Snap-Aktie: Enttäuschende Quartalszahlen sorgen für Kursdebakel

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Die insbesondere unter jüngeren Leuten verbreitete und beliebte Foto-App Snap bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück: (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Starke Schwankungen sind die Anleger des US-Technologie-Konzerns Snap ja bereits gewohnt:

Dem Börsengang im März dieses Jahres folgte ein kurzes Zwischenhoch bei 27 Dollar bevor die Aktie auf unter 20 Dollar deutlich Richtung Ausgabepreis (17 Dollar) rauschte.

Die im Anschluss folgende Zwischen-Erholung bis auf knapp 24 Dollar war nicht von langer Dauer.

Denn die gerade vorgelegten Geschäfts-Ergebnisse sorgten für den nächsten Tiefschlag:

Enttäuschte Investoren ließen die Aktie fallen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel und sorgten für ein Kursminus von über 20%.

Starkes Umsatz-Wachstum und horrende Verluste

Die Aktionäre hatten es bereits im Vorfeld der Zahlen befürchtet, aber das Ausmaß hat dann doch überrascht.

Positiv an den Ergebnissen war alleine die Umsatz-Entwicklung, die mit einer Vervierfachung auf 149,6 Mio. Dollar durchaus beeindrucken konnte.

Aber dass sich im Gegenzug der Verlust auf 2,2 Mrd. Dollar ausweitete (Vorjahres-Zeitraum: -104 Mio. Dollar) sorgte bei den Anlegern für deutliche Verstimmung.

Ein Großteil der schwachen Zahlen geht auch auf hohe Einmal-Belastungen durch Aktien-Optionen im Zuge des Börsengangs zurück.

Allein der Firmenchef Evan Spiegel erhielt einen Sonderbonus von 750 Mio. Dollar, weil er den Konzern trotz schwierigen Zahlen auf das Parkett geführt hat.

Insgesamt gingen 2 Mrd. Dollar auf das Konto von Management- und Mitarbeiter-Vergütung.

Enttäuschendes Nutzer-Wachstum

Aber auch bei anderen relevanten Kennzahlen sah es ausgesprochen düster aus:

Aktuell zählt die Fotoapp 166 Mio. aktive Nutzer. Das sind zwar 8 Mio. mehr als Vorquartal, aber weniger als die Analysten erwartet hatten.

Damit lässt das Nutzer-Wachstum im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zu wünschen übrig. Besonders der werbestarke US-Markt enttäuschte  mit einem Zuwachs von „nur“ 3 Mio. Kunden.

Unter dem Strich sanken die Erlöse pro Kunde gegenüber dem Vorquartal um 14% auf 90 Cent.

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Plattform für Medien-Inhalte und Kamera-Sonnenbrillen sollen es richten

Bekannt und insbesondere bei jungen Nutzern beliebt wurde Snapchat mit einer App für Bilder, die nach dem Ansehen von alleine verschwinden.

Inzwischen setzt die Firma auf eine Erweiterung des Produkt-Angebots; zum einen mit Fotofiltern und einer Plattform für Medien-Inhalte.

Zum anderen verkauft Snap in den USA eine Kamera-Sonnenbrille („Spectacles“), mit der man kurze Videos aufnehmen kann.

Damit sind bisher 5 Mio. „Snaps“ gemacht worden. Für Sie zum Vergleich: Insgesamt wurden im abgelaufenen Quartal 3 Mrd.“Snaps“ angefertigt.

Facebook schaltet in den Angriffsmodus

Vor allem könnte der Börsen-Neuling aber Konkurrenz vom Platzhirsch Facebook bekommen.

Denn der mächtige Technologie-Konzern hat seinem Fotodienst Instagram eine Verjüngungskur verordnet und wichtige Funktionen von Snap kopiert.

Den „Stories“-Dienst von Instagram, in dem Nutzer die Geschichte ihres Tages erzählen, nutzen laut Muttergesellschaft Facebook bereits 200 Mio. Nutzer.

Das sind immerhin 28% aller Instagram-Nutzer.

Transparenz lässt zu wünschen übrig

Auch bei der von den Anlegern gewünschten Transparenz gibt es bei dem Unternehmen spürbaren Verbesserungs-Bedarf.

Eine Prognose für die kommenden Quartale oder das Gesamtjahr 2017 gab Firmenchef Spiegel nämlich nicht.

Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass die Aktie massiv in den Keller rauscht. Snap macht Geld v. a. mit Werbung.

Ein Selbstbedienungs-System für Anzeigen-Kunden, das Schwung in das Geschäft bringen soll, ist aber noch im Aufbau.

Besserung ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Da scheint die Bewertung trotz des Kurssturzes vom gestrigen Tag mit 12 Mrd. Dollar immer noch deutlich überzogen und birgt weiterhin hohes Kurs-Risiko.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.