Silber: Extrem niedrige Bewertung im Vergleich zu Gold

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Derzeit ist Silber historisch betrachtet sehr niedrig bewertet im Verhältnis zu Gold. Aber kann man daraus automatisch große Chancen ableiten? (Foto: Joe Belanger / Shutterstock.com)

Wenn es nach den Silberbullen geht, dann befindet sich Silber aktuell auf einem historischen niedrigen Preisniveau und es steht ein massiver Preisaufschwung bevor. Ein Hauptargument ist dabei die Gold-Silber-Ratio.

Diese Verhältniszahl gibt schlicht und einfach an, wie viele Silberunzen notwendig sind, um eine Unze Gold zu kaufen. Aktuell liegt dieser Wert wieder bei über 85 und damit historisch gesehen nahe an dem Rekordhoch. Dazu müssen Sie wissen, dass diese Rate über lange Zeit in einem Bereich zwischen 50 und 60 notiert hat. Bezogen auf diesen Durchschnitt ist der Silberpreis niedrig einzuschätzen.

Ein weiteres Argument was immer wieder zu hören ist, das ist der Bezug auf die Verhältniszahl bei Gold und Silber hinsichtlich der natürlichen Vorkommen. So liegt hier das natürliche Verhältnis bei den Vorkommen weltweit zwischen 17 und 19 oz. Silber für jede Unze Gold. Historisch gesehen haben die Römer beispielsweise ein Wechselverhältnis zwischen Gold und Silber von 12 zu 1 eingesetzt. In den USA galt lange Zeit ein offizielles Verhältnis von 15 zu 1.

Silberpreis notiert historisch gesehen auf einem niedrigen Niveau

Was bedeuten all diese Zahlen nun wirklich für die Preisprognosen beim Silber? Wenn wir einen Goldpreis von 1.275 Dollar pro Unze zugrunde legen, dann sollte bei einem mittelfristigen Durchschnitt von 60 zu 1 der Silberpreis mindestens bei 21,25 Dollar pro Unze stehen. Wenn eine Gold-Silber-Rate von 50 als Basis dient, was bis vor einigen Jahren auch noch völlig normal war, müsste der Silberpreis schon bei 25,50 Dollar notieren. Beim natürlichen Verhältnis als Basis ergibt sich daraus bezogen auf den aktuellen Goldpreis ein Silberpreis von rund 70 Dollar pro Unze.

Ausgerüstet mit diesen Zahlen argumentieren nun viele Silberfans: Hier kann der Silberpreis deutlich zulegen bei dieser krassen Unterbewertung zum Gold. Das reicht meiner Einschätzung nach als Erklärung für möglicherweise steigende Silberpreis allerdings überhaupt nicht aus. Bei einer solchen Betrachtung spielen die Marktgegebenheiten überhaupt keine Rolle. Und tatsächlich ist Silber eben nicht nur ein weiteres Edelmetall. Silber ist ein Industriemetall, das massiv in Sektoren nachgefragt wird – so etwas muss bei den Preisprognosen auf jeden Fall auch betrachtet werden.

Insofern ist es nur ganz natürlich, dass Silber deutlich günstiger als Gold ist – speziell in der heutigen Zeit. Die großen Einsatzgebiete beim Silber sind beispielsweise im medizinischen Bereich wegen der antiseptischen Wirkung aber auch im Bereich der hochwertigen Akkutechnologien.

Und ein Aspekt spielt eine Rolle, der kaum beachtet wird: Durch das Aufkommen vieler neue Investitionsmöglichkeiten im Bereich Gold, ist das Edelmetall auch viel erschwinglicher geworden. Früher musste man physisches Gold kaufen und dafür immer viel Geld ausgeben, denn eine Unze hier eine gängige Größe.

Heute können Investoren auf Börsen gehandelte Goldprodukte setzen, die den Goldpreis im Verhältnis 1 zu 100 abbilden und dann schon für 30 USD oder weniger zu bekommen sind. Silber als das Gold des kleinen Mannes hat hier also auch zuletzt Attraktivität eingebüßt. Insofern ist es noch gut möglich, dass sich die offensichtliche Unterbewertung des etwas weiter fortsetzt. Deswegen auf einen massiven Preisanstieg zu setzen ist schlicht und einfach zu risikoreich.

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Heiko Böhmer
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