Snap-Aktie kommt nicht in Schwung

Die Snap-Aktie hat sich bisher enttäuschend entwickelt. Damit sich dies ändert, muss einiges passieren. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Im vergangenen Jahr hatte ich Sie unmittelbar nach dem Snap-Börsengang vor den hohen Risiken der Snap-Aktie gewarnt. Zu Recht: Der Kurs notiert heute erheblich niedriger als in der damaligen Euphoriephase. Aber auch heute muss ich Ihnen zur Vorsicht bei Snap raten, denn das Chance/Risiko-Verhältnis stimmt auch auf dem niedrigeren Kursniveau noch nicht.

Unternehmensportrait

Snap betreibt den kostenlosen Instant-Messaging-Dienst Snapchat, den regelmäßig über 190 Mio. Menschen nutzen. Beliebt ist Snapchat bei den überwiegend jungen Nutzern vor allem wegen seiner „Kurzlebigkeit“, denn die damit verschickten Nachrichten, Fotos und Videos werden nach kurzer Zeit automatisch wieder gelöscht.

Rund 25 Mrd. US-Dollar war die Snap-Aktie nach dem Börsengang im Frühjahr 2017 wert. Inzwischen sind es nur noch 16 Mrd. US-Dollar.

Hohe Wachstumsraten

Die gute Nachricht für Snap: Auch wenn das immens hohe Wachstumstempo inzwischen etwas abgeflacht ist, bleibt die Wachstumsdynamik recht hoch: Im 1. Quartal lag das Umsatzwachstum sogar bei +54%, auch wenn die Prognosen noch etwas höher gelegen hatten.

Für das 2. Quartal stellte das Unternehmen allerdings ein schwächeres Wachstum in Aussicht. Analysten rechnen für dieses und das kommende Jahr im Schnitt mit über 40% jährlichem Umsatzwachstum – das ist schon was.

Immer noch (tief-)rote Zahlen

Die schlechte Nachricht für Snap: Das Unternehmen hat den Sprung in die schwarzen Zahlen immer noch nicht geschafft. Im vergangenen Jahr lag der Verlust mit -3,5 Mrd. US-Dollar sogar beim Vierfachen des Jahresumsatzes. Mittlerweile hat Snap seine Investitionen deutlich herunter geschraubt, dürfte allerdings noch einige Jahre brauchen, bis die Gewinnschwelle erreicht wird.

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Einige Abstriche im Vergleich zu Facebook

Snap-Anleger verweisen gerne auf die Erfolgsgeschichte von Facebook, die Snap in ähnlicher Form noch bevorstehen könnte. Doch aus meiner Sicht hinkt dieser Vergleich aus mehreren Gründen:

Erstens war und ist Facebook unumstrittener Marktführer, Snap ist hingegen im Vergleich zu Facebooks Messenger-Diensten Instagram und WhatsApp ein relativ kleiner Fisch. Zweitens wächst die Nutzerzahl von Snap relativ langsam (im vergangenen Quartal sind 4 Mio. Nutzer hinzugekommen), daher vergrößert sich der Abstand zu Marktführer Facebook.

Und drittens verbringen die Nutzer erheblich weniger Zeit auf Snap (schließlich werden die Inhalte nur wenige Sekunden angezeigt), was es schwieriger macht, die Werbeeinnahmen zu erhöhen.

Weiterhin ungünstiges Chancen/Risiko-Verhältnis

Damit sich die Snap-Aktie zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln kann, muss schon alles stimmen: Die Nutzerzahlen müssen deutlicher ansteigen als bisher, Snap muss neue Erlösquellen erschließen und (vor allem) muss Snap den Sprung in die Gewinnzone (möglichst bald) schaffen. Dies ist kein Ding der Unmöglichkeit, aber ich halte die Wahrscheinlichkeit für eher gering.

Daher stimmt bei der Snap-Aktie aus meiner Sicht auch weiterhin das Chancen/Risiko-Verhältnis einfach nicht.


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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.