So berechnen Sie die Eigenkapitalquote eines Unternehmens

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Anlässlich der gerade begonnen Halbjahres-Berichtssaison lernen Sie in den nächsten Tagen einige wichtige Kennzahlen kennen. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Eine Zahl kann mehr als tausend Worte sagen. Unter diesem Motto steht mein heutiger Beitrag. Immer wieder habe ich Ihnen hier im Schlussgong über die Fundamentalanalyse berichtet. Diese ist elementarer Grundstein der Value-Strategie, mit der Investoren wie Warren Buffett seit Jahrzehnten überdurchschnittliche Erfolge erzielen.

Value Investoren sind ständig auf der Suche nach unterbewerteten Aktien. Mit möglichst einer einzigen Kennzahl sollen bestimmte Eigenschaften eines Unternehmens dargestellt werden. Diese Kennzahlen messen vor allem Kapital- und Vermögensstruktur, Liquidität und Rentabilität von Aktiengesellschaften.

Wichtig dabei ist, dass Sie immer beachten, dass es länder- und branchenspezifische Besonderheiten gibt. Deshalb können länder- und branchenübergreifende Analysen nicht immer 1:1 miteinander verglichen werden.

Entscheidend ist letztlich auch nicht, ob jede einzelne Kennzahl sehr gut ist, sondern, dass das fundamentale Gesamtbild sehr gut ist. Und im Augenblick sind Kennzahlen besonders spannend, da die Unternehmen dieser Tage ihre Halbjahresberichte vorlegen und Sie somit jeden Tag frische Zahlenwerke haben, mit denen Sie die Kennzahlen, die ich Ihnen heute und in den kommenden Tagen vorstelle, in der Praxis testen können.

Die Kapitalstruktur und die Eigenkapitalquote

Eine überaus wichtige Kennzahl zur Messung der Kapitalstruktur ist die Eigenkapitalquote (EK-Quote). Diese Quote drückt den Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme aus. Das Eigenkapital wiederum ist die Summe aus gezeichnetem Kapital und Rücklagen, also das Geld, das auch dem Unternehmen gehört und nicht geliehen werden muss.

Die Formel zur Berechnung sieht wie folgt aus:

Ein konkretes Zahlenbeispiel:

Ein Unternehmen hat ein gezeichnetes Kapital von 25.000.000 Euro, Rücklagen in Höhe von 3.800.000 Euro und eine Bilanzsumme von 50.000.000 Euro.

Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:

Das Eigenkapital ist bei einer Aktiengesellschaft das von den Aktionären zur Verfügung gestellte Kapital. Daher haben Sie als Aktionär einen Anspruch auf den anteiligen Gewinn des Unternehmens. Sehr wichtig für Sie als Anleger: Je höher die Eigenkapitalquote, desto weiter ist ein Unternehmen von einem Konkurs wegen Überschuldung entfernt.

Zudem ist ein Unternehmen mit einer höheren Eigenkapitalquote weniger abhängig von Banken als eines mit einer niedrigen Eigenkapitalquote. Eine sehr niedrige Eigenkapitalquote (unter 10 bis 20% der Bilanzsumme) ist ein relativ zuverlässiges Zeichen für ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten eines Unternehmens.

EK-Quote: Nicht immer leicht zu beurteilen

Allerdings wird die Beurteilung der Eigenkapitalquote dadurch erschwert, dass eine optimale Eigenkapitalquote nicht für alle Unternehmen gleich ist. Sie sollten daher stets die EK-Quote des von Ihnen begutachteten Unternehmens mit der durchschnittlichen EK-Quote der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, vergleichen.

Im Finanzsektor zum Beispiel sind niedrige Quoten normal, während in der Softwarebranche hohe EK-Quoten üblich sind. Es kann jedoch auch innerhalb der Branchen größere Abweichungen geben, ohne dass dies zwingend ein Alarmzeichen sein muss. Wichtig ist auch stets die Entwicklung der EK-Quote im zeitlichen Verlauf.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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