Zeitpunkt als Bank mit angehängten […] (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

“Wir gehören zur Familie” – diesen Slogan kennt fast jeder. Oft wurde Siemens zu diesem Zeitpunkt als Bank mit angehängten Elektroladen verspottet. Doch damit ist seit der konsequenten Umstrukturierung Schluss.

Bereiche, die ihre Margenvorgaben verfehlten, wurden entweder verkauft oder in Joint Venture eingebracht. Jetzt ist der Konzern krisensicher aufgestellt.

Es hat sich was getan

Siemens hat an Nokia seinen 50%-Anteil an dem Joint Venture NSN für 1,7 Mrd. € verkauft. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibt Siemens die Fokussierung auf das Kerngeschäft weiter konsequent voran und konzentriert sich auf die Stärken in der Energietechnik, Industrie und Infrastruktur, sowie dem Gesundheitswesen.

Für eine Überraschung sorgte die abgespaltene Osram-Tochter von Siemens. Viele hatten erwartet, dass die Aktie nach dem eintägigen Intermezzo im Dax einbricht, doch das war nicht der Fall. Im Gegenteil, die Aktie steigt weiter.

Löscher musste gehen, Kaeser war schon da

Nach einer erneuten Gewinnwarnung musste der Chef seinen Hut nehmen. Der ehemalige Finanzchef und jetzt neuer Konzernchef Joe Kaeser sorgt für Klarheit:

Um Kosten zu sparen, wird Siemens weltweit 15.000 Arbeitsstellen streichen, davon ein Drittel in Deutschland.

Ob ganze Standorte geschlossen werden ist noch offen. Der neue Siemens-Chef muss jetzt das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen und mit klaren Maßnahmen den Rückstand von Siemens gegenüber den Konkurrenten aufholen.

Mit Massen-Entlassungen hatte allerdings keiner gerechnet.

Schwache Zahlen…

Die Anleger reagierten gelassen auf den durchwachsenen Geschäftsbericht. Umsatz und operativer Gewinn fielen im 3. Quartal zurück.

Der Gewinn unterm Strich legte allerdings um 43% auf 1,1 Mrd. € zu, weil Siemens seinen Anteil an NSN loswerden konnte.

Das Umbauprogramm hat im vergangenen Quartal 436 Mio. € gekostet und auch für das laufende Quartal ist mit erheblichen Belastungen zu rechnen.

Für den gebeutelten Konzern gibt es auch Lichtblicke: Siemens konnte den Auftragseingang im 3. Quartal erneut steigern.

… aber steigende Kurse

Die eher schwachen Quartalszahlen haben dem Aktienkurs nicht geschadet – im Gegenteil, still und leise hat die Aktie schon die 90 € Marke geknackt. Dreistellige Kurse sind durchaus im laufenden Jahr noch möglich.

Offensichtlich rechnen die Investoren damit, dass nach dem Wechsel auf den Chefsessel endlich Ruhe einkehren wird. Den neuen Vorstand trauen die Börsianer zu, die Marge deutlich zu steigern.

Attraktiver Dividendentitel

Herrscht Unsicherheit auf den Märkten, dann sind nicht zwingend die Unternehmen an der Börse gefragt, die große Wachstumsfantasien versprechen.

Dann sind die Aktien jener Unternehmen interessant, die an den Märkten etabliert sind und solide Dividenden ausschütten.

Und so verwundert es auch nicht, dass Siemens unter den deutschen Technologie- und IT- Konzernen das Unternehmen ist, das die höchste Dividende ausschüttet:

In den Geschäftsjahren 2007 bis 2009 lag die Dividende von Siemens stets bei 1,60 € je Aktie, in 2010 stieg sie zunächst auf 2,70 € und ab 2011 weiter auf 3,00 €.

Seit 11 Jahren wurde die Dividende nie gekürzt und für 2013 erwarte ich eine Erhöhung auf 3,10 € je Aktie.

Damit beträgt die Dividendenrendite beim aktuellen Kurs stattliche 3,5%. Was wollen Sie mehr? Die Ausschüttung erfolgt bereits im Januar 2014.

Unternehmensprofil

Die Siemens AG ist ein weltweit führendes Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik.

Rund 370.000 Mitarbeiter entwickeln und fertigen Produkte, projektieren und erstellen Systeme und Anlagen und erbringen maßgeschneiderte Dienstleistungen.

Siemens steht seit über 160 Jahren für technische Leistungsfähigkeit, Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit und Internationalität.

Der Konzern ist an rund 290 Standorten in nahezu 190 Ländern global tätig. Als besonderes Wirtschaftsvermögen im internationalen Wettbewerb wird die Innovationskraft bezeichnet.

Diese kommt in den rund 8.200 jährlich eingereichten Erfindungsmeldungen und den 5.000 Patentanmeldungen zum Ausdruck.

Seine Geschäftstätigkeit gliedert der Konzern seit der Umstrukturierung in die 3 Sektoren Industry, Energy und Healthcare, die wiederum in 15 Divisionen untergliedert sind.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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