Sky-Übernahme: Finale Angebote bis Ende kommender Woche

Die Bieterschlacht um Sky nähert sich dem Ende. Ohne finales Angebot kommende Woche folgt die Unternehmensauktion durch die Behörden. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Ende kommender Woche könnte der Bieterkampf um den britischen Bezahlsender Sky entschieden sein. Comcast und Rupert Murdochs 21st Century Fox haben nur noch bis zum 22. September, um ihre finalen Übernahme-Angebote vorzulegen.

Sollten die beiden Unternehmen die Frist verstreichen lassen und bis dahin nicht ihre „best and final“-Offerte abgegeben haben, kommt es zu dem seltenen Fall einer durch die Behörden verordneten Auktion. Damit soll erreicht werden, dass die Aktionäre und auch die Sky-Manager Klarheit darüber haben, woran sie sind.

Kaum Resonanz: Comcast verlängert Annahme-Frist erneut

Gestern lief für die Sky-Aktionäre eine weitere Frist zur Annahme des Comcast-Übernahme-Angebots ab und erwartungsgemäß ließen so gut wie alle Aktionäre das Ende verstreichen, ohne ihre Aktien abzugeben.

Comcast will 61% der Sky-Aktien – angedient wurden lediglich 0,29%. Dies ist nur minimal mehr als zum Ende der ersten Angebotsfrist, als Comcast die Abgabe von 0,21% der Sky-Aktien vermeldete.

Wie erwartet kündigte Comcast dann auch die Fristverlängerung an. Die Offerte hat jetzt bis zum 06. Oktober Gültigkeit.

Geringe Annahme-Quote keine Überraschung

Dass kaum jemand die Comcast-Offerte annahm, hat einen einfachen Grund. Comcast bietet 14,75 britische Pfund (GBP), an der Börse kostet das Papier jedoch 15,40 GBP. Wer das Angebot annimmt, verzichtet also freiwillig auf Geld.

Hinzu kommt, dass die Auszahlung des Übernahme-Preises erst bei Deal-Abschluss erfolgt und ein Restrisiko besteht, dass der Deal am Ende – aus welchen Gründen auch immer – doch noch scheitert.  

Investoren setzen auf höhere Gegenofferte

Es stellt sich die Frage, warum die Sky-Aktie überhaupt über dem Comcast-Angebotspreis notiert und warum die Annahmequote so niedrig ist. Am Preis kann es nicht liegen.

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Die Offerte wird von Analysten als außerordentlich gut und absolut angemessen bewertet. Zudem liegt sie 90% über dem Kurs vor Aufkommen erster Übernahme-Spekulationen im Jahr 2016.

Dass dennoch derzeit keiner Interesse hat, seine Aktien abzugeben, liegt an der Erwartungshaltung, dass der rivalisierende Bieter Fox noch einmal mit einer höheren Offerte das Comcast-Angebot auskontert.

Aktuell bietet Fox 14 Pfund je Aktie. Die Offerte ist finanziell unterlegen und hat nicht die Unterstützung des Sky-Managements. Ohne Angebotsaufstockung würde die Offerte also ins Leere laufen.

Da Rupert Murdoch jedoch 1990 Sky gründete, seit Jahren versucht die volle Kontrolle zu bekommen und das Unternehmen einen hohen langfristigen strategischen Wert besitzt, rechnen nicht wenige Investoren mit einer Offerte, die über dem aktuellen Comcast-Angebot liegt. 

Übernahme-Sensor sieht nur noch wenig Spielraum für weitere Kursgewinne

Einige Analysten und auch der Sky-Großaktionär Crispin Odey sind der Ansicht, dass der strategische Wert für einen der beiden Bieter bei über 18 Pfund je Aktie liegen könnte.

Die Historie im Übernahme-Geschäft hat diverse faustdicke Überraschungen gebracht, doch wie 18 Pfund je Sky-Aktie den Comcast- oder Fox-Aktionären vermittelt werden sollen, ist dem Übernahme-Sensor schleierhaft.

Die weitere Chance auf Kursgewinne dürfte eher gering sein. Aktuell steht die Sky-Aktie bei 15,40 GBP. Ein Angebot von beispielsweise 16 Pfund entspräche einem Aufschlag von 3,8% und dürfte dann mit Blick auf die Wartezeit bis das Geld gezahlt wird, den Aktienkurs kaum weiter nach oben helfen.

Daher ist aus Sicht des Übernahme-Sensors ein Einstieg auf dem aktuellen Kursniveau nicht gerechtfertigt.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.