Silber: die zweite Ersatzwährung neben Gold

Silber als Währung ist seit Einführung des Euro stabil geblieben. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

In der Vergangenheit habe ich im „Geldanlage-Berater“ bereits beschrieben, wie es um die Papierwährungen bestellt ist. Deren Kaufkraftentwicklung wird weiterhin zu harmlos dargestellt. Unverdient harmlos, denn die Währungen werden gegeneinander abgerechnet.

Objektiver wäre es, die Kaufkraft gegen andere Waren wie Konsum- oder Industriegüter aufzurechnen, in die Unternehmen investieren. Ein seriöser Vergleich ist zurzeit noch nicht möglich, da die Preise inoffiziell kaum und offiziell überhaupt nicht in Silbereinheiten abgerechnet werden.

Es reicht jedoch ein kleiner Vergleich, um zu zeigen, dass die Papierwährungen nicht der Maßstab sein können. Lebensmittelpreise steigen aktuell angeblich um maximal 2% pro Jahr. Sie kennen die berühmten Restaurantvergleiche, in denen die Preise von 1999 mit denen von heute im Wettbewerb stehen.

Fest steht: Sie zahlen ganz sicher in (den meisten) Restaurants deutlich mehr als das Doppelte dessen, was Sie 1999 gezahlt haben. Dies entspricht einer Inflationsrate von zumindest rund 6%.

Energieträger, Waren des täglichen Bedarfs, Lebensmittel – all diese Güter zeigen – bis auf Zucker und wenige andere Ausnahmen – diesen Preissteigerungseffekt. Wenn Sie bedenken, dass auch der Silberpreis im selben Zeitraum ähnlich stark gestiegen ist, bedeutet das:

Silber als Währung ist seit Einführung des Euro stabil geblieben.

Der Euro und der Dollar hingegen haben an Kaufkraft kräftig eingebüßt.

Edelmetalle als Ersatzwährungen gefragt

Da einige US-Bundesstaaten Edelmetalle tatsächlich als Ersatzwährung zugelassen haben (Utah) oder zulassen wollen (13 weitere US-Bundesstaaten), entsteht die Frage nach den kleinstmöglichen Einheiten der neuen Währung.

Zunächst wird sich die Fed, die amerikanische Notenbank, gegen Gold wehren. Die Fed hat über Gold keine Kontrolle, kann das Gold weder mit einem Preis versehen noch die Goldmenge entscheidend beeinflussen. Denn physisches Gold ist nun mal begrenzt und kann nicht – wie Papiergeld – nachgedruckt werden.

Da Banken wie die Fed – die aus den größten Privatbanken der USA besteht – ihre Macht ungern abgeben, wird sie versuchen, Gold vom Markt zu nehmen. Dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere lautet: US-Bürger wissen längst, dass Kalifornien oder weitere Bundesstaaten faktisch pleite sind. Diese Staaten haben längst Ersatzwährungen aufgelegt.

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Sie verteilen inzwischen Schuldscheine statt Gehältern oder

Rückzahlungen bestehender Schulden. Diese Schuldscheine dürfen die Staaten zwar formal vergeben, Gläubiger werden sich aber noch wundern.

Als Ersatzwährung funktionieren diese Schuldscheine (anders als Anleihen mit Substanz) nicht. Daher wird Gold sich als Ersatzwährung durchsetzen, je länger die Fed die Herausgabe einer neuen Währung verzögert.

Silber wird Gold ergänzen

Gold ist eigentlich eine hervorragende Ersatzwährung. Sie hat nur ein Problem: Sie bietet kein „Kleingeld“. Denn selbst ein Körnchen Gold, das nur 1 Gramm wiegt, ist zu wertvoll, um damit Güter des täglichen Bedarfs zu bezahlen.

Brötchen bis hin zu Tankfüllungen können Sie mit Gold kaum bezahlen. Die Feinunze (ca. 31,1 Gramm) kostet etwa 1.400 bis 1.500 US-$. Selbst Münzen mit dem Wert von nur einer Zehntel Feinunze kosten daher noch 140 bis 150 US-$. Zusammen mit den Produktionskosten schnellen die Münzkosten jedoch auf Preise von 200 US-$.

Für geringere Umsätze braucht eine Wirtschaft daher geringerwertige Währungen. 2 Möglichkeiten bieten sich an: der alte US-Dollar kann für geringere Summen noch verwendet werden. Ist das Vertrauen jedoch zerstört, wird sich selbst bei geringen Summen der Dollar nicht mehr halten.

Oder aber Silber wird als zusätzliches Edelmetall für geringere Wirtschaftswerte als Tauschwert dienen. Dazu eine kleine Rechnung: Die Feinunze Silber kostet knapp 40 US-$. Wenn Sie Münzen im Umfang von 1/10tel Unze handeln wollen, sind dies 4 US-$.

Zusammen mit den Nebenkosten für die Produktion, die allerdings nur einmal bezahlt werden müssen, kann der Preis auf 5 US-$ steigen.

Meine Prognose: Auch Silber wird zur Ersatzwährung.

Zunächst vielleicht nur inoffiziell, indem plötzlich viele Händler wieder Silbermünzen akzeptieren werden. Bleiben größere Fälschungen aus, wird Silber aber in absehbarer Zeit womöglich auch offiziell zur zweiten Ersatzwährung ernannt.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.