SMA Solar-Aktie: Wie es nach dem Kursdebakel weitergeht

SMA Solar-Aktie: Wie es nach dem Kursdebakel weitergeht. Konzern im Krisenmodus. Gewinnwarnung sorgt für starke Verunsicherung (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Die Anleger des deutschen Solarkonzerns SMA Solar brauchen momentan richtig starke Nerven. Nachdem es in den letzten Jahren noch nach einer sauberen Turnaroundstory aussah, befindet sich das Unternehmen wieder im Krisenmodus. Von der starken Kursentwicklung der vergangenen Jahre ist nicht mehr viel übrig. Seit Anfang 2015 explodierten die Papiere regelrecht von 10 bis auf über 60 Dollar im Mai dieses Jahres.

Doch seit die Konzernführung angedeutet hat, dass die Jahresziele wohl nicht mehr zu erreichen sind, geht es deutlich abwärts. Nach der Gewinnwarnung in der zurückliegenden Woche wurde die Aktie regelrecht abgeschlachtet und verlor mehr als ein Fünftel ihres Werts. Bei einem aktuellen Kurs von knapp 20 Euro sind sämtliche Kursgewinne der letzten drei Jahre wieder ausradiert worden.

SMA Solar im Portrait

Bevor ich auf die jüngste Gewinnwarnung und die mittelfristigen Perspektiven eingehe, möchte ich Ihnen den Solarspezialisten erst noch kurz vorstellen. SMA entwickelt, produziert und vertreibt Komponenten für die Photovoltaikindustrie. Die Unternehmensgruppe konzentriert sich dabei auf die Herstellung von Solarwechselrichtern. Diese werden benötigt, um den aus Solarmodulen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umzuwandeln, der ins Stromnetz eingespeist werden kann.

Das Angebotsspektrum ist dabei nicht auf einzelne Modultypen oder Leistungsgrößen beschränkt, sondern an sämtliche auf dem Markt erhältliche Typen anpassbar. Neben Wechselrichtern für netzgekoppelte Anwendungen werden auch Wechselrichter für den Insel- und Backup-Betrieb angeboten. Zum Portfolio gehören außerdem Produkte zur Überwachung und zum Energiemanagement von PV-Anlagen.

Bewegte Unternehmensgeschichte

In den zurückliegenden 12 Jahren war die Geschäftsentwicklung von SMA Solar alles andere als langweilig. Erst ritt der Kassler Konzern den heißen Ritt auf der Solarwelle. So kletterten die Umsätze von 2006 von 192,9 Millionen Euro auf sage und schreibe 1,92 Milliarden Dollar im Jahr 2010. Dieses Jahr stellt auch zugleich das stärkste der Firmengeschichte.

Schadensersatz und Sorgfaltspflicht: Mieter haftet bei WasserschadenSpülmaschine oder Waschmaschine kaputt oder falsch angeschlossen und Wasser läuft aus. Wasserschaden: Wer sorgt für Schadenersatz? › mehr lesen

Bei einem Gewinn von 365 Millionen Euro erzielte der Konzern eine satte Gewinnspanne von immerhin 19%. Doch dann erfasste auch das Vorzeigeunternehmen der Nachfrageeinbruch und Preisdruck im Solarmarkt. Bis 2013 sank der Umsatz um mehr als 50% auf nur noch 805 Millionen Euro. SMA verzeichnete zwei Verlustjahre in Folge und musste in 2013 einen Fehlbetrag von 179 Millionen Euro ausweisen.

Stabilisierung in den letzten Jahren

Doch die Konzernführung steuerte schnell dagegen und griff hart durch. SMA trat auf die Kostenbremse und versuchte sich mit dem Fokus auf den Bereich Energiemanagement von dem stark zyklischen Bereich mit Wechselrichtern unabhängiger zu machen. Trotz volatiler Umsätze gelang der Firma wieder die Rückkehr in die Gewinnzone. Seit 2015 war SMA wieder profitabel. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte die Gesellschaft mit einer Gewinnspanne von 3,38% das höchste Niveau der letzten drei Jahre.

Gewinnwarnung wirft SMA wieder zurück

Jetzt erhielt der Konzern allerdings wieder einen Dämpfer. Auf Grund eines nochmals deutlich beschleunigten Preisverfalls sowie Projektverschiebungen infolge des Markteinbruchs in China rudert SMA bei seinen Prognosen kräftig zurück. Für dieses Jahr peilt der Konzern nur noch einen Umsatz von 800 bis 850 Millionen Euro an. Für Sie zum Vergleich: Bislang hatte SMA Solar mit bis zu einer Milliarde Euro Umsatz kalkuliert. Auch der Ergebnisausblick wurde ordentlich zurechtgestutzt. Die beschlossenen Umbaumaßnahmen werden erst einmal zu deutlichen Belastungen führen.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) könnte sogar leicht negativ ausfallen, so die Unternehmensführung. Hier sah die Prognose bislang einen Wert zwischen 90 und 110 Millionen Euro vor. Für das kommende Jahr rechnet SMA Solar wieder mit einem wachsenden Umsatz und einem positiven Ebitda.

Nach der Gewinnwarnung steht fest, dass die Erholung keineswegs ohne Stolpersteine verläuft. Der Markt bleibt herausfordernd und die Anleger dürften vor ihren nächsten Investitionen eine Stabilisierung der operativen Entwicklung abwarten. Daher dürfte auch die Aktie bis auf weiteres sehr schwankungsanfällig bleiben.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.