Siltronic-Aktie: Erholungsbewegung gerät nach schwacher Prognose ins Stocken

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Schwache Prognose bremst Erholungsbewegung der Siltronic-Aktie aus. Die rückläufige Gewinnmarge erwischt die Anleger auf dem falschen Fuß. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Ganz überraschend dürfte die verhaltene Prognose des Münchener Waferspezialisten für die Anleger eigentlich nicht gekommen sein. Immerhin hat der Technologiekonzern bereits vor drei Wochen bei seinen Aktionären auf die Euphoriebremse getreten und auf eine schwächere Entwicklung im Jahresverlauf eingestimmt. Dennoch zeigten sich die Investoren nach der Bekanntgabe der neuen Prognose enttäuscht und straften die Aktie mit satten Kursverlusten von zeitweilig über 10% ab.

Siltronic im Portrait

Die Siltronic AG gehört eigenen Angaben zufolge zu den weltweit führenden Herstellern für Wafer aus Reinstsilicium und ist Partner vieler führender Chip-Hersteller. Das Unternehmen unterhält Produktionsstätten in Europa, Asien und den USA. Siltronic entwickelt und fertigt Wafer mit einem Durchmesser von bis zu 300 mm.

Sie müssen wissen: Siliciumwafer sind die Grundlage der modernen Mikro- und Nanoelektronik. Sie werden z.B. in Computern, Smartphones, Flachdisplays, Navigationssystemen, Steuer- und Kontrollsystemen für die Automobilbranche sowie in vielen anderen Anwendungen eingesetzt.

Zu den Partnern des Unternehmens zählt beispielsweise Samsung, mit dem Siltronic ein Joint Venture in Singapur unterhält.

Absatzeinbruch im ersten Halbjahr erwartet

Mit der gerade vorgelegten konkretisierten Prognose haben die Münchener für enttäuschte Gesichter unter der Anlegern gesorgt. So soll der Absatz in der ersten Jahreshälfte deutlich unter dem vorausgegangenen Halbjahr liegen. Erst im zweiten Halbjahr rechnet der Konzern wieder mit einer Erholung des Marktumfelds.

Mit Blick auf das Gesamtjahr geht der Waferhersteller von einem stagnierenden Umsatz aus. Für Sie zum Vergleich: Nach vorläufigen Zahlen gingen im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,46 Milliarden Euro an Umsatz durch die Bücher.

Operative Marge im Rückwärtsgang

Parallel dazu soll der Vorsteuergewinn (EBIT) mehr als 10% unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Als Grund nannte Siltronic höhere Kosten. Zum einen muss das Unternehmen höhere Lohnkosten verdauen, zum anderen kalkuliert das Management mit 20 Millionen Euro höheren Stromkosten in Deutschland.

Zugleich hat das Unternehmen für 2019 höhere Investitionen bekanntgegeben. Vor allem die stärker automatisierte Produktion kostet erst einmal Geld. Mit 350 Millionen Euro plant der Konzern, was ein deutlicher Anstieg zum Vorjahresniveau ist (254 Millionen Euro).

Unter dem Strich dürfte der Vorsteuergewinn in 2019 bei maximal 450 Millionen Euro liegen. Für die erfolgsverwöhnten Anleger ein harter Schlag. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hatte sich der Vorsteuergewinn auf 498 Millionen Euro noch mehr als verdoppelt.

Hohe Unsicherheit spiegelt sich in Bewertung wider

Was bedeutet die konkretisierte Prognose jetzt für die Anleger? Mit Sicherheit kam der nun kommunizierte erwartete Rückgang der operativen Gewinnmarge für einige Marktteilnehmer überraschend. Der Konsens der Analysten war bislang nämlich noch von einer Steigerung der Gewinnspannen im laufenden Jahr ausgegangen. Aber auch wenn das Vorsteuerergebnis um 10% fällt, dann erreicht Siltronic immer noch eine beeindruckende EBIT-Marge von beinahe 30%.

Das ist alles andere als schlecht. Vor allem weil ab 2020 der Investitionsbedarf deutlich sinken dürfte, was sich wiederum positiv auf die Margen auswirken sollte.

Für das laufende Jahr handelt die Aktie mit dem 7-Fachen der erwarteten Gewinne. Das ist auf den ersten Blick alles andere als teuer. Der Grund dürfte vor allem in der schlechten Planbarkeit liegen. Detaillierte Aussagen auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung sind Stand heute nur schwer abzugeben. Ob die erwartete Erholung im zweiten Halbjahr einsetzt, wird sich erst noch zeigen müssen. Die Zeiten des rasanten Wachstums sind vorerst vorbei. Daher werden die Anleger ihren Fokus verstärkt auf die Gewinnentwicklung des Konzerns legen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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