SLM Solutions: Spezialist für 3D-Drucker spürt Folgen geplatzter Übernahme

Spezialist für 3D-Druck meldet enttäuschendes Zahlenwerk. Aktie unter Druck. Langfristprognose rückt in weite Ferne (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Die Berichtssaison ist in vollem Gange. Vor wenigen Tagen hat der deutsche Hersteller von 3D-Druckern seine Bücher geöffnet und sein Zahlenwerk präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass die Firma weiterhin deutlich unter den Folgen der gescheiterten Übernahme durch den US-Konzern General Electric leidet. Mit seinen Ergebnissen hinkt der Lübecker Konzern den Erwartungen deutlich hinterher. Kein Wunder, dass die Papiere im Anschluss der Zahlen erst einmal auf Tauchstation gingen und zweistellig im Minus notierten.

Wie fielen die Zahlen aus? Was sagt die Konzernführung zu den mittelfristigen Perspektiven? Sehen die Analysten Potenzial in der Aktie?

SLM Solutions im Porträt

Bevor ich auf die aktuelle Geschäftsentwicklung eingehe, möchte ich Ihnen den Lübecker Technologiekonzern näher vorstellen. SLM Solutions ist ein deutscher Hersteller von 3D-Metalldruckern. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung, Montage und den Vertrieb von Maschinen und integrierten Systemlösungen im Bereich des Selektiven Laserschmelzens (Selective Laser Melting).

Die Produkte werden weltweit von Kunden in der Luft- und Raumfahrtbranche, im Energiesektor, im Gesundheitswesen oder im Automobilsektor eingesetzt. Neben den Laserschmelzgeräten vertreibt SLM auch herkömmliche Gießsysteme für das Rapid Prototyping und Verbrauchsmaterialien. Dies sind metallische Pulver wie zum Beispiel Edelstahl, Werkzeugstahl, Titan und Superlegierungen.

Zahlen unter reduzierter Prognose

Nun aber zu den vorläufigen Zahlen. Bereits im November hat der Firmenchef Henner Schöneborn die Erwartungen der Anleger gebremst und die Prognose deutlich zurechtgestutzt. Statt wie bislang 110 bis 120 Millionen Euro Jahresumsatz und einer Vorsteuergewinnmarge (EBITDA) von 10-13% senkte Schönborn die Guidance auf 90 Millionen Euro Umsatz und verschob das Margenziel in den einstelligen Bereich.

Soweit so gut. Wenige Monate später zeigt sich aber, dass auch die reduzierte Prognose wohl zu optimistisch war. Denn nach vorläufigen Zahlen erreichten die Lübecker gerade einmal 80 bis 85 Millionen Euro beim Umsatz. Im Vergleich zum Vorjahr (81 Millionen Euro) gerade einmal eine Nullnummer.

Firmenchef verweist auf gestiegenen Auftragseingang

Unterdessen versucht die Konzernführung die Anleger zu beruhigen. Die Zurückhaltung der Kunden auf Grund der geplatzten Übernahme hat sich inzwischen aufgelöst. Der Auftragseingang kletterte auf 169 Millionen Euro und hat sich damit mehr als verdoppelt. Besonderen Rückenwind erhofft sich der Konzern durch die Kunden aus dem Bereich Luftfahrt und dem Automobilbau. Zugleich sieht Schöneborn einen Trend, dass die Nachfrage nach Multi-Machine-Aufträgen und deren Integration in bestehende Systeme anzieht.

Analystenschätzungen deutlich zu hoch

Die Ankündigungen sind für die Anleger aber nur ein schwacher Trost. Denn der für das laufende Geschäftsjahr angepeilte Umsatz von 125 Millionen Euro liegt zwar deutlich über dem letzten Jahr, aber eben auch deutlich unter den Erwartungen der Analysten.

Diese waren bislang von einem Jahresumsatz in Höhe von 150 Millionen Euro ausgegangen. Auch das Langfristziel des Konzerns ist damit noch weit entfernt. Sie müssen wissen: Bis zum Jahr 2022 wollen die Lübecker Erlöse von 500 Millionen Euro erwirtschaften.

SLM Solutions in der Bringschuld

Fakt ist, dass der 3D-Druckspezialist jetzt liefern muss. Die Geduld der Anleger mit dem Verweis auf die Folgen der gescheiterten Übernahme durch den US-Konzern General Electric dürfte bald zu Ende sein. Der Konzern muss jetzt zeigen, dass er in dem spannenden Wachstumsmarkt auch ein profitables Wachstum erreichen kann.

Vor dem Hintergrund des Börsenwerts, der mit über 700 Millionen Euro immer noch das 5,6 Fache des erwarteten Umsatzes und bei dem mehr als 60-Fachen des erwarteten Gewinns liegt, sollte sich der Technologiekonzern besser keine weitere Enttäuschung mehr leisten.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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