SLM-Solutions: 3D-Druckerspezialist enttäuscht Anleger mit erneuter Prognosesenkung

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3D-Druckspezialist schockt Anleger mit erneuter Prognosesenkung. Die Gewinnschwelle rutscht in weite Ferne. Anleger zweifeln Geschäftsmodell an. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Hiobsbotschaften rund um den deutschen 3D-Druckerhersteller SLM Solutions reißen nicht ab. Kaum sechs Wochen ist die letzte Senkung der Jahresprognose alt, da kommt der Konzern mit der nächsten Warnung um die Ecke. Obwohl auch diese Gewinnwarnung es durchaus in sich hat, ist die Kursreaktion ausgesprochen überschaubar. Nach einem anfänglichen Minus notierten die Papiere nahezu unverändert.

Freuen dürfte das aber die wenigsten Anleger. Alleine seit Jahresbeginn schmolz der Aktienkurs um satte 75% zusammen und notiert damit auf dem tiefsten Niveau seit dem Börsengang. Im Mai 2015 wurden die Papiere zu 18 Euro an die Börse gebracht. Heute notieren die Anteilsscheine bei gerade einmal 10 Euro.

SLM Solutions im Porträt

Bevor ich auf die aktuelle Nachrichtenlage eingehe, möchte ich Ihnen den Lübecker Technologiekonzern noch näher vorstellen. SLM Solutions ist ein deutscher Hersteller von 3D-Metalldruckern. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, Montage und den Vertrieb von Maschinen und integrierten Systemlösungen im Bereich des Selektiven Laserschmelzens (Selective Laser Melting).

Die Produkte werden weltweit von Kunden in der Luft- und Raumfahrtbranche, im Energiesektor, im Gesundheitswesen oder im Automobilsektor eingesetzt. Neben den Laserschmelzgeräten vertreibt SLM auch herkömmliche Gießsysteme für das Rapid Prototyping und Verbrauchsmaterialien. Dies sind metallische Pulver wie zum Beispiel Edelstahl, Werkzeugstahl, Titan und Superlegierungen.

Gescheiterte Übernahme durch General Electric

Wenn es um SLM Solutions geht, dann muss ich man eigentlich auch noch ein Wörtchen zur vereitelten Übernahme durch den US-Industriegiganten General Electric verlieren. Denn vor gut zwei Jahren hat GE versucht, SLM Solutions für den stolzen Preis von 38 Euro je Aktie zu schlucken. Das entsprach einem satten Unternehmenswert von 680 Millionen Euro.

Abzüglich des Nettofinanzguthaben der Lübecker von 20 Millionen Euro entsprach die Offerte dem 82-Fachen des bereinigten operativen Ergebnisses (EBITDA) – ein stattlicher Kaufpreis also. Im Nachhinein dürfte sich GE wohl glücklich schätzen, dass der Deal nicht durchging. Denn seither läuft es operativ bei SLM Solutions alles andere als rund.

Gewinnwarnungen im Dauertakt

Um Ihnen die Tragweite der aktuellen Prognosekürzung deutlich zu machen, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Ursprünglich, also vor der letzten Warnung, wollten die Lübecker  noch einen Jahresumsatz von 115 bis 125 Millionen Euro erreichen. Bei der operativen Gewinnmarge (EBITDA) lag der Zielkorridor bei 11 bis 13%. Nun geht es schrittweise in den Keller.

Vor sechs Wochen kürzte das Management die Umsatzprognose auf 90 bis 100 Millionen Euro. Jetzt rechnet der Druckerspezialist auf einmal damit, dass die Erlöse sogar zweistellig sinken (!). Für Sie zum Vergleich: Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielten die Firma einen Umsatz von 82,5 Millionen Euro. Im Umkehrschluss dürfte der Umsatz nun maximal 74,25 Millionen Euro erreichen.

Gewinnschwelle rückt in weite Ferne

Ebenso übel sieht es bei der Gewinnentwicklung aus. Vor sechs Wochen wurde die angepeilte EBITDA-Marge bereits von 11 bis 13% auf einen einstelligen Prozentbereich gesenkt. Nun geht die Konzernführung einem negativen zweistelligen Bereich aus. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen definitiv anders aus. Als Grund nennen die Lübecker Auftragsverschiebungen, was grundsätzlich ja mal vorkommen kann. Zugleich deutet das Management an, dass zwar mehr Umsatz erzielt werden könnte, aber Vertragspartner offenbar erhebliche Zugeständnisse fordern.

Fazit: Die jüngste Gewinnwarnung ist ein neuer Tiefschlag für SLM Solutions-Anleger. Der Konzern ist offenbar nicht in der Lage, die nach Firmeninformation bestehende hohe Nachfrage, gewinnbringend zu bedienen. Auch wenn die Geschäftschancen laut Vorstand Dr. Axel Schulz nach der Branchenmesse formnext deutlich angestiegen sind, müssen Anleger zumindest die Preissetzungsmacht des Konzerns anzweifeln. Fest steht: SLM Solutions ist einmal mehr in der Bringschuld. Trotz des massiven Kursrückgangs von 75% liegt der Börsenwert bei rund 185 Millionen Euro.

Wenn der Druckspezialist jetzt nicht liefert, könnte sich auch dieses Niveau als deutlich zu hoch herausstellen. Die letzte Hoffnung dürfte also auf dem Hedgefonds von Paul Singer liegen, der weiterhin 21% aller Stimmrechte hält und vor zwei Jahren auf eine höhere Offerte von General Electrics spekuliert hat und enttäuscht wurde. Ob allerdings der Manager bei der schwachen Geschäftsentwicklung über eine Aufstockung seines Anteils nachdenkt, muss stark angezweifelt werden.

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SLM Solutions rutscht tiefer in Verlustzone. Aktie Dank Hedgefonds-Kauf trotzdem mit KurssprungSLM Solutions: Aktie des 3D-Druckspezialisten geht nach Hedgefondskauf durch die Decke. Anleger spekulieren auf operative Trendwende. › mehr lesen


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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