Snap: Aktie der Snapchat-Mutter legt nach durchwachsenen Zahlen den Rückwärtsgang ein

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Der Foto-App-Konzern Snap kann die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllen - und die Aktie reagiert mit deutlichen Kursverlusten. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Die Aktie des Social Media-Konzerns Snap sollte einer der klaren Pandemiegewinner sein. So zumindest die These der Befürworter der Aktie, die mit ihren Käufen die Aktie zuletzt in schwindelerregende Höhe trieben. Konnte man im März noch eine Aktie für 7 Dollar ergattern, musste man zuletzt über 26 Dollar je Anteilsschein auf den Tisch legen. Doch das war offenbar zu viel des Guten: Den hohen Erwartungen konnte der US-Konzern nicht gerecht werden. Die Aktionäre reagierten nach Vorlage der Quartalszahlen enttäuscht und schickten die Aktie bis auf 23 Dollar in den Keller.

Snap im Portrait

Snap ist ein US-amerikanisches Technologie- und Social Media-Unternehmen. Zu den Produkten zählt der Instant-Messaging-Dienst SnapChat. Mit der App lassen sich Fotos verschicken, die sich nach kurzer Zeit wieder von selbst löschen. Neben der App produziert Snap auch eine tragbare Kamera, sogenannte Spectacles, in Form einer Sonnenbrille. Snap bezeichnete sich selbst als Kamera-Firma. Der Unternehmenssitz befindet sich In Venice, California.

Corona-Schub verliert an Dynamik

Zu Beginn der Pandemie verzeichnete der Konzern einen regelrechten Run auf seine App. Immer mehr Menschen wollten im Zuge des Lock Downs die Foto App nutzen. Allerdings hat sich laut Finanzchef Derek Anderson die Dynamik bereits wieder deutlich abgeschwächt. Unter dem Strich kletterte die Zahl der täglich aktiven Nutzer (DAU) im zweiten Quartal auf 238 Millionen. Das ist zwar ein Zuwachs um 17%, aber leicht weniger als der Konzern selbst angepeilt hatte. Sie müssen wissen: Im Vorfeld der Zahlen war das Management des US-Konzerns von bis zu 239 Millionen Nutzern ausgegangen.

Interessant ist die Verteilung der Nutzer: Inzwischen stammen 90 Millionen Nutzer aus den USA (+9% zum Vorjahr), 71 Millionen aus Europa (+12% zum Vorjahr) und 77 Millionen aus dem Rest der Welt (+37% zum Vorjahr).

Tik Tok Verbot sorgt für Schub in Indien

Das größte Wachstum wurde also im Rest der Welt erzielt. Allem Anschein nach befindet sich ein gesunder Anteil dieser neuen Benutzer in Indien, wo Snap letztes Jahr sein erstes Büro eröffnete und große Anstrengungen unternommen hat, um z.B. Partnerschaften mit Smartphone-OEMs einzugehen und eine Reihe lokaler Sprachen zu unterstützen.

Bei der Präsentation der Geschäftszahlen teilte Firmenboss Evan Spiegel mit, dass sich die indischen DAUs von Snap im zweiten Quartal mehr als verdoppelt haben. Und da die indische Regierung TikTok gegen Ende des zweiten Quartals verboten hat, stehen die Chancen gut, dass das Unternehmen auch im dritten Quartal ein starkes indisches Nutzerwachstum verzeichnen wird.

Kurz zur Information: Neben Indien verfügt Snapchat über eine beträchtliche Benutzerbasis in “Rest der Welt”-Ländern wie Brasilien, Saudi-Arabien und den Philippinen.

Umsatz sendet Lichtblick

Lag die Entwicklung der Nutzerzahlen unter den Erwartungen, so konnte Snap beim Umsatz die Prognose sogar übertreffen. Insgesamt gingen im abgelaufenen Quartal 454,2 Millionen Dollar an Umsatz durch die Bücher. Damit erzielte Snap ein Umsatzwachstum  von 17%. Unter dem Strich weitete der Konzern seinen Verlust auf mehr als 325 Millionen Dollar aus. Im vergleichbaren Vorjahresquartal lag der Verlust „nur“ bei 255 Millionen Dollar.

Monetarisierung in Emerging Markets schwierig

Die Herausforderungen bei der Monetarisierung sind ein Grund für das schwache Abschneiden. Sie müssen wissen: Die Einnahmen von Snap im Rest der Welt verbesserten sich im zweiten Quartal nur minimal um 2% auf 69 Millionen Dollar (15% der Gesamteinnahmen), obwohl Snap in dieser Region das stärkste Nutzerwachstum erzielte. Da das Durchschnittseinkommen in diesen Ländern aber deutlich geringer ist, erzielt der Konzern mit seinen Werbeklicks dort auch erheblich weniger Einnahmen.

Infolgedessen fielen die durchschnittlichen Einnahmen pro Benutzer (ARPU) von Snap im Rest der Welt, die wahrscheinlich durch entwickelte Märkte wie Japan und Australien in gewissem Umfang kompensiert wurden, um 25% auf 0,89 Dollar. Zum Vergleich: Der nordamerikanische ARPU von Snap stieg um 9% auf 3,40 Dollar, und der europäische ARPU von Snap stieg um 16% auf 1,10 Dollar.

Keine offizielle Prognose

Für das laufende Vierteljahr gab Snap erneut keine offizielle Umsatzprognose ab, da die Entwicklung des Werbemarktes angesichts der Corona-Krise schwer vorherzusagen sei. Die internen Berechnungen basierten aber auf einem Umsatzwachstum von rund 20%, so Finanzchef Andersen.

Anleger sollten sich vorerst auf eine schwankungsstarke Zeit einstellen. Die Bewertung erscheint mit einem Börsenwert von immer noch rund 27 Milliarden Dollar sehr hohe Erwartungen einzupreisen. Zumindest verfügt der Konzern über mehr als 2,8 Milliarden Dollar Bargeld auf der Bank und mehr als einer Milliarde an Kreditfazilitäten. Damit dürfte der Konzern noch etwas Zeit haben herauszufinden, wie sich die stark steigende Nutzerbasis in den Entwicklungsländern in Profite ummünzen lässt.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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