Snap-Aktie: Tot gesagte leben länger

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Snap-Aktie: Tot gesagte leben länger. Aktie explodiert nach Geschäftszahlen. Lesen Sie, warum eine Schwalbe trotzdem noch lange keinen Sommer macht (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Die Euphorie zum Börsengang war groß. Trotz einem Verlust von einer halben Milliarde Dollar und stimmrechtslosen Aktien rissen sich die Anleger im März letzten Jahres um die Papiere des Technologiekonzerns Snap. Den ersten Handelstag beendete die Aktie bei  24,48 Dollar und damit immerhin 44% über dem Emissionspreis. Auf einen Schlag war der Konzern 28 Milliarden Dollar wert.

Das war offenbar deutlich zu viel, wie Ihnen der anschließende Kursverlauf zeigt. Nach schwachen Geschäftszahlen krachte die Aktie im Sommer bis auf unter 12 Dollar in die Tiefe. Doch nun scheint die Firma einen Wendepunkt erreicht zu haben. Die Papiere schossen nachbörslich um beinahe 50% nach oben. Grund waren die Ergebnisse zum vierten Quartal, die erstmals die Schätzungen der Analysten übertreffen konnten.

Snap im Porträt

Snap Inc. ist eine Kamerafirma. Das Kernprodukt, Snapchat, ist eine Kamera-Anwendung, mit der Menschen durch kurze Videos und Bilder kommunizieren können. Jede dieser kurzen Videos bzw. jedes dieser Bilder nennt man ein Snap. Täglich nutzen durchschnittlich mehr als 180 Millionen Menschen Snapchat, und mehr als 2,5 Milliarden Schnappschüsse entstehen jeden Tag.

Neben der Snapchat Anwendung können Publisher Tools genutzt werden oder die firmeneigenen Sonnenbrillen. Schnappschüsse werden in erster Linie durch die Snapchat-Anwendung betrachtet, können unter bestimmten Umständen aber auch in Internet- und Fernseh-Anwendungen eingebettet werden.

Snap wächst stärker als erwartet

Dieses Mal konnte der Börsenneuling mit einem deutlich höheren Umsatzzuwachs als erwartet glänzen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal kletterten die Erlöse immerhin um 72% auf 286 Millionen Dollar. Für Sie zum Vergleich: Die Analysten waren nur von 253 Millionen Dollar ausgegangen.

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Dabei verbesserte sich auch der durchschnittliche Umsatz je Nutzer um 31% auf 1,53 Dollar. Auch beim Verlust je Aktie schnitt Snap besser ab als erwartet. Während die Experten mit einem Verlust je Aktie von 0,16 Dollar gerechnet hatten, legte Snap nur einen Verlust von 0,13 Dollar vor.

Nutzerwachstum legt wieder einen Zahn zu

Überzeugen konnte der US-Konzern auch mit seinem Nutzerwachstum. Die Zahl täglich aktiver Nutzer kletterte binnen drei Monaten um fünf Prozent auf 187 Millionen. Alleine im vierten Quartal gewann Snap 9 Millionen neue Kunden, während die Analysten nur mit 6,3 Millionen neuen Nutzern gerechnet hatten. Damit erreichte Snap den höchsten Zuwachs seit dem Herbst 2016. Zudem zeigt sich eine schrittweise Verbesserung der Kostenbasis. So konnten die Umsatzkosten (Personal, Server etc.) im Jahresvergleich von über 90 auf nur noch 64% reduziert werden.

Vergessen Sie nicht – es ist noch ein langer und steiniger Weg in die Gewinnzone

Bei all den positiven Überraschungen sollten Sie aber nicht vergessen, dass Snap noch tief in der Verlustzone operiert. Immerhin lag der Quartalsverlust mit 350 Millionen Dollar mehr als doppelt so hoch wie noch vor einem Jahr (170 Millionen Dollar). Ob sich daran schnell etwas ändert, darf zumindest bezweifelt werden. Denn die starke Konkurrenz durch die Instagram-App von Facebook, die ähnliche Funktionen bietet, sollten Sie nicht unterschätzen.

Für Snap geht es darum, sich schnell als attraktive Adresse für Online-Werbung neben den Giganten Facebook und Google zu etablieren. Die Analysten zeigen sich momentan noch sehr zurückhaltend. Während 8 Experten zum Kauf raten, sehen 18 Analysten in der Aktie eine Halteposition und 9 stufen die Papiere als Verkauf ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 15,82 Dollar deutlich unter dem aktuellen Kursniveau von 19,53 Dollar.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.