Sigmar Gabriel will nicht kandidieren – politische Börsen

Schadensbegrenzung – das ist an der Börse genauso wichtig, wie in der Politik. Wer schlau ist, führt nur Kämpfe, die er auch gewinnen kann.

Sigmar Gabriel hat vermutlich deshalb verkündet, er werde im September nicht als Kanzler-Kandidat antreten. Das ist für einige sicher eine Überraschung.

Aber offenbar will er nicht Außenminister werden. Denn diese Position bekommt ja meist der Spitzen-Kandidat der Partei, die mit der CDU/CSU koaliert.

SPD – ein taktischer Schachzug?

Sigmar Gabriel, der sich speziell mit seinem Verhalten bei TTIP und CETA wenig Freunde gemacht, weicht dem wohl sicheren K.O.-Schlag bei der Wahl im Herbst aus.

Die SPD kommt in letzten Umfragen auf rund 20% der Stimmen. Das sieht nicht nach Wahlsieg oder großem Mitspracherecht in einer Koalition aus.

Deshalb wird Gabriel sich auch nicht die Blöße geben, bei einer zu erwartenden Niederlage den Kopf hinzuhalten – dafür gibt es andere.

So soll nämlich Martin Schulz, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments als Spitzenkandidat der SPD auflaufen.

Ob damit besonders viele SPD-Wähler zu begeistern sind, lassen wir einmal dahingestellt.

Welche Koalition soll’s denn sein?

Vielmehr ist die Frage, in welcher Konstellation es eine Koalition geben wird.

Je nach Umfrage pendelt die CDU/CSU derzeit bei 32,5 – 38%. Das reicht noch gerade für eine erneute große Koalition und weitere 4 Jahre Merkel.

Als alternatives Szenario – falls schwarz-rot nicht zusammen die Mehrheit erreichen – wäre sicherlich auch schwarz-grün denkbar.

Schließlich nähern sich die Grünen langsam aber erkennbar der CDU an und würden bestimmt auch gerne einmal wieder mitregieren dürfen.

Dafür müssen beide Seiten aber noch einiges leisten, um zusammen ausreichend Stimmen holen zu können.

Eine Variante ohne Merkel ist kaum denkbar:

  • Rot-rot-grün müsste zuerst die 40%-Marke knacken, um überhaupt solch eine Idee Wirklichkeit werden zu lassen.
  • Die AfD dümpelt zwischen 10,5 und 15%. Damit werden auch nur Stimmen von den großen Parteien abgezogen, machen das Koalieren aber nicht leichter.

Die größte Überraschung bei der Wahl wäre allerdings, wenn z. B. die CDU/CSU gemeinsame Sache mit der AfD machen würde, um so die SPD ins Abseits zu drängen.

Aber das ist sicherlich so gut wie unmöglich.

Selbst wenn die Kandidaten vor der Wahl bestimmt nicht müde werden zu betonen, dass es keine Koalition mit der AfD geben werde.

Das haben wir zwar schon öfter gehört, nur diesmal ist dies wohl so wahr wie noch nie.

Politische Börsen…

… haben kurze Beine. Deshalb betrachten Sie als Anleger derartige News lieber nur aus Interesse – nicht aber, um sich daraus eine Trading-Idee zu basteln.

Denn i. d. R. gibt es nur kurz eine starke Bewegung – wenn überhaupt – und danach ist alles so wie gehabt.

Egal was vor der Wahl versprochen wird oder was passiert, die Börse interessiert sich scheinbar nicht mehr für solche Ereignisse.

Selbst die größte Atom-Katastrophe der letzten Dekaden in Fukushima wurde schnell wieder egalisiert – zumindest an der Börse:

Der DAX rutsche damals 600 Punkte ab. Diesen Verlust hatte er bereits 2 Wochen später wieder ausgeglichen.

Viel entscheidender sind heutzutage Aussagen der Notenbanken über Rettungs-Pakete und Leitzins. Das bewegt und beeinflusst die Märkte.

Behalten Sie einen kühlen Kopf bei politischen Börsen! Dieses Jahr wird bestimmt genauso spannend wie 2016.

24. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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