Snap: Kursdesaster setzt sich nach Katastrophenzahlen ungebremst fort

Snap-Aktie: Kursdebakel nach Horrorzahlen. Foto-App-Anbieter verharrt tief in den roten Zahlen. Management stimmt auf harte Zeiten ein (Foto: dennizn / Shutterstock.com)

Anteilseigner des US-Technologiekonzerns Snap dürfte spätestens nach den vorgelegten Zahlen klar sein, dass einiges schief läuft. Die Hoffnung auf eine Trendwende war verfrüht. Kein Wunder also, dass die Horrorzahlen von den Aktionären mit kräftigen Verkäufen quittiert wurden.

Um satte 20% ging es nach der Präsentation der Zahlen in den Keller. Damit hat die Snap-Aktie das niedrigste Niveau seit dem Börsengang erreicht. Seit dem Kurshoch im Februar verloren die Papiere satte 45% an Wert.

Snap im Portrait

Snap betreibt den kostenlosen Instant-Messaging-Dienst Snapchat, den täglich rund 190 Mio. Menschen nutzen. Beliebt ist Snapchat bei den überwiegend jungen Nutzern vor allem wegen seiner „Kurzlebigkeit“, denn die damit verschickten Nachrichten, Fotos und Videos werden nach kurzer Zeit automatisch wieder gelöscht.

Neugestaltung verfehlt Ihre Wirkung – Nutzerwachstum enttäuschend

Mit einer Neugestaltung seiner Foto-App Snapchat wollte der US-Konzern sein Wachstum wieder ankurbeln. Allerdings konnte Snap in den vergangenen drei Monaten nur vier Millionen täglich aktive Nutzer hinzugewinnen. Für Sie zum Vergleich: Die Analyten waren im Vorfeld der Zahlen von 7 Millionen neuen Nutzern ausgegangen. Zum Quartalsende hatte Snap 191 Millionen Nutzer.

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Snap steckt tief in der Verlustzone fest

Ähnlich schwach entwickelten sich die Geschäftszahlen. Zwar kletterte der Umsatz um 54% auf 230,7 Millionen Dollar im ersten Quartal. Das lag aber deutlich unter den Erwartungen der Analysten (245 Millionen Dollar). Ebenso konnte die Gewinnentwicklung nicht an die Prognosen der Marktteilnehmer heranreichen. Unterm Strich verharrte Snap nämlich weiterhin tief in der Verlustzone. Alleine im Jahresauftaktquartal fiel ein Verlust in Höhe von 385,8 Millionen Dollar an.

Gewinne auch zukünftig nicht in Sicht

Seit 2015 türmen sich die Verluste trotz des Wachstums auf über 4,6 Milliarden Dollar auf. Doch damit nicht genug. Die Konzernführung stimmt die Anleger darauf ein, dass sich das Umsatzwachstum in den kommenden Quartalen erheblich verlangsamen wird. Das neue Design hat sich als absoluter Flop entpuppt. Das sind extrem schlechte Aussichten für die Aktionäre. Denn wie Snap ohne kräftige Umsatzzuwächse jemals in die Gewinnzone kommen soll, ist vollkommen unklar.

Snap tritt auf die Kostenbremse

Unterdessen versucht der US-Konzern seine Kosten in den Griff zu bekommen. Im März gab die Gesellschaft Kürzungen bei der Belegschaft bekannt. Insgesamt will sich Snap von 100 Mitarbeitern aus der IT-Abteilung trennen. Damit betrifft die Kündigungswelle 10% der kompletten IT-Belegschaft, also dem Herzstück des Unternehmens.

Bewertung weiterhin ambitioniert

Vor dem Hintergrund der operativen Probleme und des zunehmenden Wettbewerbs durch Tech-Giganten wie Facebook erscheint die Börsenbewertung von annähernd 10 Milliarden Dollar trotz des Kursdebakels als ziemlich ambitioniert. Positiv ist, dass der Konzern durch den Börsengang im vergangenen Jahr noch eine Liquidität von 1,8 Milliarden Dollar in der Hinterhand hat. Doch im Hinblick auf die horrenden Verluste dürfte das Polster bald kräftig zusammenschrumpfen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.