So geht systematischer Börsenerfolg

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Die Lösung für unbekannte Faktoren und Zufälle an der Börse - Vertrauen Sie der Aktienauswahl, nie einzelnen Aktien. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Ein ganz wichtiges Thema ist für viele Anleger die emotionale oder gedankliche Bindung an eine Aktie oder einen Trade. Kürzlich schrieb mir eine Teilnehmerin meines Aktien-Timing-Systems, dass Sie immer wieder an Aktien mit „Potenzial“ festhält auch wenn diese Kursverluste verzeichnen. Davon kann ich Ihnen jedoch nur abraten, denn nur steigende Aktien sind gute Aktien.

Egal, wie gut Ihnen eine Aktie oder ein Trade auch gefallen mag, lösen Sie sich bitte völlig von der Vorstellung, dass Ihnen ein bestimmter Wert ein positives Ergebnis bringen wird. Denn bevor ein Trade abgeschlossen ist, können Sie selbst bei einer hohen Trefferquote nicht wissen, ob Sie mit der Aktie einen Gewinn oder ein Minus erzielen werden. Und das ist auch gar nicht Ihre Aufgabe. Im Gegenteil.

Wie an der Börse die meisten kostspieligen Fehler entstehen

Ein Anleger, der von einer Aktie „überzeugt“ ist, wird sich schwertun, diese loszulassen, um kleine, unvermeidliche Verluste zu realisieren. Er wird stattdessen oftmals der Versuchung erliegen – entgegen aller Regeln – in laufende Trades eingreifen. Indem er bspw. Stopp-Limits herausnimmt, Positionen aufstockt oder Gewinne zu früh mitnimmt, boykottiert er sein Chance-Risiko-Verhältnis (natürlich unbewusst) zu seinen Ungunsten.

Ein erfolgreicher Trader ist sich bewusst, dass er niemals (!) die vorab festgelegten Parameter (Stopp, Positionsgröße, Gewinnlimit) eines laufenden Trades ändern darf. Vorab festgelegte und klar definierte Ausnahmen wie z.B. außerplanmäßige Verkäufe bei langanhaltenden Seitwärtsphasen darf es natürlich geben.

Nicht mal Warren Buffett kennt alle Fakten: Rechnen Sie immer mit Überraschungen

Machen Sie sich daher stets klar: Sie erreichen nachhaltigen Anlageerfolg nur und ausschließlich dann, wenn Sie wirklich (!) einkalkulieren und erlauben, dass bei einer Aktie, die Sie gekauft haben, alles, was an der Börse möglich ist, passieren kann, darf und muss. Also zum Beispiel Gewinne, Verluste, Kurssprünge „über Nacht“ (Gaps), vorübergehende Handelsaussetzungen oder sogar eine (seltene) überraschende Insolvenz.

Denn: So gut Sie auch analysieren, Sie sind kein Insider, können niemals alle Fakten kennen. Es kann immer plötzliche Überraschungen geben, wie es Warren Buffet mit der Kraft Heinz Aktie erleben musste, die nach überraschenden Abschreibungsverlusten im Frühjahr um -40 % einbrach.

Vielfältige Gründe für plötzliche starke Kursbewegungen

Oder es kann – wie beispielsweise im Falle VW oder Wirecard – sogar Skandale geben. Darüber hinaus sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass sich auch das Börsenumfeld zum Beispiel durch politische Ereignisse oder Terroranschläge schlagartig ändern kann.

Um zu veranschaulichen, wie vielfältig die Gründe für plötzliche Kursschwankungen sein können: Wird z.B. der Ex-Ehefrau eines Vorstands oder Gründers nach der Scheidung ein Aktienpaket zugesprochen, so wäre es möglich, dass dieses postwendend und wenig kursschonend an der Börse versilbert wird. Oder eine Übernahme wird hinter den Kulissen vorbereitet. Solche und viele ähnliche Gründe für spätere Kursbewegungen in beide Richtungen liegen oft noch im Dunkeln und können daher nicht antizipiert werden.

Die Lösung für unbekannte Faktoren und Zufälle an der Börse: Systematisches Trading

Aber ich habe eine Lösung für Sie: Als erfahrene Trader wissen Sie, dass auch Sie zwangsläufig den einen oder anderen Verlusttrade haben werden. Um auch das zu veranschaulichen: Wenn Sie bei einem Würfel bei den Zahlen 3, 4, 5 und 6 (das Doppelte = +20%) gewinnen und nur bei 1 und 2 (die Hälfte, d.h. -10%) verlieren, können Sie erfahrungsgemäß manchmal sogar ein paar Mal hintereinander 1er und 2er würfeln.

Trotzdem gewinnen Sie langfristig immer, bei 30 Würfen wird das Verhältnis ungefähr so sein wie erwartet, also ca. 20 Treffer und 10 Nieten. Mit gewissen statistischen Abweichungen versteht sich. Genauso funktioniert systematisches Trading: Das Gesetz der großen Zahlen schaltet zufällige Einzelrisiken wie unvorhersehbare Kursschwankungen komplett aus und liefert Ihnen im Zeitverlauf im Optimalfall überdurchschnittliche Renditen.

Vertrauen Sie der Aktienauswahl, nie einzelnen Aktien

Ihren überdurchschnittlichen Gesamterfolg stellen Sie also nicht dadurch sicher, dass Sie an einzelne “besonders gute” Aktien oder Trades “glauben”, die “einfach steigen müssen”. Setzen Sie stattdessen auf eine größere Anzahl an Trades in besonders aussichtsreichen Top-Werten. Sie werden nicht jedes Mal ins Schwarze treffen und das müssen Sie auch gar nicht.

Vertrauen Sie Ihrer überdurchschnittlichen Aktien- oder Tradeauswahl. Je vergleichbarer Ihre Trades sind, desto besser können Sie Ihr Chance-Risiko-Verhältnis bestimmen und Optimierungen vornehmen. Dann haben Sie stets einen erheblichen Gewinnvorteil gegenüber allen anderen Anlegern, die nicht so planvoll vorgehen.

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Von: Maximilian Ritter. Über den Autor

Schon seit seiner Jugend interessiert sich Maximilian Ritter für das Börsengeschehen. In seinem Dienst "Aktien-Timing-System" setzt er auf eine verfeinerte CANSLIM-Methode, mit der sich eine 30%ige Rendite im Jahr erwirtschaften lässt.

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