Sinkende Preise schaden den Kaffee-Bauern, nutzen aber Starbucks & Co.

Dass die Preise für Kaffeebohnen am Boden liegen, haben Sie sicher auch schon gemerkt. Der Kaffeefilialist Tchibo hat zum wiederholten Male die Preise gesenkt und wirft dennoch weiter ein Sonderangebot nach dem anderen auf den Markt.

Auch die übrigen großen Kaffeehersteller und die Supermarktketten mit ihren Eigenmarken stehen dem nicht nach, Kaffee in seinen zahl-reichen Varianten verkommt vom Livestyle-Produkt zum einfachen Konsumartikel.

Möglich machen die deutlichen Preissenkungen die niedrigen Weltmarktpreise für Rohkaffee, denn diese notieren auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Und das nicht einmal inflationsbereinigt. Lag der Durchschnittspreis für kolumbianischen Arabica-Kaffee im Oktober 2011 noch bei 256,86 US-cent pro amerikanischem Pfund (= 453,6 Gramm), so notiert die gleiche Qualität heute nur noch bei 130,14 US-cent.

Weltmarktpreis für Rohkaffee hat sich halbiert

Nahezu eine Halbierung des Preises, was die Kaffeebauern in den Erzeugerländern in Mittelamerika und im Südpazifik an den Rand ihrer Existenz bringt. Zahlreiche Plantagen arbeiten schon lange nicht mehr kostendeckend, Geld für Investitionen fehlt völlig.

Kein Wunder, dass vor allem in den südamerikanischen Ländern die Erzeuger laut nach staatlicher Unterstützung rufen, gelten die dortigen Regierungen doch als allgemein sozial eingestellt.

Aber selbst wenn es staatliche Unterstützung für die Bauern und Kleinbauern geben sollte, wird damit das Kernproblem nicht gelöst. Denn in den letzten Jahren sind die vorhandenen Anbaugebiete immer mehr erweitert worden, neue Erzeuger kamen auf den Markt und sorgten für ein immer größeres Angebot. Kommen dann noch hohe Ernten wie in 2012 hinzu, steigt der Angebotsdruck weiter, die Erzeugerpreise fallen ins Bodenlose.

Des einen Leid, des anderen Freud, diese herzlose Binsenweisheit begleitet uns im Alltag, besonders ausgeprägt aber an den Aktienmärkten dieser Welt. Denn von der Not der Kaffee-bauern profitieren andere.

Starbucks als Gewinner

Diejenigen Aktiengesellschaften nämlich, denen es trotz der gesunkenen Einkaufspreise gelingt, ihr Endprodukt, ihren Kaffee unverändert hochpreisig zu halten und damit ihre Gewinnmarge zu optimieren.

Die Aktie eines dieser Unternehmen möchte ich Ihnen heute exemplarisch in der Point&Figure-Analyse kurz vorstellen und auf mögliche Chancen abklopfen.

Schauen wollen wir auf die Starbucks-Aktie. Der amerikanische Kaffeeproduzent und weltweite Betreiber von gleichnamigen Coffee-Shops konnte sich vor allem in den USA als Premium-anbieter für frischgebrühte Kaffeespezialitäten, aber auch anderer hochwertiger Kaffeeprodukte etablieren und gilt als unangefochtener Preisführer.

Der Preis für Cappuccino, White Chocolate Mocha und andere Heißgetränke bleibt trotz der gesunkenen Einkaufspreise der Rohwaren unverändert hoch, die Marge steigt entsprechend.

Kein Wunder also, dass die Aktie des Kaffeekonzerns derzeit nahe ihres bisherigen Allzeit-Hochs bei 82,50 US-$ notiert. Der Point&Figure-Chart zeigt, die Aktie pflegt seit knapp einem Jahr ihren Aufwärtstrend und notiert in einem klaren Point&Figure-Kaufsignal.

Starbucks-Chart 20-11-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Die zahlreichen grünen Kreise zeigen, der Trend ist bislang ungebrochen. Auch wenn die Aufwärtsbewegungen immer wieder einmal durch Kurskorrekturen unterbrochen worden sind. Nach dem Gesetz der Serien reißt zu einem gewissen Zeitpunkt jede erfolgreiche Gewinnserie einmal ab, aktuell, Sie sehen es an der letzten roten O-Säule im Chartbild befindet sich die Starbucks-Aktie möglicherweise an einem solchen Punkt.

Geben die Kurse wie in den letzten zwei Wochen gesehen weiter nach und prägt sich die aktuelle O-Säule weiter aus, besteht das Risiko einer ausgeprägten Korrektur, die den Aktienkurs durchaus wieder in die Nähe der Unterstützungslinie und damit zu Kursen von 60,00 US-$ führen könnte.

Entwarnung für die Starbucks-Aktie gibt es auf der anderen Seite dann, wenn sich der Kurs wieder Richtung altes Hoch, besser sogar in Richtung 83,00 US-$ und darüber bewegt. Hier haben wir dann sogar ein neues Point&Figure-Kaufsignal, das Kurse im Bereich der 97,00 US-$ möglich macht.

Kaufen wir uns also ein Packung fair gehandelten Kaffees aus dem Weltladen, brühen uns eine Tasse guten Kaffees und lehnen uns entspannt zurück während wir auf eindeutige Point&Figure-Signale für die Starbucks-Aktie warten.

20. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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