SLM Solutions: Der vermeintliche 3D-Druck-Spezialist

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Deutsche Unternehmen aus der 2. und 3. Börsenreihe im Fokus - heute: Der Börsenneuling SLM Solutions. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am gestrigen Tag besuchte ich eine Analystenkonferenz in Frankfurt, um mir dort einige börsennotierte deutsche Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe anzusehen. Wobei sich letzteres nicht auf die Qualität der Unternehmen, sondern vielmehr auf den Börsenwert (Marktkapitalisierung) und das börsentäglich gehandelte Volumen (Börsenumsatz) bezieht.

Von den Unternehmen, die ich mir im Rahmen der gestrigen Veranstaltung angeschaut habe, möchte ich Ihnen heute und morgen insgesamt zwei Unternehmen vorstellen, deren Börsen-Story ich für besonders interessant halte. Den Anfang macht heute mit SLM Solutions ein Unternehmen, welches erst kürzlich den Gang an die Börse vollzog.

Eher selektives Laserschmelzen als 3D-Druck

Im Zuge des Börsengangs von SLM Solutions war immer wieder vom Lübecker 3D-Drucker-Hersteller oder 3D-Druck-Spezialisten zu lesen. Diese Bezeichnungen – so habe ich gestern gelernt – sind allerdings eher unzutreffend.

Denn genaugenommen handelt es sich bei der Fertigungstechnik, welche die Maschinen von SLM anwenden, um „selektives Laserschmelzen“. Diese Technik kann zwar auch als 3D-Druck bezeichnet werden. Doch die Gefahr dabei ist, dass Sie dadurch an Geräte denken, die sich auf einem Schreibtisch befinden und etwa Kaffeetassen drucken können.

Bei den „3D-Druckern“, die SLM herstellt, handelt es sich jedoch nicht um Maschinen, die auf einen Schreibtisch passen, sondern vielmehr um Geräte, die von der Größe her einem Kleiderschrank ähneln. Somit versteht sich SLM mehr als innovativer Maschinenbauer, denn als Hersteller von 3D-Druckern.

Zudem sind die SLM-Maschinen mehr für die industrielle Fertigung (Produktion größerer Stückzahlen) als für die Fertigung von Prototypen oder Modellen ausgelegt und können ausschließlich metallische Materialien verarbeiten, was jedoch kein Nachteil ist.

Auch hinsichtlich des Preissegments könnte durch den Begriff „3D-Drucker“ leicht eine falsche Vorstellung entstehen. Denn SLM produziert keine Geräte, die für Preise von etwa 1.000 Euro den Besitzer wechseln, sondern Maschinen, die B2B (also an Geschäftskunden) vertrieben werden und Beträge im 6- bis 7-stelligen Euro-Bereich kosten.

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Mögliche Kurstreiber der SLM-Aktie

Nachdem ich Ihnen das Unternehmen SLM Solutions jetzt näher vorgestellt habe, dürften Sie sich noch für die Aktie interessieren. Daher schildere ich Ihnen jetzt die aus meiner Sicht interessantesten Kurstreiber der SLM-Aktie.

Ein möglicher Kurstreiber ergibt sich aus der besonders hohen Präzision der Lasertechnologie, mit der die Metallteile in den SLM-Maschinen gefertigt werden. Durch diese hohe Präzision ist es beispielsweise möglich, künstliche Hüftgelenke künftig optimal an die individuellen Gegebenheiten eines Patienten anzupassen.

Das bedeutet konkret, dass nicht mehr der Knochen an das künstliche Hüftgelenk angepasst werden muss, sondern das künstliche Hüftgelenk an den Knochen angepasst werden kann. Und dies ist nur eine Anwendung, in der sich die außerordentliche Präzision der SLM-Technologie als äußerst hilfreich erweisen wird.

Auch könnte SLM davon positiv beeinflusst werden, dass das Unternehmen an einem maßgeschneiderten Metallpulver (das eine Art Rohling darstellt) arbeitet, welches speziell für den Fertigungsprozess mit den SLM-Maschinen entwickelt wird.

Dadurch ergibt sich künftig ein schönes Zusatzgeschäft, das mit dem Zusammenwirken von herkömmlichen Druckern und Druckerpatronen verglichen werden kann. SLM wird künftig sowohl am Verkauf der Maschinen als auch am Verkauf der darin zu verarbeitenden Materialien verdienen.

Fazit: Eine interessante Zukunftswette

Sowohl die Produkte, als auch die damit verbundene Perspektive der SLM Solutions sind also äußerst vielversprechend. Und die Tatsache, dass SLM laut Aussage des Finanzvorstands Uwe Bögershausen einen technologischen Vorsprung von etwa 3 Jahren besitzt, lässt das Unternehmen nicht weniger attraktiv.

Eine Zukunftswette ist ein SLM-Investment aus meiner Sicht deshalb, weil die bislang erzielten Gewinne und Cashflows die derzeitige Bewertung der Aktie und den derzeitigen Börsenwert des Unternehmens nicht rechtfertigen. Daher muss die künftige Entwicklung den Wert der Aktie und somit auch den Börsenwert des Unternehmens rechtfertigen.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.