Singulus-Aktie: Maschinenbauer taumelt nach Gewinn-Warnung bergab

Die Geduld der Anleger des Kahler Maschinenbau-Konzerns wird auf eine harte Probe gestellt. Erfahren Sie hier, um was es dabei genau geht: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Mit dem technischen Fortschritt ist das so eine Sache:

Für einige Firmen ist es ein Segen, für die anderen kann es ein Fluch sein – v. a. wenn es nicht gelingt, das eigene Geschäftsmodell anzupassen.

Dass davor auch große Marken nicht geschützt sind, zeigen Ihnen prominente Namen wie Nokia, Kodak oder Blackberry:

Einst aus der Technologie-Landschaft nicht wegzudenken, führen diese Unternehmen heute nur noch ein Schattendasein.

Das gleiche Schicksal trifft den kleinen hessischen Maschinenbauer Singulus, der sich angesichts des technischen Fortschritts nicht neu erfinden konnte:

Singulus: Aufstieg und Fall des einstigen Musterknaben

Dabei fing alles so gut an:

Nach der Jahrtausendwende verzeichnete der Kahler Konzern mit der Herstellung von Maschinen zur Produktion von CDs und DVDs ein rasantes Wachstum:

Alleine von 2002 – 2004 kletterten die Umsätze von 278 auf 423 Mio. €. Auch die Gewinnmargen konnten sich mit 11% zum damaligen Zeitpunkt durchaus sehen lassen.

Immerhin blieben in 2004 noch 46,82 Mio. € an Profiten hängen.

Doch mit der stark einbrechenden Nachfrage nach Maschinen für optische Speichermedien gelang es dem Maschinenbauer nicht, sich auf die veränderte Situation einzustellen.

Die Folge: Die Umsätze purzelten in die Tiefe und die Gewinne schmolzen regelrecht dahin.

In den vergangenen 5 Jahren konnte nur in 1 Jahr die Gewinnschwelle erreicht werden. Zuletzt erzielte Singulus nur noch einen Jahres-Umsatz von 67,6 Mio. €.

Die Hoffnung liegt auf der Solar-Industrie

Die Lage war prekär. Da immer mehr Menschen Filme im Internet werden immer weniger Maschinen für DVDs und CDs benötigt.

Mittlerweile versucht der Betrieb, durch die Positionierung im Solarmarkt wieder in den Tritt zu kommen.

Inzwischen ist Singulus auf Grund der technologischen Beschichtungs-Kompetenz  Technologieführer für Produktions-Anlagen für CIGS-Solarmodule.

Stand heute macht der Konzern knapp 80% seiner Umsätze mit Maschinen für Solar-Module.

Umsatz- und Gewinn-Warnung erwischt Anleger auf dem falschen Fuß

Doch die Neuausrichtung nimmt mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich geplant. Die gerade veröffentlichte Prognose-Kürzung zeigt Ihnen das ganze Ausmaß:

Statt einer geplanten Umsatz-Verdopplung auf knapp 138 Mio. € plant Singulus mit Erlösen von 90 – 100 Mio. € nun deutlich bescheidener.

Als Grund für die Reduktion erklärte die Konzernführung, dass die ausstehende Anzahlung eines chinesischen Kunden erst Ende des Jahres eintreffen wird.

Der Auftrag wird damit nicht mehr in diesem Jahr zum Wachstum beitragen. Davon bleibt auch nicht der Gewinn verschont:

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wird jetzt um die 0-linie liegen. Es könnte aber unter dem Strich auch ein Verlust von 3 Mio. € rauskommen.

Hälfte des Grundkapitals ist aufgezehrt

Die Prognose-Kürzung stellt die Geduld der Anleger auf eine harte Probe:

Erst vor wenigen Tagen schockte der Maschinenbauer seine Aktionäre mit der Meldung, dass auf Grund aufgelaufener Verluste von 16,7 Mio. € die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt wurde.

Fazit

Im Mai vergangenen Jahres hat die Singulus-Aktie mit dem größten Einzelauftrag der Firmengeschichte eine Verdopplung des Aktienkurses in die Wege geleitet.

Seither war es ruhig geworden.

Die jüngsten Nachrichten sind hingegen ein herber Rückschlag. Die Auftrags-Verschiebung zeigt Ihnen, wie abhängig der Konzern von einzelnen Großaufträgen ist.

Ob das Unternehmen langfristig wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.