SLM Solutions rutscht tiefer in Verlustzone. Aktie Dank Hedgefonds-Kauf trotzdem mit Kurssprung

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SLM Solutions: Aktie des 3D-Druckspezialisten geht nach Hedgefondskauf durch die Decke. Anleger spekulieren auf operative Trendwende. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Da haben wohl einige Anleger erleichtert aufgeatmet. Nach verheerenden Monaten mit wiederholten Gewinnwarnungen, legte der Spezialist für 3D-Drucker am vergangenen Donnerstag seine Zahlen vor. Obwohl diese noch schlechter als erwartet ausfielen, vollzog die Aktie zum Wochenausklang einen kräftigen Kurssprung. Notierten die Papiere am 25. März noch bei unter 5,70 Euro, ging die Aktie am Freitag nach einem Tagesplus von 50% mit 9,70 Euro aus dem Rennen.

Dabei waren es keinesfalls die Zahlen oder ein extrem positiver Ausblick, der die Aktie wiederbelebt hat. Vielmehr sorgte die deutliche Anteilsaufstockung des größten Einzelaktionärs für Zuversicht und ließ die Aktie massiv anspringen. Dennoch dürfte das die wenigsten Anleger zufriedenstellen. Trotz der Kurserholung notieren die Papiere immer noch fast 80% unter ihrem  Allzeithoch.

SLM Solutions im Porträt

Bevor ich auf die aktuelle Geschäftsentwicklung und Veränderung der Aktionärsstruktur eingehe, möchte ich Ihnen den Lübecker Technologiekonzern näher vorstellen. SLM Solutions ist ein deutscher Hersteller von 3D-Metalldruckern. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, Montage und den Vertrieb von Maschinen und integrierten Systemlösungen im Bereich des Selektiven Laserschmelzens (Selective Laser Melting).

Die Produkte werden weltweit von Kunden in der Luft- und Raumfahrtbranche, im Energiesektor, im Gesundheitswesen oder im Automobilsektor eingesetzt. Neben den Laserschmelzgeräten vertreibt SLM auch herkömmliche Gießsysteme für das Rapid Prototyping und Verbrauchsmaterialien. Dies sind metallische Pulver wie zum Beispiel Edelstahl, Werkzeugstahl, Titan und Superlegierungen.

Von Wachstum keine Spur

Mit den vorgelegten Geschäftsergebnissen war es dann amtlich. Der 3D-Druckkonzern SLM Solutions verzeichnete erstmals einen Umsatzrückgang. Unter dem Strich schmolzen die Erlöse deutlich um 13% auf 71,7 Millionen Euro zusammen. Für Sie zum Vergleich: Ganz ursprünglich peilte die Lübecker Firma einmal eine Umsatzrange von 115 bis 125 Millionen Euro an, bevor der Vorstand wiederholt die Ziele zurechtstutzte.

SLM Solutions rutscht tief in die Verlustzone

Wenig verwunderlich also, dass sich auch die Ergebnislage tiefrot darstellte. So sackte das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 7 Millionen Euro. Im Vorjahr stand noch ein kleiner Gewinn von 2 Millionen Euro in den Büchern. Beim Nettoergebnis musste die Gesellschaft einen Jahresverlust von 13,4 Millionen Euro ausweisen – immerhin 9,7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Personalkarussell dreht sich

Unterdessen wird die Führungsebene einmal durchgewechselt. Wie die Firma bei Vorlage der Zahlen verkündete, wird ab dem 01. Mai Meddah Hadjar zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Dabei dürften die Anleger aufhorchen: Der zukünftige Firmenboss Hadjar arbeitete zuvor über zwei Jahrzehnte für General Electric und damit für den Konzern, der im Herbst 2016 versuchte, die SLM Solutions zu schlucken.

Mehr als 30% Umsatzwachstum angepeilt

Zugleich zeigt sich der Konzern optimistisch, wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren. Im laufenden Geschäftsjahr wollen die Lübecker einen Umsatz von rund 95 Millionen Euro erwirtschaften (+32%) und beim bereinigten Vorsteuerergebnis wieder die Nulllinie erreichen.

Elliott stockt Beteiligung auf 29,8% auf

Die eigentlich positive Nachricht war aber eine andere. Im Rahnen einer Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts werden knapp 1,8 Millionen neue Aktien ausgegeben, die der Hedgefonds Elliott komplett übernimmt. Damit steigt der Anteil von Elliott an SLM auf 29,8%. Zugleich wurden drei neue Aufsichtsratsmitglieder vorgeschlagen, die zusätzliche Industrie- und Kapitalmarktexpertise mitbringen.

Fazit: Die Geldspritze von insgesamt 13 Millionen Euro durch die Kapitalerhöhung und der Umbau des Aufsichtsrats sind ein klares Bekenntnis von Elliott und auf jeden Fall positiv zu werten. Die Risiken für die Finanzen von SLM werden dadurch spürbar reduziert. Jetzt muss der 3D-Druckspezialist aber auch zeigen, dass er operativ die Trendwende einleiten kann und nachhaltig profitabel wachsen kann. Der Kurssprung von 50% am vergangenen Freitag nimmt bereits einiges an positiver Entwicklung vorweg.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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