Snap: Auf dem Weg zum Penny-Stock

Trotz oder gerade wegen der Neugestaltung seiner Foto-App hat Snap gestern miese Quartalszahlen vorgelegt. Die Aktie verliert mehr als 14 % (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Aus der beliebten Rubrik „Geschäftsmodelle, die die Welt nicht braucht“ heute ein Kommentar zu den Quartalszahlen der Foto-App Snapchat. Diese waren zwar mit Spannung erwartet worden, doch das überraschende Element blieb – fast schon erwartungsgemäß – aus. Denn Snapchat konnte in den vergangenen drei Monaten gerade mal vier Millionen täglich aktive Nutzer hinzugewinnen –  Analysten hatten eher mit sieben Millionen gerechnet.

Neugestaltung als Problem, nicht als Lösung

Zwar konnten die Umsätze im Jahresvergleich um 54 Prozent auf 230,7 Mio. US-Dollar gesteigert werden, doch die Erwartungen der Wall Street lagen bei 244,5 Mio. US-Dollar: Und wurden klar verfehlt. Ursächlich hierfür war vor allem die Entscheidung des Unternehmens, sein Produkt einem umfassenden Re-Design zu unterziehen. So sollte Snapchat, die ursprünglich mit von alleine verschwindenden Fotos bekannt wurde, zu einer umfangreichen Plattform für Medieninhalte ausgebaut werden. Die Umgestaltung sollte die unübersichtliche Snapchat-Bedienung vereinfachen – mit dem Ziel, neben der Kernzielgruppe der Teenager auch ältere Nutzer anzulocken.

Laut CEO Spiegel sollte durch die Umgestaltung der „Grundstein für die Zukunft unserer Kommunikationsprodukte und unserer Medienplattform“ gelegt werden. Erreicht wurde jedoch das genaue Gegenteil: Prominente und eingefleischte Anwender der Snap-App, allen voran die Fotomodelle und Influencer Kylie Jenner und Chrissy Teigen, sagten medienwirksam „Good Bye“ zu Snap.

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Tief in den roten Zahlen

Ist ein Modeunternehmen bei seinen Stammkunden plötzlich nicht mehr trendy, hat dies für gewöhnlich keine guten Folgen auf Anzeigenaufrufe und Werbeeinnahmen. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die ohnehin katastrophale Ertragslage: Diesmal wurde ein Verlust von 385,8 Millionen Dollar verkündet. Dass nun 100 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen sollen, wird dieses strukturelle Defizit nicht einmal ansatzweise beseitigen.

Konzernchef Evan Spiegel machte für die Probleme die Umgestaltung verantwortlich, will aber „Anzeichen einer Stabilisierung“ ausgemacht haben. Für diese Einschätzung kann Spiegel Exklusivität verbuchen, denn die Snap-Aktie fiel im nachbörslichen Handel um mehr als 14 Prozent auf nunmehr rund gut 12 US-Dollar.

Zum Vergleich: Zum Börsengang im März vergangenen Jahres musste für die Snap-Aktie noch 17 Dollar bezahlt werden. Von Stabilisierung kann also keine Rede sein. Daran wird sich auch wenig ändern, denn die Aktie einer App, die Monat für Monat massiv Geld verbrennt und mit den Internet-Giganten Google und Facebook konkurrieren will, wird auch in Zukunft nur eine Richtung kennen: Nach unten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.