SinnerSchrader: Accenture schnappt sich Hamburger Digital-Agentur

Die großen Beratungs-Unternehmen stoßen zunehmend in das Agentur-Geschäft vor.

Nach Übernahmen durch McKinsey, Deloitte und IBM springt nun auch Accenture auf den Zug auf.

Die Beratungsfirma legt für die Hamburger Digitalagentur SinnerSchrader eine Offerte für gut 100 Mio. € auf den Tisch.

Die Aktie des familiengeführten Konzerns haussiert und notiert mittlerweile über dem Niveau des Kaufangebots.

E-Commerce-Agentur mit renommierten Kunden-Portfolio

Für diejenigen unter Ihnen, denen der kleine deutsche Spezialwert noch kein Begriff ist: SinnerSchrader gehört zu den führenden Agenturen im Bereich des digitalen Marketings.

Als eine der Top 10 E-Commerce Agenturen in Europa plant, entwickelt und implementiert SinnerSchrader Internetseiten sowie alle anderen internetbasierten Marketing-Aktivitäten für Kunden wie Tchibo oder Deutsche Bank.

Darüber hinaus übernimmt das Unternehmen für einen Teil seiner Kunden die Schaltung von Online-Werbung und erhält dafür eine Provision.

SinnerSchrader profitiert von langjährigen Kunden-Beziehungen

In einem fragmentierten Markt mit rund 200 Internet-Agenturen und einem geschätzten Marktvolumen von > 750 Mio. € liegt die Stärke von SinnerSchrader im Fokus auf die Infrastruktur-Anforderungen der Kunden.

SinnerSchrader profitiert dabei von langjährigen Kunden-Beziehungen und einem soliden Track Record in der Entwicklung großer Internet-Portale (tui, comdirect).

Damit hat sich SinnerSchrader als verlässlicher Partner etabliert.

Mit dem Geschäftsbereich für E-Commerce-Full-Service und weiteren Akquisitionen (Mobile) und Entwicklungen ist SinnerSchrader technologisch führend.

Aufschlag von 31%

Das Übernahme-Angebot von 9 € je Aktie bewertet die Hamburger Firma mit fast 104 Mio. € und liegt rund 31% über dem gewichteten 3-Monats-Kurs.

Knapp 62% aller Anteile hat sich Accenture bereits im Vorfeld des Angebots von den Großaktionären gesichert.

Alleine 32,9% stammen von der Gründerfamilie Schrader/Sinner. Die Transaktion soll im 2. Halbjahr abgeschlossen werden.

Beratung, Design und Technologie sollen kombiniert werden

Mit dem Deal will Accenture seine Sparte Interactive in Deutschland stärken. Der Hintergrund liegt auf der Hand:

Wettbewerb zwischen Unternehmens-Beratungen und Agenturen gab es zwar schon immer. Aber durch die digitale Transformation haben sich die Rivalitäten nochmals verstärkt.

Hier will Accenture gegensteuern. Mit rund 400.000 Mitarbeitern und 30 Mrd. € Umsatz sind die Hamburger für die Beratungsfirma eine kleine, aber feine Ergänzung.

Dabei soll Firmenchef Matthias Schrader künftig die Führung des Agentur-Geschäfts von Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz übernehmen.

Accenture plant die langfristige Entwicklung von SinnerSchrader innerhalb des neuen Konzerns zu unterstützen.

Die Standorte des Unternehmens sollen erhalten und die Position expandiert werden.

Steigende Umsätze und Gewinnspannen

Zuletzt lief es bei SinnerSchrader wie geschmiert:

Mit seinen rund 500 Mitarbeiter an 6 Standorten in Deutschland und Tschechien konnte die Firma ihre Geschäftstätigkeiten deutlich ausweiten.

Seit 2002 kletterten die Erlöse um fast 300% auf zuletzt 51,13 Mio. €. Die Gewinnmarge erreichte mit 6,6% zuletzt das höchste Niveau seit 2008.

Aktie erreicht 16-Jahres-Hoch

Die Anleger zeigten sich begeistert nach der Meldung und trieben den Kurs zwischenzeitlich auf über 9,30 € nach oben.

Mit einem Börsenwert von knapp über 100 Mio. € hat die Aktie zwar das höchste Niveau der letzten 16 Jahre erreicht, ist aber noch meilenweit von den Hochzeiten des Internet-Hypes entfernt.

Zu Spitzenzeiten lag die Bewertung mit 90 Dollar je Aktie bei über 900 Mio. €.

23. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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