Snapchat: Ein böses Erwachen droht

Haben Sie letzte Woche den großen Trubel um den Börsengang von Snapchat verfolgt? Trotz ambitionierter Bewertung ging es mit der Snap-Aktie an den ersten beiden Handelstagen steil aufwärts.

Doch schon am 3. Tag folgte das böse Erwachen: Die Internetaktie stürzte unter ihren 1. Handelskurs.

Eines ist klar: Snap ist ein heißes Eisen.

Hohe Kursschwankungen in beide Richtungen sind möglich. Warum aus meiner Sicht die Risiken die Chancen überwiegen, möchte ich Ihnen im Folgenden erläutern.

Unternehmens-Portrait

Snap betreibt den kostenlosen Instant-Messaging-Dienst Snapchat, den täglich rund 160 Mio. Menschen nutzen.

Beliebt ist Snapchat bei den überwiegend jungen Nutzern v. a. wegen seiner „Kurzlebigkeit“, denn die damit verschickten Nachrichten, Fotos und Videos werden nach kurzer Zeit automatisch wieder gelöscht.

Mit aktuell 25 Mrd. US-Dollar ist die Snap-Aktie in Anbetracht von über 500 Mio. US-Dollar Verlust bei rund 400 Mio. US-Dollar Jahres-Umsatz 2016 sehr ambitioniert bewertet.

Bei dieser Bewertung sind hohe Wachstumsraten in den kommenden Jahren ein Muss.

Erfolgreich wie Facebook oder ein Rohrkrepierer wie Twitter?

In den vergangenen Jahren gab es 2 prominente Vorreiter-Aktien aus dem Bereich soziale Netzwerke, die sich vollkommen unterschiedlich entwickelt haben:

  1. Da wäre zum einen Facebook: Nach kurzer Schwächephase in den ersten Monaten nach dem Börsengang hat sich die Aktie zu einem echten Überflieger entwickelt. Hohe Zuwachsraten bei Umsatz und Gewinn haben den Aktienkurs trotz ambitionierter Bewertung zum Börsenstart inzwischen vervierfacht.
  2. Das Gegenbeispiel ist Twitter: Kurzfristig kletterte die Aktie zwar von 40 auf 60 US-Dollar nach oben, doch dann folgte der Absturz auf aktuell 15 US-Dollar. Dabei hat Twitter gleich 2 Probleme:
    1. hat das Wachstum spürbar nachgelassen.
    2. hat sich der Sprung in die Gewinnzone verzögert.

Einige Abstriche im Vergleich zu Facebook

Wer heute in Snap investiert, zieht natürlich die Parallelen zu Facebook. Aber aus meiner Sicht müssen hier einige Abstriche gemacht werden:

  1. war Facebook seinerzeit Marktführer. Snap hingegen muss sich gegen einen wesentlich größeren Konkurrenten behaupten, nämlich gegen Facebook mit seinen Messenger-Diensten Instagram und WhatsApp. Der Marktführer hat dabei keine Bedenken, erfolgreiche Snap-Funktionen zu kopieren.
  2. ist es für Snap wesentlich schwieriger (viel) Werbung zu schalten. Denn das Absenden eines Fotos über Snapchat dauert nur Sekunden, während die Nutzer auf Facebook längere Zeit verweilen.
  3. gibt es bereits erste Anzeichen, dass der Hype um Snapchat abflaut. So konnte Snapchat die Zahl seiner täglichen Nutzer vom 3. zum 4. Quartal lediglich um 5 Mio. auf 158 Mio. steigern. Hier muss das Unternehmen schnell wieder deutlich zulegen, um seine Bewertung zu rechtfertigen.

Ungünstiges Chancen/Risiko-Verhältnis

Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich will nicht ausschließen, dass sich die Snap-Aktie zu einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wie Facebook entwickelt.

Aber damit das passiert, muss wirklich alles zu Gunsten des Konzerns laufen – und die Wahrscheinlichkeit dafür schätze ich als gering ein.

Dafür gibt es eine Menge Dinge, die schief gehen und den Anlegern die Lust an der hoch bewerteten Aktie nehmen können. Daher stimmt aktuell aus meiner Sicht das Chancen/Risiko-Verhältnis einfach nicht.

9. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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