Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Sky setzt alles auf die Karte Fußball

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Sky hat sich die Fußballübertragungsrechte gesichert und die Telekom ausgekontert. Wer am Ende der Gewinner ist, wird sich noch zeigen. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Die Aktienmärkte konnten heute den positiven Wochentrend nicht verteidigen.

Der DAX verlor 1%.

Für schlechte Laune sorgte – wie üblich – die Schuldenkrise in Europa. Aus Italien und Portugal kamen negative Haushaltsmeldungen, Spanien will morgen wieder Geld am Kapitalmarkt einsammeln und in Griechenland und Frankreich wird bald gewählt.

Dieser Nachrichten-Mix verdrängte die Unternehmensnachrichten. Immerhin: Die meisten Unternehmen, die in diesen Tagen Zahlen veröffentlichen, verdienen prächtig.

Achterbahnfahrt für Sky-Aktionäre

Auffälliger Tagesverlierer im MDax mit Minus 8% war heute die Sky-Aktie. Seit gestern absolviert die Fernseh-Aktie eine Achterbahnfahrt.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte am Dienstag verkündet, dass Sky ab der Saison 2013/2014 für 4 Jahre alle wichtigen Fußballübertragungsrechte für die Bundesliga erhält.

Da „König Fußball“ ein Zuschauermagnet ist, schoss der Kurs der Sky-Aktie zunächst um 25% in die Höhe.

Im Tagesverlauf wurden dann jedoch die Vertragsdetails bekannt. Sky hat einen sehr hohen Preis gezahlt. Der Tagesgewinn wurde zu großen Teilen ausgelöscht und heute ging es deutlich nach unten.

Mit der Brechstange agiert

Wenn ein Verkäufer nach Vertragsabschluss sagt, dass der Verkaufserlös unerwartet hoch ausgefallen ist, kann der Käufer sicher sein, nicht perfekt verhandelt zu haben.

Die DFL-Vertreter und die Bundesligaklubs waren über den Deal begeistert. Die TV-Übertragungsrechte brachten 2,5 Mrd. Euro für 4 Jahre. Ein Traumergebnis (für die Profivereine).

Pro Jahr zahlen die Fernsehsender durchschnittlich 628 Mio. Euro. Bisher kassieren die Vereine „nur“ 412 Mio. Euro pro Jahr. Eine Preiserhöhung um rund 50% ist bemerkenswert.

Sky hat mit der Brechstange agiert und wollte den Konkurrenten, die Deutsche Telekom, um jeden Preis schlagen. Der Preis könnte sich jedoch als zu hoch erweisen.

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Deutsche Telekom verliert mal wieder

Die Deutsche Telekom, die aktuell noch das Programm „Liga Total“ anbietet, ist sehr offensiv in die Verhandlungen gegangen und wollte alle Übertragungsrechte erwerben.

Dieser Plan ist grandios gescheitert. Der Telekom-Konzern muss ab 2013 sogar ganz auf Bundesliga-Fußball verzichten. Die Ankündigungen waren nur heiße Luft. Aber das kennen die T-Aktionäre bereits seit mehreren Jahren.

Auf der anderen Seite: Es gehört auch Größe dazu, aus einer Pokerpartie mit zu hohen Einsätzen ganz auszusteigen. Im Zweifel hätte die große Telekom den kleineren Sky-Konzern finanziell ausstechen können.

Die Telekom-Manager hatten jedoch eine finanzielle Schmerzgrenze und sind konsequent ausgestiegen, als diese Grenze überschritten wurde. Es wurde kein zusätzliches Geld verpulvert.

Sky zahlt Rekordsumme

Rupert Murdoch, der Medien-Gigant und Sky-Großaktionär, kannte keine Schmerzgrenze. Sky hat offensichtlich ohne Limit geboten. Ab der Saison 2013/2014 muss Sky 486 Mio. Euro pro Jahr zahlen.

Da der Vertrag über 4 Jahre läuft, ergibt sich eine Gesamtsumme von knapp 2 Mrd. Euro. Das ist eine gewaltige Hausnummer.

Bemerkenswert ist die Summe auch deshalb, weil Sky nicht gerade im Geld schwimmt. Im vergangenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen über 200 Mio. Euro Verlust erwirtschaftet. Die Aktionäre mussten schon mehrfach frisches Kapital zur Verfügung stellen.

Es wird sehr spannend zu beobachten sein, wie Sky in den Jahren 2013 bis 2017 die 2 Mrd. Euro auftreiben will.

DFL riskiert Blasenbildung

Die Vertreter der Deutschen Fußball-Liga lassen sich für den Sensations-Deal feiern. Die Kassen der Profivereine werden üppig gefüllt.

Die Frage ist aber, ob die DFL zuschaut, wie eine spekulative Blase entsteht. Noch ist völlig unklar, ob die Übertragungsrechte einen Wert von über 600 Mio. Euro pro Jahr haben und von den Medienpartnern refinanziert werden können.

Im schlimmsten Fall geht Sky plötzlich das Geld aus und Konkurrent Telekom hat seine Infrastruktur aufgelöst und kann nicht kurzfristig einspringen. Was dann?

Dann bluten nicht nur die Sky-Aktionäre, sondern auch die Fußballvereine in der Bundesliga. Die Profiklubs sollten daher sehr sorgsam mit den zukünftigen Mehreinnahmen umgehen. Der Geldregen kann bald vorbei sein.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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