Signale mehren sich: Die Bärenmarkt-Rallye ist vorbei!

Wall Street – shutterstock_267083465 Matej Kastelic

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass die nächste Abwärtsbewegung an der Wall Street bevorsteht. (Foto: Matej Kastelic / Shutterstock.com)

Zumeist diskutieren und analysieren wir hier den breit gestreuten S&P 500. Warum breit gestreut?

Nun, er bildet die – nach Marktkapitalisierung gewichtete – Kursentwicklung der 500 größten US-Aktien ab. Dagegen spiegelt der Nasdaq 100 lediglich den Verlauf der 100 größten US-Technologieaktien wider.

Auffällig in der seit dem Tief am 23. März 2020 laufenden Rallye ist indes: Der Nasdaq 100 hat sich deutlich stärker erholen können, als eben der S&P 500.

Wir schauen daher heute einmal etwas genauer auf diesen Tech-Index.

Nasdaq 100 erholte sich stärker als der S&P 500

Beginnen wir mit einem Vergleich: Die nachfolgende Grafik zeigt Ihnen die sogenannten Fibonacci-Retracements für den S&P 500 und den Nasdaq 100. Diese messen, wie viel der vorangegangenen Kursbewegung korrigiert wurde.

Es ist gut zu erkennen, dass der Nasdaq 100 ziemlich genau 76,1% der vorherigen Abwärtsbewegung aufgeholt hat, während der S&P 500 „nur“ etwas mehr als 61,8% wettmachen konnte.

Nasdaq 100 holte mehr vom Crash auf, als der S&P 500

Den beiden genannten Indizes ist, wie gesagt, eines gemeinsam: Sie bilden jeweils die nach Marktkapitalisierung gewichtete Kursentwicklung der in ihnen enthaltenen Aktien wider.

Und in beiden Indizes finden wir auch die Titel, die nicht nur in der bisherigen Rallye, sondern auch schon in der Aufwärtsbewegung von August 2019 bis Mitte Februar 2020 maßgeblich deren Verlauf bestimmt haben:

Apple, Amazon, Facebook, Netflix, Alphabet (ehemals Google), Microsoft und natürlich Tesla. Und damit haben wir bereits die Erklärung, warum der Nasdaq 100 sich deutlich besser erholen konnte, als sein größerer Kollege:

Die genannten Aktien spielen ihr hohes Gewicht bei insgesamt nur 100 Titeln natürlich noch stärker aus.

Divergenzen auch im Nasdaq 100

In der nächsten Betrachtung unterscheiden sich die beiden Indizes allerdings nicht.

Schon am vergangenen Donnerstag hatte ich Sie in meinem Beitrag „Es geht schon wieder los!“ darauf aufmerksam gemacht, dass der S&P 500 – wie schon zu Beginn des Jahres – eine Divergenz (Abweichung) ausgebildet hat.

Nasdaq 100 bildet bis dato eine zweifache Divergenz aus

Dieses Signal wird immer dann generiert, wenn neue Hochs in einem Markt nicht von neuen Hochs in einigen Indikatoren, hier dem 50-Tage-Momentum, bestätigt werden. Vor dem Crash war eine sechsfache (!!) Divergenz ausgebildet worden, inzwischen haben wir in beiden Indizes bereits eine zweifache.

Das Momentum wiederum unterscheidet beide Indizes: Im Nasdaq 100 ist der Aufwärtstrend noch intakt, während er im S&P 500 bereits nach unten durchbrochen wurde.

Und noch ein Punkt ist erwähnenswert: Der Nasdaq 100 hat zuletzt 2 Versuche unternommen, wieder in den vorherigen Aufwärtstrend zurückzukehren (gelber Kreis).

Es ist jedoch bei den Versuchen geblieben: In der Charttechnik sprechen wir von einem typischen Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Trendlinie.

Aus Keil-Formation ausgetreten

Die nächste Grafik macht sichtbar, dass es sich bei der Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen um eine Bärenmarkt-Rallye handelt, die auch im Nasdaq 100 inzwischen ausgelaufen ist.

Nasdaq 100 aus Keil nach unten ausgebrochen

Dafür gibt es typische Merkmale: Die Aufwärtsbewegung verlief in Keilform.

Das ist eine übliche Chart-Formation, die sich nach scharfen Trendbewegungen als Konsolidierung ausbildet und die stets dem Haupttrend entgegengesetzt ausgerichtet ist.

Typisch für solche Keil-Formationen sind überdies unterdurchschnittliche und zudem allmählich ausdünnende Umsätze (gelb unterlegt, schwarze Linie): Genau das liegt hier vor.

Überdies ist der Nasdaq 100 am vergangenen Freitag aus diesem Keil nach unten ausgeschert und hat damit das Ende der Konsolidierung eingeleitet.

Fazit

Der Nasdaq 100 hat sich noch ein wenig stärker erholt, als sein Kollege, der S&P 500.

Das liegt ganz einfach daran, dass sich die Marktteilnehmer bei ihren Investments auch in der laufenden Bärenmarkt-Rallye auf eine Handvoll Werte – die sogenannten FAANG-Aktien plus Microsoft und Tesla – konzentriert haben.

Die auf diese Weise extrem angeschwollene Marktkapitalisierung wirkt sich aufgrund der so entstandenen hohen Gewichtung in den Indizes beim Nasdaq 100 natürlich stärker aus als beim S&P 500: Hier bestimmen nur 100 Werte den Index-Stand.

Doch wie schon in der letzten Woche anhand des S&P 500 aufgezeigt, weist auch der Nasdaq 100 inzwischen eine zweifache Divergenz zum Momentum auf: Das signalisiert Ihnen, dass eine Trendwende bevorsteht.

Dies wird auch durch den Austritt des Nasdaq 100 aus einer Keil-Formation bestätigt: Eine solche Konsolidierungs-Formation ist typisch nach scharfen Kursbewegungen, wie dem Crash von Ende Februar bis Ende März 2020.

Die Signale häufen sich also, die belegen, dass die Bärenmarkt-Rallye nunmehr ausgelaufen ist.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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