Sind deutsche Aktien das „bessere“ Investment?

Bei der Aktienauswahl beschränken sich manche Anleger auf inländische „Hausmannskost“. Ein schlechter Investmentansatz! (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Inzwischen setze ich mich seit mehr als 38 Jahren professionell mit dem Thema Börse auseinander. Und dennoch erlebe ich es noch immer ab und an, dass Privatanleger „deutsche“ Aktienempfehlungen bevorzugen.

Der Volksmund behauptet: „Auch andere Mütter haben schöne Töchter / Söhne!“ Auf die Börse übertragen könnten Sie sagen: „Auch an der Wall Street / in anderen Ländern gibt es Aktiengesellschaften mit Gewinnpotenzial!“

Ich werde Ihnen heute begründen, warum Sie freiwillig auf gute (bzw. höhere) Gewinne verzichten, wenn Sie sich mit Ihren Investments ausschließlich auf „deutsche“ Aktien fokussieren.

Argument 1: Ausländische Unternehmen kenne ich nicht

Dies ist das wohl beliebteste Argument, das mir Anleger entgegenhalten, die bei ausländischen Aktien eher „fremdeln“: „Deutsche Unternehmen kenne ich – amerikanische / ausländische nicht!“

Meine Gegenfrage lautet dann stets: „Gut, also Sie kennen zwar Siemens, Daimler und die Deutsche Bank, jedoch nicht Amazon, Apple, Boeing, Coca-Cola, IBM, Intel, McDonalds, Microsoft oder Visa?“

Damit erhält das „Fremdenbild“ meines Gegenübers erste Risse. Mit meiner nächsten Aussage splittert die Ansicht weiter:

Argument 2: Kennen Sie deutsche Unternehmen WIRKLICH??

„Zu glauben, Sie kennen deutsche Unternehmen besser, schützt Sie nicht zwangsläufig vor Verlusten. Nehmen Sie nur dieses Beispiel: Ich habe bis 1996 mehr als 15 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet.

Da sollte man ein Unternehmen wohl ‚kennenlernen‘. Aber auch ich hätte mir nie träumen lassen, dass sich das größte deutsche Kreditinstitut in den vergangenen 2 Jahrzehnten in derart viele illegale, ja teils sogar kriminelle Machenschaften hätte verstricken können.

Seit 2007 hat die Deutsche Bank-Aktie in der Spitze mehr als -90% an Wert verloren!“

Argument 3: Sind USD-Gewinne weniger wert als Euro-Profite?

Mein drittes Argument weicht die „Anti-Wall Street-Einstellung“ weiter auf:

„Sind +30% Gewinn mit einer US-Aktie auch nur 1 Cent weniger wert, als ein 30%-Profit mit einem deutschen Dividendenpapier?“   

Natürlich nicht! Es ist völlig gleichgültig, in welcher Region unserer Erde Sie in Aktien investieren: Entscheidend für Ihren langfristigen Investment-Erfolg ist nur eines:

Die höchstmögliche Gewinn-Wahrscheinlichkeit ist entscheidend

Sie müssen VOR Ihrem Einstieg durch Ihre Analyse die Wahrscheinlichkeit für ein profitables Investment so hoch wie nur möglich gestalten. So jedenfalls ist meine Vorgehensweise.

Ich nutze die besten Werkzeuge der fundamentalen und (Chart)-Technischen Analyse, um die attraktivsten Aktien für meine Leser zu finden.

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So überprüfe ich die Bilanzen und Quartalsberichte der letzten 2 bis 3 Jahre, um die Gesellschaften mit dem höchsten Umsatz- und vor allem Gewinnwachstum herauszufiltern.

Dazu erstelle ich ein sogenanntes Screening, in dem ich zusätzlich die Verbindlichkeiten, die langfristigen Schulden, die Lagerbestände und den generierten Cash bewerte. Für eine Empfehlung qualifiziert sich ein Unternehmen erst dann, wenn es im Screening 50 oder mehr Punkte von 100 erzielbaren erreicht.

Allerdings:

Auf das Timing beim Ein- und Ausstieg kommt es an

Eine Kaufempfehlung wird die Aktie eines Konzerns durch ein bestandenes Screening nicht „automatisch“: Erst die Durchleuchtung der Kurshistorie mittels der Charttechnik macht sichtbar, ob und wann dieser Titel „kaufenswert“ ist.

Ich forsche insbesondere nach bestimmten Kursmustern wie der Tassen-Formation, der Flachbasis, dem Doppelboden oder auch einem Trendbruch. Überdies muss erkennbar sein, dass die Aktie von Großinvestoren stark nachgefragt wird.

Auf diese Weise nähere ich mich dem optimalen Einstiegszeitpunkt an. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Notierung mit Schub (überdurchschnittlichen Umsatz) aus einer Chart-Formation nach oben ausbricht.

Fazit

Alle genannten Punkte helfen Ihnen dabei, die Wahrscheinlichkeit für ein erfolgreiches Investment so hoch wie nur möglich zu schrauben. Und wenn eine Aktie trotz allem nicht zulegt, dann müssen die Verluste möglichst gering gehalten werden.

Schauen Sie dazu einmal mit mir gemeinsam auf folgende Fakten:

In meinem Börsendienst habe ich im vergangenen Jahr insgesamt 10 Aktien – 9 US-Aktien und 1 deutschen Titel (Wirecard) – neu zum Kauf empfohlen.

Davon wurden 4 Aktien mit einem Minus von durchschnittlich -6,2% wieder verkauft. Die 6 erfolgreichen Investments brachten bis heute realisierte und noch nicht realisierte Gewinne in Höhe von durchschnittlich (!) +36,0%!

Selbstverständlich sind dies „Netto“-Ergebnisse: Währungsschwankungen aufgrund des Euro / USD sind natürlich eingerechnet.

Mit der „deutschen“ Kaufempfehlung erzielten meine Leser übrigens einen Verdienst von +40,3%. Der höchste Einzelgewinn (noch nicht realisiert) liegt derzeit bei +94,6%.

Ich denke, diese Zahlen belegen eindeutig, dass es nicht immer nur deutsche Aktien sein müssen. Letztlich ist es Ihrem Vermögen egal, woher sein Wachstum kommt.

Hauptsache, Sie verdienen Geld mit Ihren Investments!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.