Six: Schweizer Börsenbetreiber erhält grünes Licht zur Übernahme des spanischen Rivalen BME

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Börsenbetreiber Six kommt Übernahme des spanischen Rivalen BME einen großen Schritt näher. Regierung erteilt Übernahme ihren Segen. Kurs nähert sich dem Übernahmepreis (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Die Konsolidierung unter den Börsenbetreibern ist in vollem Gange und die Übernahme des spanischen Börsenbetreibers Bolsas y Mercados Españoles (kurz BME) durch die Schweizer Börse Six ist auf der Zielgeraden. Zumindest hat jetzt die spanische Regierung der grenzüberschreitenden Transaktionen ihren Segen gegeben. Nun müssen „nur“ noch die Aktionäre von BME zustimmen.

Dem BME-Aktienkurs hat die Nachricht schon mal auf die Beine geholfen. Nach Bekanntgabe schoss der Kurs bis auf 33 Euro in die Höhe und notiert damit nur noch knapp unter dem Niveau der Übernahmeofferte.

Deal wegen Coronavirus-Krise auf der Kippe

Zuvor war die Unsicherheit, ob der Deal wirklich durchgeht, deutlich gestiegen. Im Zuge der massiven Kursturbulenzen war der BME-Kurs bis auf 28 Euro in den Keller gerutscht. Aussagen der Regierung, spanische Unternehmen in strategisch wichtigen Bereichen vor unerwünschten Übernahmeversuchen aus dem Nicht-EU-Ausland schützen zu wollen, ließen die Skepsis unter den Anlegern hochkochen.

Six legt 2,84 Milliarden Euro für Rivalen auf den Tisch

Das Übernahmeangebot für den spanischen Börsenbetreiber BME legte Six bereits im vergangenen November auf den Tisch. Das Angebot lag bei 34 Euro je Aktie, womit das Objekt der Begierde mit 2,84 Milliarden Euro bewertet wurde. Verglichen mit dem Schlusskurs vor der Übernahme entsprach der Übernahmepreis einem Aufschlag von 34%.

Six dürfte das Rennen machen

Dabei waren die Schweizer nicht die Einzigen, die Interesse an BME hatten. Die Mehrländerbörse Euronext meldete gleich im Anschluss ebenfalls Interesse an, gab bislang aber kein Angebot ab. Die Chancen, dass Six das Rennen für sich entscheidet, stehen aber gut. Sie müssen wissen: Das Management von BME und die Aufsicht hatten die Übernahme begrüßt, da die Schweizer weitreichende Zugeständnisse an die Eigenständigkeit der Spanier machten. So sollen Sitz und Marke für vier Jahre beibehalten werden.

Diese Garantien haben nun auch die spanische Regierung überzeugt, da sie „den Fortbestand des spanischen Wertpapierhandels als Mechanismus zur Finanzierung unserer Unternehmen“ sicherten, hieß es in einer Mitteilung.

Schweizer wollen EU-Standbein

Durch die Übernahme der Madrider Börse wollen sich die Schweizer einen Börsenplatz in der EU sichern. Zudem würden sich die Schweizer mit der Übernahme der Madrider Börse einen Börsenplatz in der EU sichern. Aufgrund von Streitigkeiten zwischen der EU und der Schweiz wurde EU-Bürgern der Aktienhandel an den Schweizer Börsen untersagt. Vor diesem Hintergrund kann das SIX-Angebot als Umgehung dieses Streites gesehen werden.

BME gilt zudem unter Börsenbetreibern als hochprofitabel. Im letzten Geschäftsjahr gingen bei dem Börsenbetreiber Umsätze in Höhe von 291,2 Millionen Euro durch die Bücher. Das reichte für einen Nettogewinn von 122,8 Millionen Euro, was einer Gewinnspanne von 42,16% entspricht. Allerdings war BME in der Vergangenheit noch profitabler. Seite 2015 schmolz die Gewinnspanne von 51,72% um 9,56 Prozentpunkte zusammen.

Konsolidierung setzt sich weiter fort

Mit dem Deal setzt sich die Konsolidierung unter den europäischen Börsenbetreibern weiter fort. Seit Jahren schließen sich in Europa und auch weltweit die ehemals nationalen Börsen zusammen, um Skalenvorteile zu heben. Auch die Deutsche Börse ist an Übernahmen interessiert, fokussiert sich dabei aber eigentlich nicht unbedingt auf Betreiber, die vor allem auf Aktienmärkte spezialisiert sind, sondern auf Handelsplattformen für Devisen und Rohstoffe.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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