Sky-Aktie nur 8% unter Angebots-Preis: Risiken werden kaum berücksichtigt

Erst war es eine Absichts-Erklärung, jetzt liegt das Angebot auf dem Tisch: Der US-amerikanische Medienkonzern 21st Century Fox will den britischen BezahlTV-Anbieter Sky übernehmen.

Der zum Medien-Mogul Rupert Murdoch gehörende Konzern bietet den Sky-Aktionären eine Offerte, die Sky mit 18,5 Mrd. Pfund bewertet.

Das Angebot beinhaltet einen satten Aufschlag auf den Börsenkurs – doch deswegen muss die Offerte nicht fair sein. Und auch sicher ist ein Deal noch nicht.

Angebots-Bedingungen nur minimal besser als vor einer Woche

Rückblick:

Vor 1 Woche trat 21st Century Fox an Sky heran und erklärte, dass man bereit sei, für die ausstehenden 61% der Sky-Anteile eine großzügige Übernahme-Offerte abzugeben.

Je Aktie wolle 21st Century 10,75 Pfund zahlen, ein Preis der 36% über dem Sky-Schlusskurs des Vortags lag. Das Angebot wurde daraufhin von einem unabhängigen Komitee auf Angemessenheit geprüft.

Jetzt fiel die Entscheidung:

Das Angebot ist fair. Lediglich die Dividende stehe den Sky-Aktionären noch zusätzlich zu – für viele eine Enttäuschung, denn der Preis hätte noch mehr Luft nach oben gehabt.

Einige Analysten hatten Kurse von über 13 Pfund als fair erachtet.

Aktie bleibt knapp unter Angebots-Preis

An der Börse bewegte sich die Aktie nach Bekanntgabe der endgültigen Entscheidung nicht. Der große Kurssprung kam bereits als die Übernahme-Absicht abgegeben wurde.

Mit aktuell 9,95 britischen Pfund notiert die Aktie gerade einmal 8% unter dem Angebots-Preis. Dies zeigt Ihnen, dass viele Investoren mit einem reibungslosen Deal rechnen.

Es ist eine beliebte Strategie von Investment-Profis, sich in laufende Deals einzukaufen. Mit dem richtigen Augenmaß sind auch schöne kalkulierbare Gewinne zu erzielen.

Im Falle von Sky könnte die als „Merger-Arbitrage-Strategie“ bekannte  jedoch nicht aufgehen.

8%-Profit-Chance bis Ende 2017 bei 22% Risiko – So sicher ist der Deal nicht

Der Übernahme-Sensor hat deutlich größere Bauchschmerzen als der Markt, dass dieser Deal planmäßig stattfinden kann. Die Lücke zum Angebots-Preis liegt bei unter 10%.

Damit ist aus meiner Sicht die Dauer bis zum Übernahme-Abschluss (Ende 2017) und das Scheitern eines Deals durch Widerstand der Aktionäre und eventuell durch die Behörden nicht angemessen eingepreist.

Schon jetzt hat eine Online-Petition gegen die Mehrheits-Übernahme rund 50.000 Unterstützer gefunden.

Die Forderung: Die Politik soll zu Gunsten der Medienvielfalt den Deal untersagen; Murdochs Einfluss sei schon jetzt sehr groß.

Wenn die Übernahme zum Politikum wird und die Briten das Gefühl bekommen, dass ausländische Medien gefährliche Stimmungsmacher sind, ist ein Deal mit Blick auf den stärker gewordenen Nationalismus im Zuge des BrExits nicht so sicher, dass 8% Sie vom Hocker reißen sollten.

Wenn Sie die Angebotslücke mit anderen Arbitrage-Chancen vergleichen, dann ist das sehr wenig.

Es ist zwar nach wie vor wahrscheinlich, dass der Deal stattfindet, doch die Aktie notierte kurz vor Deal-Ankündigung bei 7,70 Pfund.

Scheitert eine Transaktion, besteht Rückschlag-Gefahr von -22%, gelingt ein Deal, fließt Ende 2017 (wenn der Zeitplan zu halten ist) +8%.

Sie sollten sich schon sehr sicher sein, dass der Deal klappt, wenn Sie da noch rein gehen möchten.

16. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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