Smartsheet: Schwache Prognose reißt Aktie des Softwarekonzerns in die Tiefe

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Smartsheet: Spannendes Geschäftsmodell trifft auf hohe Erwartungen. Aktie nach schwacher Prognose im Rückwärtsgang (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Softwareaktien gehörten in der Corona-Pandemie zu den großen Gewinnern. Vor allem Firmen aus dem sogenannten Software-as-a-Service (SaaS)-Sektor erfreuten sich auf Grund der Skalierbarkeit der Geschäftsmodelle und des hohen Margenpotenzials besonderer Beliebtheit.

Dass nach den rasanten Kursanstiegen aber die Luft zunehmend dünner wird, mussten gerade die Anleger des US-Konzerns Smartsheet leidvoll feststellen. Ergebnisse leicht unter den Erwartungen und ein schwacher Ausblick ließen die Aktie zuletzt um mehr als ein Fünftel in den Keller rauschen.

Smartsheet im Portrait

Gegründet wurde das in Bellevue (Washington) ansässige Unternehmen im Jahr 2006 und verfügt mittlerweile über 97.000 Kunden. Zwei Drittel der Fortune 500 Unternehmen nutzen Lösungen von Smartsheet.

Smartsheet bietet eine Cloud-basierte Plattform zur Koordination und Ausführung von Projektarbeiten. Als Software-as-a-Service Provider entwickelt Smartsheet Lösungen für die Zuweisung von Aufgaben, der Verfolgung von Projektfortschritten oder die Verwaltung von Kalendereinträgen. Auch können Dokumente leicht geteilt und freigegeben werden. Man kann sich Smartsheet als Alternative zu Microsofts Excel mit deutlich verbesserten Funktionen zur Zusammenarbeit in Projekten vorstellen. Das Ziel solcher Workflow Management Software ist es, Arbeitsprozesse effizienter und übersichtlicher zu gestalten.

Dabei verdient Smartsheet sein Geld über ein Abo-Modell, bei dem auf monatlicher Basis ein fester Betrag – bei einer in der Regel jährlichen Zahlung – als Umsatz generiert wird. Rund 90 % der Umsätze werden durch solche Subskriptionen erzielt, womit das Geschäft eine gute Planbarkeit erreicht.

Experten prognostizieren hohes Marktpotenzial

Geht es nach den Analysten, dann stehen dem Markt für kollaborative Applikationen und Projektmanagementsoftware rosige Zeiten bevor. Die Marktforscher von Forrester und IDC taxieren das Marktvolumen bis zum Jahr 2021 auf 31,5 Milliarden Dollar. Innerhalb dieses gigantischen Marktes dürfte Smartsheet mit seinem derzeitigen Angebot allerdings nur eine kleine Nische bedienen.

52% Umsatzplus im ersten Quartal und hohe Net Retention Rate….

Mit seiner Positionierung zeigte Smartsheet zuletzt beachtliche Wachstumsraten. Im Startquartal erhöhte sich der Umsatz immerhin um 52% auf 85,5 Millionen Dollar. Die sogenannte Net Retention Rate (NRR) lag bei 132%. Dabei handelt es sich um eine der wichtigsten Kennziffern in der Analyse von Subskriptions-Geschäftsmodellen. Zum Hintergrund: Die NRR besagt, wie sich der Umsatz mit Bestandskunden im Zeitablauf verändert und wird berechnet als Umsatz der Vorperiode minus “Churn Rate” (Umsatz, der durch Kundenverluste oder geringere Preise fehlt) zuzüglich der “Expansion Rate” (zusätzlicher Umsatz mit diesen Kunden durch Nutzungssteigerung, Upsell, Preiserhöhungen).

NRR-Werte über 100% bedeuten ein Wachstum des Umsatzes mit der Bestandskundschaft und sind gleichzeitig ein Hinweis auf hohe Kundenzufriedenheit.

…..Verlust ausgeweitet

Unter dem Strich rutschte Smartsheet aber noch tiefer in die roten Zahlen. Nach einem Verlust von 19,8 Millionen Dollar im vergleichbaren Vorjahresquartal, stand nun ein Verlust von 27,8 Millionen Dollar in den Büchern. Um Einmaleffekte bereinigt lag der Verlust bei 11 Cent je Aktie minimal unter dem Vorjahresniveau (12 Cent je Aktie).

Für das zweite Quartal erwartet Smartsheet Einnahmen in Höhe von 86 bis 87 Millionen Dollar und einen bereinigten Nettoverlust von 16 bis 18 Cent pro Aktie. Im Gesamtjahr sollen insgesamt Umsätze von 360 bis 370 Millionen Dollar durch die Bücher des Konzerns gehen. Der bereinigte Verlust wird zwischen 0,45 und 0,54 Cent je Aktie erwartet.

Fazit: Smartsheet agiert in einem dynamischen Geschäftsfeld und konnte seine Anleger zuletzt mit hohen Wachstumsraten beglücken. Allerdings hatten die Investoren beim Ausblick für den weiteren Jahresverlauf offenbar mehr erwartet. Nach der starken Performance der letzten Monate war die Aktie anfällig für eine Korrektur. Langfristig spannend ist das Unternehmen aber allemal.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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