Siltronic-Aktionäre brauchen starke Nerven

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Die Geschäfte von Siltronic laufen schlecht. Ein Grund sind die Handelsstreitigkeiten, die die Nachfrage belasten. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Bisher haben wir die andauernden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China mehr oder weniger als Beobachter wahrgenommen. Zwar gab es immer wieder einmal Hektik an den Börsen, wenn die Zölle verschärft wurden, doch kaum gab es Signale der Entspannung, so ging es mit den Kursen wieder nach oben. Die Anleger von Siltronic wissen allerdings, dass diese Streitigkeit kein Unterhaltungsprogramm ist, sondern wirklich Geld kostet.

Unternehmensportrait

Die Siltronic AG mit Sitz in München ist ein Hersteller von Wafern aus Reinstsilizium, was die Grundlage für die moderne Mikro- und Nanotechnologie bildet. Der MDAX-Konzern ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Wafern für die Halbleiterindustrie.

Kursentwicklung seit einem Jahr enttäuschend

Der Blick auf die Performance der letzten 12 Monate zeigt, dass die Aktie sich in einem regelrechten Abwärtsstrudel befindet. Wurden im September des vergangenen Jahres noch Kurse jenseits der 150 Euromarke erzielt, so ist nun die 50 Euromarke ernsthaft in Gefahr, nach unten durchbrochen zu werden. Dabei hat sich die Talfahrt – auch ohne den gestrigen Tag – zuletzt nachhaltig beschleunigt.

Gewinnwarnung drückt zusätzlich

Gestern gab es dann die Negativnachricht: Die weltweiten Unsicherheiten und die Exportbeschränkungen der US-Regierung gegenüber chinesischen Technologiekonzernen sind jetzt auch in Deutschland angekommen, da sie die Nachfrage der Branche nachhaltig belasten. Die Nachfrage etwa aus der Autobranche, von Smartphone-Herstellern und der Industrie sind spürbar weggeknickt.

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Aus diesem Grund rechnet Siltronic in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 15 %. Die Marge für den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll nur noch zwischen 30 bis 35 % liegen – im letzten Jahr betrug sie noch mehr als 40%.

Insgesamt wird ein operatives Ergebnis 2019 zwischen 371 und 459 Mio. Euro erwartet. Im Vorjahr betrug dieser noch 589 Mio. Euro. Auch wenn einige Marktbeobachter mit einer Verschlechterung des Geschäftes rechneten, geriet der Aktienkurs nachhaltig unter Druck.

Prinzip Hoffnung

Aber es gibt noch etwas Positives zu berichten: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 7 ist die Aktie inzwischen sehr günstig bewertet. Auch wenn sie derzeit über eine rechnerische Dividendenrendite von mehr als 6% verfügt, gehe ich davon aus, dass diese auf Grund der jüngsten Hiobsbotschaften nachhaltig gekürzt wird.

Auf Grund der zweimaligen Gewinnwarnung in wenigen Monaten hat die Unternehmensführung das Vertrauen zahlreicher Anleger verspielt. Es ist davon auszugehen, dass es zunächst keine weitere Aktion gibt, die das letzte Vertrauen verspielen könnte. Aus diesem Grund ist die Aktie für sehr risikobereite Anleger durchaus eine Spekulation wert, die übrigen Anleger machen lieber erstmal einen Bogen um Siltronic.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.