Snap-Aktie: Milliardenschwerer Börsengang steht vor der Tür

Nun ist es wieder soweit: Nachdem sich die Börsen nach der Trump-Wahl auf hohem Niveau eingependelt haben, wagen sich die ersten großen Börsen-Aspiranten hervor.

So auch der Technologie-Konzern Snap – den meisten von Ihnen wahrscheinlich eher über die Bilder-App Snapchat bekannt.

Rund 3 Mrd. Dollar will das Startup bei den Anlegern einsammeln.

Was hat es mit dem Börsengang auf sich? Wie ist die Strategie des Konzerns? Kann die Geschäfts-Entwicklung mit der sportlichen Unternehmens-Bewertung Schritt halten?

Imposanter Marktwert

So irreal Einhörner in der normalen Welt sind, so irreal sind auch die Bewertungen der sogenannten Unicorns.

Darunter versteht man Start-Up-Firmen, die mit einem Unternehmenswert von mehr als 1 Mrd. Dollar bewertet werden; so auch Snapchat.

Denn laut früheren Medien-Berichten könnte der Bilderdienst eine Bewertung von bis zu 25 Mrd. Dollar anpeilen.

Das wäre der größte Börsengang eines US-Technologie-Unternehmens, seit Facebook im Jahr 2012 seine Aktien-Notiz aufnahm.

Starkes Wachstum und saftige Verluste

Mit seinen gerade veröffentlichten Geschäftszahlen zeigt Snap das gewohnt Bild das Sie auch bei zahlreichen anderen Internet-Start-Ups beobachten können.

Während die Umsätze im vergangenen Jahr von 58,6 auf 404,5 Mio. Dollar regelrecht explodierten, verharrte Snap tief in der Verlustzone.

Unterm Strich verbrannte der Konzern 514,6 Mio. Dollar und damit deutlich mehr als im Jahr zuvor (373 Mio. Dollar).

Wachstums-Zenit ist überschritten

Keine Frage – der Bilderdienst ist v. a. bei der jüngeren Bevölkerung schwer beliebt. Zuletzt nutzten immerhin 158 Mio. Nutzer am Tag den Dienst.

Was die Anleger aber weniger freuen dürfte: Im vergangenen Quartal kamen gerade einmal 5 Mio. neue Nutzer hinzu.

Der wichtigste Markt sind mit 68 Mio. Nutzern die USA, gefolgt von Europa (52 Mio. Nutzer).

Das Tagebuch für Bilder

Vielleicht fragen Sie sich, was das Besondere an der Bilder-App ist? – Snapchat ist ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst zur Nutzung auf Smartphones und Tablets.

Das Prinzip ist einfach: Der Nutzer kann Bilder an Freunde versenden, die nur wenige Sek. sichtbar sind und sich dann von selbst „zerstören“.

Snapchat unterscheidet sich dabei von anderen sozialen Mediendiensten v. a. in seinem Aufbau:

Neben der herkömmlichen Messaging-Funktion für die Kommunikation von einer Person zur anderen erhalten die Nutzer keine Profile, die mit Inhalten ausgebaut werden.

Sie erhalten stattdessen ihre eigenen einseitig ausgerichteten „Channels“, über die immer wieder neue Inhalte verbreitet werden können.

Deren Inhalte können andere Nutzer anschauen, jedoch nicht direkt kommentieren oder „liken“. Klassisch entspricht es eher einem Tagebuch, das sie temporär mit anderen Nutzern teilen.

Werbung soll Geld in die Kassen spülen

Da der Dienst für die Nutzer kostenlos bleiben soll, setzt Snap auf Werbung, um Umsätze zu generieren.

Seit Oktober hat Snap die Werbeplätze in seinem Netzwerk über eine Schnittstelle für automatisierte Marktplätze von Drittanbietern geöffnet.

Somit kann die Werbung im Netzwerk ohne menschliche Eingriffe platziert werden. Dafür ist aber eine steigende Reichweite von essentieller Bedeutung.

Wenn das Nutzer-Wachstum also nachlässt, sinkt auch das Potenzial über Werbe-Erlöse abzukassieren.

Auf der anderen Seite ist Snap von dem Internet-Riesen Google extrem abhängig. Denn der Bilderdienst existiert in der Cloud („Wolke“) von Google.

Alleine 2 Mrd. Dollar muss das Startup in den kommenden 5 Jahren für diese Dienstleistung an Google überweisen.

Kamerabrille am Verkaufs-Automaten

Kein Wunder also, dass sich Snap nach weiteren Wachstums-Möglichkeiten umsieht.

Der Konzern hat vor einigen Tagen den Verkauf einer eigenen Fotodatenbrille gestartet, die automatisch 10-Sek.-Videoaufnahmen vom Alltag der Nutzer macht.

Diese können sie ohne Umweg in dem Netzwerk veröffentlichen. Die Brillen kosten 130 Dollar und werden aus Automaten überall in den USA verkauft.

Alles eine Frage des Preises

Bislang ist der Bilderdienst v. a. bei Teenagern beliebt. Ob es wirklich gelingt, die Reichweite auch bei der älteren Bevölkerung zu steigern, wird sich erst noch zeigen müssen.

Sollte Snap wirklich die angepeilte Bewertung von 25 Mrd. Dollar zum Börsengang erreichen, ist das Risiko für Rückschläge für Erstzeichner ausgesprochen hoch.

7. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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