Snap: Auch nach dem Kursdebakel Finger weg von der Aktie!

Beim US-amerikanischen Bilderdienst Snap und der so gehypten App Snapchat ist eine Trendwende in Sicht. Die besten Zeiten scheinen vorbei. (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Dass Sie als Anleger bei Modethemen und Börsengängen vorsichtig sein sollten, hat der Snap-Börsengang einmal wieder eindrucksvoll gezeigt.

Noch nicht einmal 1/2 Jahr ist es her, da wagte der Bilderdienst aus den USA den Sprung aufs Parkett.

Auf Grund des strammen Kunden-Wchstums rissen die Anleger dem Unternehmen die Aktien regelrecht aus der Hand.

Alleine am 1. Handelstag im März schossen die Papiere um mehr als 40% in die Höhe.

Bei einem Kurs von 24 Dollar war das Verluste schreibende Start-up auf einen Schlag 28 Mrd. Dollar wert.

Wer nicht liefert, wird abgestraft

Doch so beeindruckend die Euphorie war, so schnell ist sie auch wieder verschwunden.

Denn offenbar haben die Anleger in der Zwischenzeit ihre rosarote Brille abgesetzt und sich die Entwicklung der Firma genauer angesehen.

Mittlerweile hat der US-Konzern seine 2. Quartalszahlen seit dem Börsengang präsentiert und konnte die hohen Erwartungen seiner Fangemeinde damit abermals nicht erfüllen.

Die Aktie wurde darauf regelrecht abgestraft:

Nach einem 2-stelligen Tages-Verlust notieren die Papiere inzwischen bei unter 12 Dollar – und damit mehr als 50% unter dem Höchstkurs vor wenigen Monaten.

Verluste türmen sich auf

Die nackten Zahlen machen das Ausmaß der Entwicklung deutlich:

Trotz eines durchaus beeindruckenden Umsatz-Anstiegs von mehr als 150% auf 182 Mio. Dollar im 2. Quartal müssen Sie Gewinne vergeblich suchen.

Alleine im vergangenen 1/4-jahr verbrannte der Betreiber der Foto-App Snapchat sage und schreibe 443 Mio. Dollar.

Für Sie zum Vergleich: Im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum waren es mit 116 Mio. Dollar noch deutlich weniger.

Nutzer-Wachstum schwächt sich ab

Auch bei einer weiteren wichtigen Kennziffer, dem Nutzer-Wachstum, konnte Snap die Erwartungen seiner Anleger nicht erreichen:

Zwar kletterte die Zahl der aktiven Nutzer auf 173 Mio. (zum Vorjahr ist das zwar ein beachtliches Plus von 21%).

Aber zum direkten Vorquartal hat sich der Zuwachs mit einem Zuwachs von nur noch 4% deutlich abgeschwächt.

Für Sie zum Vergleich. Im 2. Quartal 2016 kletterte die Nutzerzahl noch um über 1200%.

Facebook macht Snap das Leben schwer

Besonders die wachsende Konkurrenz macht dem US-Start-up das Leben zunehmend schwer:

Besonders Facebook mit Whatsapp und seiner Bilder-App Instagram setzt Snap immer stärker zu, da der Technologie-Riese einfach wesentliche Funktionen des Rivalen kopiert hat.

Früher hatte Snap mit seinen Bildern, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, einen interessanten Wettbewerbs-Vorteil, der nun einfach nicht mehr vorhanden ist.

Alle wichtigen Funktionen von Snap werden durch Facebook immer schneller und besser kopiert.

Lichtblick am Horizont

Trotz der eigentlich miserablen Ausgangs-Situation gab es auch vereinzelte Lichtblicke im aktuellen Zahlenwerk:

Denn immerhin verbrachten die Nutzer mehr Zeit mit dem Bilderdienst. Zugleich verdoppelte sich der Umsatz pro Nutzer um mehr als 100% auf 1,05 Dollar.

Immerhin bewegt sich der Dienst mit seinem Fokus auf junge Kunden aus Nordamerika in dem werbestärksten Markt der Welt.

Perspektiven schlecht, keine Trendwende erkennbar

Unter dem Strich überwiegen allerdings die dunklen Wolken. Bislang ist nicht absehbar, wie das Unternehmen die operative Trendwende erreichen will.

Ob der Verluste schreibende Bilderdienst den Kampf gegen Facebook und Google gewinnen kann, darf stark bezweifelt werden.

Solange sich die Zahlen nicht deutlich bessern, sollten Anleger die Aktie nur von der Seitenlinie aus beobachten.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.