Singulus mit beinahe obligatorischer Gewinnwarnung

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Weil ein chinesischer Großkunde seinen Vertrag erst im vierten Quartal unterzeichnen will, kappt Singulus mal wieder die Gewinnprognose. (Foto: gopixa)

Es gibt Unternehmen, auf die ist Verlass. Zum Beispiel auf Singulus Technologies. Verlässlich nimmt Singulus Jahr für Jahr seine Prognosen zurück. Sucht man bei Google nach der Begriffskombination Singulus und Gewinnwarnung, erhält man mehr als 10.000 Treffer.

Verzögerungen im CIGS-Bereich

Zur Erinnerung: Singulus ist spezialisiert auf Anlagen, mit denen Oberflächen beschichtet und behandelt werden können. Früher belieferte das Unternehmen CD- und DVD-Produzenten mit seinen Maschinen. Doch dieser Markt ist kollabiert und das Optical-Disc-Geschäft wurde zurückgefahren. Nun fokussiert sich Singulus auf Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik, wo man ebenfalls Kompetenzen ausgemacht haben will, vor allem im Teilbereich der Dünnschicht-Solarzellen nach dem Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid-Verfahren (CIGS).

Genau in diesem Bereich tauchen nun neue Probleme auf. Diesmal kam es für den Vorstand überraschend, dass ein Kunde, der chinesische Staatskonzern CNBM Group, das Unternehmen darüber informiert hat, dass die Verträge über den weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten für CIGS Dünnschichtsolarmodule voraussichtlich erst im vierten Quartal dieses Jahres unterschrieben werden können.

Viele offene Fragen

Wann der Vertrag eigentlich hätte unterschrieben werden sollen oder wie hoch die Zahlungen sind, die nun nicht mehr vereinnahmt werden können, wurde in der Ad-hoc-Meldung nicht genannt. Und auch wenn die vereinbarte Anzahlung mit der zu erwartenden Vertragsunterzeichnung Angabe gemäß umgehend fällig werde und auch von einer zügigen Realisierung des Projektes auszugehen ist, gelangte der Vorstand nun zu der Auffassung, aufgrund der „bedauerlichen Verzögerungen auf der Zeitschiene“ die ursprünglich abgegebene Prognose für das laufende Geschäftsjahr nicht mehr einhalten zu können.

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Diese hatten bei Umsätzen zwischen 135 und 155 Millionen Euro einen operativen Gewinn von 6 bis 11 Millionen Euro vorgesehen. Dabei hat der Vorstand in einem längeren Interview noch vor wenigen Monaten behauptet, dass sich die Lage stabilisiert hat. Dass das Unternehmen ab jetzt liefern werde.

Kursdebakel setzt sich fort

Weit gefehlt. Wer geglaubt hatte, dass der Photovoltaik-Anlagenbauer seine „Tradition“, Gewinnwarnungen auszusprechen, in diesem Jahr brechen würde, musste sich Anfang der Woche eines Besseren belehren lassen. Dies bekamen auch die Aktionäre zu spüren. Die in den vergangenen Jahren ohnehin ihre Leidensfähigkeit unter Beweis stellen mussten.

Denn die Kursdaten sehen fürwahr schauerlich aus. 2011 notierte die Aktie noch bei 666 Euro. 2015 wurde kurz die 200-Euro-Grenze – nach oben – überschritten, 2018 wagte sich der Kurs kurzzeitig in Richtung 20 Euro. Heute nähert sich die Singulus-Aktie der 5-Euro-Marke. Damit ist Singulus einer der größten Wertevernichter auf dem deutschen Kurszettel.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.