Snap Inc.-Aktie: Fotoapp-Spezialist trotz steigender Umsatzzahlen mächtig unter Druck

Snap Inc.-Aktie: Umsatz schießt nach oben, aber Nutzer kehren der App den Rücken. Aktie wird abverkauft (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Die Erwartungen zum Börsengang im vergangenen Jahr waren groß. Die eingesammelten Mittel sollten die Expansion des US-Technologiekonzerns Snap vorantreiben und für sprudelnde Gewinne sorgen. Bislang mit überschaubarem Erfolg. Zwar schossen die Umsätze in die Höhe, aber das Erreichen der Gewinnschwelle ist bislang noch nicht in Sicht.

Offenbar reißt auch den Anlegern jetzt der Geduldsfaden. Nach Vorlage der jüngsten Ergebnisse rauschten die Papiere um knapp 7% in den Keller. Bei einem Kurs von 12,23 Dollar notiert die Aktie mittlerweile 54% unter ihren Höchststand, der kurz nach dem Börsengang im Frühjahr 2017 erreicht wurde.

Snap – der Spezialist für Schnappschüsse

Bevor ich auf die jüngsten Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen den US-Konzern näher vorstellen. Snap Inc. ist eine Kamerafirma. Das Kernprodukt, Snapchat, ist eine Kamera-Anwendung, mit der Menschen durch kurze Videos und Bilder kommunizieren können. Jede dieser kurzen Videos bzw. jedes dieser Bilder nennt man ein Snap. Täglich nutzen durchschnittlich mehr als 180 Millionen Menschen Snapchat, und mehr als 2,5 Milliarden Schnappschüsse entstehen jeden Tag.

Neben der Snapchat Anwendung können Publisher Tools genutzt werden oder die firmeneigenen Sonnenbrillen. Schnappschüsse werden in erster Linie durch die Snapchat-Anwendung betrachtet, können unter bestimmten Umständen aber auch in Internet- und Fernseh-Anwendungen eingebettet werden.

Beeindruckende Geschäftsentwicklung

Obwohl der Kameraspezialist erst wenige Jahre alt ist, zeigte der Konzern eine beeindruckende Entwicklung. Von 2015 bis 2017 explodierten die Umsätze regelrecht von 58,7 auf 824,9 Millionen Dollar. Allerdings konnte Snap Inc. dabei nicht die Gewinnzone erreichen. Insgesamt verbrannte der Konzern in den drei Geschäftsjahren satte 4,3 Milliarden Dollar.

Snap-Aktie kommt nicht in SchwungDie Snap-Aktie hat sich bisher enttäuschend entwickelt. Damit sich dies ändert, muss einiges passieren.  › mehr lesen

Umsatz explodiert, aber Kundenwachstum enttäuscht

Gerade wurden die Zahlen für das abgelaufene zweite Quartal präsentiert. Der Umsatz sieht mit einem Plus von 44% auf 262,2 Millionen Dollar auf den ersten Blick gar nicht mal schlecht aus. Insbesondere die Online-Werbung mit Snap Ads sorgte für kräftigen Rückenwind. Unterdessen musste der Konzern aber bei einer wichtigen Kennzahl, den täglich aktiven Nutzern, einen Dämpfer hinnehmen.

Zwar lag die Kundenanzahl mit 188 Millionen 8% über dem vergleichbaren Vorjahresniveau, aber eben auch leicht unter dem ersten Quartal (191 Millionen Nutzer). Sie müssen wissen: Snap hatte in diesem Jahr seine Snapchat-Anwendung umgestaltet, um den Wünschen der Werbepartner stärker zu entsprechen. Den Nutzern hat es offenbar nicht gefallen. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte hat Snapchat in einem Quartal in der Nutzerbasis Einbußen hinnehmen müssen.

Weiterhin tief in der Verlustzone

Unter dem Strich fiel ein Quartalsverlust in Höhe von 353 Millionen Dollar an. Das war zwar weniger als im Vorjahresquartal (-443 Millionen Dollar), aber trotzdem noch meilenweit vom Erreichen der Gewinnzone entfernt.  Jetzt gilt es für den Technologiekonzern zu zeigen, dass die Nutzerbasis ausgebaut und die Einnahmequellen verstärkt werden. Zum Quartalsende verfügte Snap Inc. noch über liquide Mittel in Höhe von rund 1,57 Milliarden Dollar.

Milliardär steigt ein

Neben den schwachen Zahlen gab es auch einen Lichtblick, der die Anleger zuletzt erfreut hatte. Der saudi-arabische Milliardär al-Walid ibn Talal ist nämlich bei Snap eingestiegen und hat sich einen 2,3%-Anteil gesichert. Damit dürfte der reichste Araber ungefähr 250 Millionen Dollar für den Anteil auf den Tisch gelegt haben. Grundsätzlich natürlich ein positives Signal, im Verhältnis zu seinem Gesamtvermögen von über 17 Milliarden Dollar fällt das Investment wohl eher weniger ins Gewicht.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.