SLM Solutions-Aktie: Drastische Gewinnwarnung sorgt für Kurskollaps

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SLM Solutions: Drastische Gewinnwarnung sorgt für Kurskollaps (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Turbulenzen bei dem deutschen 3D-Druckspezialisten SLM Solutions finden kein Ende. Abermals musste der Lübecker Konzern bei seinen Jahresprognosen zurückrudern – und zwar kräftig. Kein Wunder, dass die Aktie am Freitag trotz eines starken Gesamtmarkts massiv an Wert verlor. Nach einem Tagesverlust von 18% am Freitag sieht auch die Langfristentwicklung desaströs aus. Alleine seit Jahresbeginn haben die Papiere rund 5% an Wert eingebüßt.

SLM Solutions im Porträt

Bevor ich auf die aktuelle Geschäftsentwicklung eingehe, möchte ich Ihnen den Lübecker Technologiekonzern näher vorstellen. SLM Solutions ist ein deutscher Hersteller von 3D-Metalldruckern. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, Montage und den Vertrieb von Maschinen und integrierten Systemlösungen im Bereich des Selektiven Laserschmelzens (Selective Laser Melting).

Die Produkte werden weltweit von Kunden in der Luft- und Raumfahrtbranche, im Energiesektor, im Gesundheitswesen oder im Automobilsektor eingesetzt. Neben den Laserschmelzgeräten vertreibt SLM auch herkömmliche Gießsysteme für das Rapid Prototyping und Verbrauchsmaterialien. Dies sind metallische Pulver wie zum Beispiel Edelstahl, Werkzeugstahl, Titan und Superlegierungen.

Damals war es die gescheiterte Übernahme durch General Electric….

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Vor gut zwei Jahren versuchte der Industrieriese General Electric den 3D-Druckerhersteller SLM Solutions zu schlucken. Damals bot der US-Konzern 38 Euro je Aktie. Allerdings scheiterte der Deal, vor allem weil sich der Hedgefondsmanager und Milliardär Paul Singer 20% der Anteile sicherte und den Verkauf blockierte.

Singer spekulierte darauf, dass GE noch einmal nachlegen würde. Der US-Konzern hatte 680 Millionen Euro für SLM geboten. Abzüglich des Nettofinanzguthaben der Lübecker von 20 Millionen Euro entsprach die Offerte dem 82-Fachen des bereinigten operativen Ergebnis (EBITDA) – ein stattlicher Kaufpreis also.

Die Amerikaner zeigten sich aber unnachgiebig, bliesen den Deal ab und übernahmen stattdessen den fränkischen 3D-Druck-Anlagenbauer und SLM-Kontrahenten Concept Laser. Zusätzlich stockte GE sein Angebot für den schwedischen 3D-Druckspezialisten Arcam auf.

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Im Nachgang gab es zahlreiche Ergebnisanpassung bei SLM Solutions. Immer wieder wurde auf die negativen Nachlaufeffekte der gescheiteten Übernahme verwiesen.

…..jetzt sind es Verschiebungen der Auslieferungstermine

Obwohl diese Effekte mittlerweile der Vergangenheit angehören dürften, läuft es operativ alles andere als rund. Im vergangenen Jahr erhöhte sich der Umsatz nur minimal von 80,71 auf 82,49 Millionen Euro. Seit nunmehr zwei Jahren verharrt SLM Solutions in der Verlustzone. Jetzt dämpft der Konzern auch noch die Hoffnungen für ein starkes laufendes Geschäftsjahr. Als Grund für die Umsatz- und Gewinnwarnung führt Finanzchef Uwe Bögershausen eine Verzögerung in der Auslieferung von 20 Maschinen an einen asiatischen Kunden an.

Eine für die Fertigung von Referenzbauteilen benötigte Maschine sei vom Kunden beschädigt worden, weshalb die Anlage keine Bauteile mehr herstellen könne. Die Verzögerung wird sich bis in das Jahr 2019 hinziehen.

Drastische Umsatz- und Gewinnwarnung

Statt einem Umsatz von 115 bis 125 Millionen Euro peilen die Lübecker jetzt nur noch eine Bandbreite von 90 bis 100 Millionen Euro an. Auch beim Ergebnis stutzt SLM Solutions die Erwartungen massiv zusammen. Bei der operativen Gewinnmarge (EBITDA) rechnet der Konzern nur noch mit einer Rendite im einstelligen Bereich. Für Sie zum Vergleich: Bislang war das Management noch von 11 bis 13% ausgegangen.

Vorstand nimmt den Hut

Nach der heftigen Prognosekürzung gibt es nun auch personelle Konsequenzen. Vorstandssprecher und Finanzchef Bögenhausen will seinen im Juni 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Der Aufsichtsrat will zeitnah einen neuen Vorstand suchen.

Fazit: Die Reaktion der Anleger ist vollkommen nachvollziehbar. SLM Solutions hat wiederholt nicht geliefert und die Investoren mit einer heftigen Prognoseanpassung geschockt. Investoren beginnen die strategische Ausrichtung und die Qualität der Kundenbeziehungen zu hinterfragen. Jetzt ist der 3D-Druckerhersteller in der Bringschuld. Solange sich operativ keine Stabilisierung und Robustheit in den Zuwachsraten abzeichnet, dürfte die Aktie auf längere Sicht hochvolatil bleiben.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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